Come to the Well! Geheimrezept gegen den Herbstblues

Brunnen beim Bodmi GrindelwaldWenn ich an meine Primarschulzeit denke, fallen mir neben bunt eingefassten Heften und kleinen Klebern fürs Schönschreiben auch zahlreiche deutsche Volkslieder ein. Bis heute erinnere ich mich an die Melodien und die erste Strophe von Liedern wie „Die Gedanken sind frei“, „Wohlauf in Gottes schöne Welt“ oder „Wem Gott will rechte Gunst erweisen“.

Beim morgendlichen Blick aus dem Fenster in die neblige, regnerische Bergwelt von Grindelwald ist mir heute die erste Strophe des Herbst-Klassikers „Bunt sind schon die Wälder“ eingefallen.

Bunt sind schon die Wälder
Gelb die Stoppelfelder
Und der Herbst beginnt
Rote Blätter fallen
Graue Neben wallen
Kühler weht der Wind

Das Lied erzählt vom Ernten und vom Tanz, vom Flötespiel und von roten Trauben, aber in dieser ersten Strophe schwingen Wehmut und Traurigkeit mit – und an einem Tag wie heute hallen diese Zeilen nach.

Wir haben einen Rekordsommer mit wochenlanger Hitze und unentwegt blauem Himmel hinter uns. Trotzdem scheint der Herbst immer viel zu plötzlich über uns hereinzubrechen. Eben sassen wir noch im T-Shirt hinterm Haus und liessen uns bräunen – schon holen wir wieder den Übergangsmantel aus dem Schrank, packen den Schirm in die Tasche und rüsten uns für die kalte Jahreszeit.

Manche versuchen, dem Jahreslauf ein Schnippchen zu schlagen, und flüchten mit einem Flieger in die Karibik. Andere planen für Weihnachten einen Südseetrip und tanken so etwas Sonne und Wärme, die sie über die kalten Monate retten soll.

Wir können nicht alle diesen Sprung in den Süden machen, aber es gibt andere Möglichkeiten. Mein kostenloses Geheimrezept besteht darin, mich auf die schönen Momente zu konzentrieren, die diese Saison zu bieten hat. Ich geniesse die prächtig gefärbten Bäume im Herbst, freue mich auf den ersten Schnee und darauf, wieder mehr Kerzen anzuzünden. Vor allem aber geniesse ich es, mich ungestraft und ohne schlechtes Gewissen zuhause einzubuddeln und es mir gemütlich zu machen. Ich glaube, ich fange gleich damit an, schalte die Stereoanlage ein (wer ausser mir hat noch so was?), und höre mir etwas Schönes an.

Zum Beispiel „Come to the well“ von den „Casting Crowns”: der Song ist stilistisch nicht besonders ruhig oder besinnlich, aber er ermutigt mich immer wieder, meine grossen und kleinen Sorgen hinter mir zu lassen und mich auf den Ort zu konzentrieren, an dem ich wirklich auftanken kann. Vor allem erinnert er mich daran, dass ich immer noch oft Gefahr laufe, mir ein neues goldenes Kalb zu basteln und eifrig darum herumzurennen.

Ich bin nicht besonders anfällig für „mehr von allem“ im materialistischen Sinn, aber es gibt genug anderes, was unmerklich eine immer grössere Bedeutung bekommen kann, bis man schlicht nie genug hat. Anerkennung von anderen Menschen, Kontrolle über alles und jeden, Harmonie im täglichen Leben…die Liste ist individuell und endlos. Wenn ich mein Wohlbefinden von einem dieser Werte abhängig mache, stehe ich am Ende mit leeren Batterien da – weil ich versucht habe, meinen Durst an einem Brunnen zu löschen, der nichts hergibt.

Diese verschiedenen Brunnen erinnern mich an die Schale, aus der Harry Potter in “Heiligtümer des Todes 1” für Professor Dumbledore Wasser schöpfen will. Es sieht aus, als wäre Wasser in diesem Gefäss; aber man kann die Kelle hundert Mal eintauchen und zieht sie doch immer wieder leer heraus.

Ich muss mir selbst immer wieder vergegenwärtigen, dass ich nur in der Beziehung zu Gott wirklich satt werden, auftanken und meinen Durst löschen kann. Die Kraft, die ich in dieser Begegnung erhalte, kommt nicht aus mir selbst, und genau deshalb trägt sie mich auch, wenn ich es selbst nicht mehr kann.

Vielleicht habt Ihr ja auch gerade nichts zu tun. Dann schlage ich vor, dass wir uns jetzt alle auf dem Sofa auszustrecken, die Füsse in den warmen Socken unter der Decke vergraben und einfach mal alles hinter uns zu lassen. Ich wünsche Euch viel Freude am Song und für die kommenden Tage viel von dieser Energie, die Ihr nicht selbst fabrizieren müsst und die für mehr reicht als für den Kraftakt, am Montagmorgen aus dem Bett zu kommen. In diesem Sinne – geniesst, and be blessed!

(Quelle: Youtube)

Und zum Schluss noch dies: Was fällt Euch Schönes ein, wenn Ihr an die “kalten Monate” denkt? Worauf freut Ihr Euch? ICH freue mich auf Eure Kommentare!

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2 Comments

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  1. Hm, also der „Herbst-Blues“ ist für mich kein Thema! Ich LIEBE den Herbst, er ist einfach eine wunderbare Jahreszeit! Ich mag tolle und warme „Altweibersommer“ genauso wie trübe Novembertage zum „Törggelen“, Fernsehkuscheln oder Therme gehen … einfach eine tolle Jahreszeit, wo alles drin ist,was man braucht 🙂

    Ach ja – das Lied kannte ich noch gar nicht, ich finde Casting Crowns überhaupt super! Einfach geniale Texte … Danke für den Hinweis auf den Song!

    • Jetzt wollte ich schon fragen, was „Törggelen“ ist – bei uns gib es „Töggelen“, das ist Tischfussball spielen. Aber es gibt ja Wiki, und jetzt bin ich schlauer 🙂 So was gibt es bei uns in der Bielerseeregion auch, da findet nach der Weinlese das „Treberwurstessen“ statt.

      Die Casting Crowns find ich auch genial – gerade wegen der Texte! Ein begnadeter Songschreiber 🙂 das Lied ist Titellied der CD „Come to the Well“; da hat es einige tolle Songs drauf, u.a. auch „Spirit Wind“, ein Church Song – einfach berühend: http://www.youtube.com/watch?v=AdqRc0z1GqY
      🙂

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