Let’s be real – lieber echt als „recht“ sein!

MaskeHinter mir liegen zehn intensive Tage mit vielen Highlights – Gospelkonzerte in Bern und Münsingen, Studioaufnahmen und ein Konzert in den Räumen der Künstlerkommunität Schloss Röhrsdorf bei Dresden und als Start in diese Zeit ein Vortrag bei Aglow Frick zum Thema „Maske ab – echt sein“.

Dieses Thema hat mich auch auf dem Weg nach Dresden und in der intensiven Zeit bis zu unserer Heimreise beschäftigt. Das Post ist auf der Hinfahrt entstanden und musste noch etwas nachreifen, weil ich erst meine nach intensiver Kommunikations- und Interaktionszeit termingerecht eingetroffene Schottendicht-Phase hinter mich bringen musste. Richtig überwunden ist sie zwar noch nicht, aber ich will endlich wieder was von mir hören lassen – und da wir uns ja nicht in Echtzeit sehen, kann ich kommunikativ tätig sein und dabei zerknittert auf dem Sofa sitzen, ohne gestört zu werden.

Das war der heutige Beitrag zur ungeschminkten Echtheit, den ich hoffentlich nicht bereuen muss. Aber da einige unter Euch schon mit meiner Art zu schreiben vertraut sind, bin ich zuversichtlich, dass keine gehäuften negativen Reaktionen auf mich herunterprasseln.

Das ist heute leider nicht selbstverständlich. Wenn wir echt sind, bläst uns oft ein scharfer Wind entgegen. Wer sich unkonventionell verhält oder eine Meinung ausserhalb des Mainstreams vertritt, wird oft schief angesehen oder für seine Naivität belächelt. Und es scheint oft einfacher und profitabler, anderen etwas vorzumachen.

Wer sich aufplustert und so tut, als könne er alles, kommt im Job schneller voran. Wer anderen nach dem Mund redet, ist gern gesehener Gast auf dem gesellschaftlichen Parkett. Beruflich wie privat spüren wir den unterschwelligen Druck, auf der gerade angesagten Welle mitschwimmen und unsere Ecken, Kanten und Befindlichkeiten für uns zu behalten. Warum sagen, dass es mir nicht gut geht, wenn alle in Partylaune sind? Warum dazu stehen, dass ich die moderne Aufführung im Stadttheater völlig sinnlos finde, wenn alle beindruckte Gesichter machen und von einer „visionären Umsetzung“ sprechen?

Mani Matters Lied „Chlini Hüsli“ ist aktueller denn je: Unsere Gesellschaft bringt zielgerichtet Klone hervor, die alle gleich aussehen, das Gleiche tun und natürlich vor allem das Gleiche kaufen. Und doch braucht die Welt nichts so sehr wie Originale – Menschen, die den Mut haben, echt zu sein.

Ich wusste lange Zeit nicht so recht, wer ich eigentlich bin, hasste es aber immer schon, mich zu verstellen – und wollte gleichzeitig unbedingt „dazu gehören“. Weil das offenbar nicht zusammen ging und ich mich so, wie ich war, eher am Rand herumdrückte, fühlte ich mich selten wohl in meiner Haut. Ich schwankte zwischen Versuchen, das Richtige zu tun und zu sagen, und resignierter Verachtung für die Welt, die mich nicht zu schätzen weiss.

Vor etwa zehn Jahren habe ich begriffen, dass ich mich nicht verstellen muss, um einen Platz zu haben, dass ich aber auch keinen Gruppe und keine Person brauche, die mir meinen Wert bestätigt. Der Eine, der mich unverwechselbar und einzigartig erschaffen hat, weiss, warum ich genauso bin, wie ich eben bin. Er hatte seine Gründe für dieses Design. Und was die Jahre und Erfahrungen verbogen und zerbrochen haben, darf ich Ihm zu Reparaturzwecken jederzeit anvertrauen.

Es ist mir auch heute nicht egal, was andere von mir halten, und ich ziehe es wie die meisten Menschen vor, gemocht zu werden. Aber die Meinung anderer hindert mich nicht mehr daran, genau das zu tun, was ich für richtig halte, und genau der Mensch zu sein, als der ich geschaffen wurde – inklusive der in einem früheren Post erwähnten Schrägheiten und skurrilen Eigenschaften. Und es ist mir heute bedeutend lieber, aus den richtigen Gründen abgelehnt als aus den falschen gemocht zu werden.

Wie sieht es bei Dir aus?

Wusstest Du schon immer, wer Du bist, und hattest auch nie Probleme, echt zu sein? Wenn ja – schätze Dich glücklich. Du verfügst über ein Talent, das nicht jeder hat. Bleib dabei, Dich selbst zu sein – und ermutige andere, es Dir gleich zu tun.

Oder bist Du noch auf dem Weg dahin und ertappst Dich öfters dabei, dass Du Dein Ich hinter einer Maske versteckst? Dann ermutige ich Dich, ein bisschen Echtsein zu riskieren. Es zahlt sich aus und vereinfacht das Leben ungemein – es setzt enorme Energie frei und schenkt Dir wertvolle Begegnungen. Wenn Du echt bist und dazu stehst, dass Du nicht alles kannst und Deine Schwächen hast, ermutigst Du Dein Gegenüber, selbst echter zu sein und das Scharnier heraufzuklappen.

Fang einfach an und trau Dich.
Denn was die Welt wirklich braucht, ist mehr von DIR.

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4 Comments

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  1. Liebe Claudia, Du sprichst mir aus dem Herzen. Du kennst mich schon lange und weisst auch, wie oft ich annecke, weil ich einfach immer „graduse säge“ was ich denke und fühle. Ich hab schon viele Jahre lang immer wieder gespürt, dass ich echt sein muss und will. Auch heute ist es mir nicht egal, was die andern von mir denken – trotzdem, ich will echt sein! Wie kann es anders sein, wir haben ja am gleichen Tag Geburi 😉

  2. Hm, gute Gedanken, aber nix, zum einfach mal so lesen und abhaken … werde mich in den nächsten Tagen nochmal damit auseinandersetzen und dann was schreiben … ach ja, ein Link zu einem coolen Lied von Casting Crowns gibts noch … das hat mich schon sehr oft berührt beim Thema „Masken tragen“: http://www.youtube.com/watch?v=J0klFZ6U0oY …. vielleicht poste ich dazu die woche mal was auf meinem Blog 🙂 schönen abend dir!

    • Danke für den Song-Link; bin ein grosser Fan der Casting Crowns und finde Mark Hall und sein Songwriting einfach genial. Den Song kannte ich noch nicht, er ist wirklich berührend. Sicher ist das Thema Echtsein gerade in der Gemeinde noch einmal eine Herausforderung – so paradox es ist. Würde mich freuen, darüber was von Dir zu lesen :-)! Auch Dir einen schönen Abend!

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