Merci 2Die Altjahr-Woche ist wieder im Flug vergangen, und neben der Feierei blieb wenig Zeit, um Atem zu holen. Ein paar Momente des Nichtstuns und Sinnierens waren mir dennoch vergönnt, und in diesen kostbaren Augenblicken habe ich mir überlegt, wie ich 2013 auf einen Punkt bringen könnte. Alles in allem will und darf ich wieder einmal dankbar sein. Hier daher meine fünf grossen MERCI für:

Meine Gesundheit

Meine diesjährigen Arztbesuche galten dem Dermatologen in Sachen  Muttermale und einem lange hinausgeschobenen Termin beim Zahnarzt ohne schlechte Nachrichten. Ich stehe jeden Tag ohne nennenswerte Beschwerden auf (ein gelegentliches „Ziehen im Rücken“ muss man in meinem Alter wohl hinnehmen). Alles in allem war ich ein Jahr lang fit und wohl – Grund zur Freude.

Mit allen Sinnen geniessen

Seit ich so viel schreibe, nehme ich mich selbst, andere Menschen und die Welt um mich herum schärfer wahr. Plötzlich sehe ich nicht nur ein Gesicht, sondern ein Leben,  sehe Freude und Ärger, Facetten der Persönlichkeit – den Reichtum, der in jedem Menschen steckt und eigentlich nicht auf den ersten Blick sichtbar ist.  Unsere Sinne sind ein Geschenk – viele Menschen müssen  auf einen oder mehrere davon verzichten und haben es schwerer, ein unabhängiges Leben zu führen. Ich will auch nächstes Jahr meine Sinne auskosten und mich daran freuen.

Spannende Ziele

Das erste Mal in meinem Leben arbeite ich auf ein Ziel hin, das mich begeistert  und für das ich fast alles tun würde. Das hat eine enorme Energie in mir freigesetzt – es führt mich an meine Grenzen, lässt mich Ängste überwinden und hilft mir, der Mensch zu werden, als der ich gedacht wurde. Ich bin gespannt auf das, was kommt.

Krisen, Frust und Ärger

Ich freue mich nicht über Krisen – aber  sie lehren mich, Entscheidungen zu treffen. Wie reagiere ich in Konflikten? Für welchen Weg entscheide ich mich? Stelle ich mich einer unangenehmen Situation, und bin ich bereit, meinen Anteil daran einzugestehen, oder verhärte ich mich? Wie unangenehm sie auch sein mögen – ich habe aus solchen Situationen viel gelernt und will auch weiter bereit sein, mich Herausforderungen zu stellen.

Meine Lieben

In einem früheren Post habe ich den Soziologen Glen Bateman aus Stephen Kings „Das letzte Gefecht“ zitiert: „Christus hätte sagen sollen: ‚Ja wahrlich, wo zwei oder drei von euch beisammen sind, wird irgendein anderer Typ fürchterlich eins auf die Rübe kriegen.“ Wir wissen alle, dass Gemeinschaft unter Menschen unglaublich herausfordernd sein kann. Ich liebäugle in solchen Situationen mit der einsamen Höhle – aber wie arm wäre mein Leben, wenn ich diesen Fluchttraum umsetzen würde? Und wie viele Menschen haben niemanden, über den sie sich ärgern können? Heute denke ich an all die Menschen, die mich unterstützen, mit mir streiten, mich herausfordern, sich mit mir freuen – und jeden Tag meines Lebens bereichern.

 Meinen Glauben und Gottes Versorgung

Ich bin bezüglich materieller Grundbedürfnisse gut versorgt und musste in diesem Jahr in der Abteilung kein grosses Gottvertrauen beweisen. Aber neben dem Überlebensnotwendigen haben wir alle unsere Wünsche und Sehnsüchte – nach grossen Reisen und schönen Dingen, nach Erfolg, Anerkennung oder Beliebtheit. Ich darf darauf vertrauen, dass Gott mich mit dem versorgt, was ich brauche – genau dann, wenn ich es brauche. Ich tue das, was in meiner Macht steht, und überlasse den Rest Ihm. Nichts ist befreiender.

Meine Dankbarkeit für alles, was ich erleben und erfahren durfte, richtig sich am Ende immer an Gott. Der folgende Text einer alten amerikanischen Hymne drückt dieses Vertrauen aus, das ich mir auch fürs neue Jahr bewahren will.

Merci 1

Bleibend ist Deine Treu, o Gott mein Vater
Du kennst nicht Schatten, noch wechselt Dein Licht
Du bist derselbe, der Du warst vor Zeiten
An Deiner Gnade es niemals gebricht

Bleibend ist Deine Treu, bleibend ist Deine Treu
Morgen für Morgen Dein Sorgen ich seh‘
All meinen Mangel hast Du mir gestillet
Bleibend ist Deine Treu, wo ich auch geh

***

Wie war Euer 2013 – könnt Ihr dankbar zurückblicken, oder denkt Ihr eher „neues Jahr, neues Glück?“

 In jedem Fall  wünsche ich Euch einen tollen Jahresübergang –  egal ob friedlich zu Hause oder lautstark am Feiern. Auf ein Wiederlesen im brandneuen 2014!

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Weihnachten 1Heiligabend bedeutet in unseren Breitengraden  Gedränge im Supermarkt, die Jagd nach der letzten Barbiepuppe und ein paar Festmenus  zu viel. In der grauen Vorzeit meiner Kindheit gehörten zu Heiligabend Nachmittagssport, eine verschlossene Tür und eine wunderbare Geschichte.

 

Am 24. Dezember zogen wir uns nach dem Mittagessen warm an, schulterten die Schlittschuhe und marschierten mit unserem Pa Richtung Bahnhof. Dort stiegen wir in den Regionalzug, fuhren bis „Biel Mett“ und wanderten durch frostige Kleingärten zur Bieler Eisbahn, wo wir den Nachmittag mit fröhlichen Jagden bei eisigen Temperaturen, heißer Schokolade und einer heißen Suppe mit Würstchen verbrachten.

Unsere Abwesenheit diente neben dem Spaß an der Freude einen bestimmten Zweck: Unsere Ma hatte die Wohnung für sich und konnte in Ruhe alles für das Fest vorbereiten. Wenn wir rotwangig und kaltnasig von der Schlittschuhbahn zurückkamen, lag eine erwartungsvolle Stille über unserem Daheim. Von der geschlossenen Wohnzimmertür ging ein geheimnisvoller Zauber aus.

Wenn die Tür aufging, brannten die Kerzen am Tannenbaum, die Kugeln blitzten, goldenes Lametta glitzerte zwischen farbigen Schokotannzapfen, und die Kerzen warfen ein warmes Licht ins Wohnzimmer.

Doch das war noch nicht der Moment, in dem es Weihnacht wurde. Es wurde auch nicht Weihnacht, wenn wir das erste Geschenk öffnen oder den ersten Schokozapfen vom Baum reissen durften. Weihnacht wurde es, wenn  wir uns alle aufs Sofa setzten und unser Pa begann, Tazewells Geschichte vom „Kleinsten Engel und dem Weihnachtsstern“ vorzulesen.

Weihnachten 2Dieser „kleinste Engel“ ist ein Junge, der vor seiner Zeit zum Engel wurde und sich in den himmlischen Gefilden einfach nicht zurechtfindet. Er kann nichts anfangen mit Harfe spielen, verliert ständig seinen Heiligenschein und bringt viel Unruhe in die heiligen Hallen. Irgendwann stellt sich heraus, dass der kleine Engel einfach Heimweh hat: er vermisst seine Freunde, das Spielen am Bach und all das, was das Leben eines kleinen Jungen ausmacht.

Die Lösung ist rasch gefunden: die Engel bringen dem Jungen die Schachtel, in der er alle Schätze seines kurzen Lebens aufbewahrt hatte, und endlich fühlt sich der kleinste Engel im Paradies zuhause.

Eines Tages erfahren die Engel, dass der Sohn Gottes in Bethlehem geboren werden soll. Der ganze Himmel ist in Aufruhr, während alle fieberhaft überlegen, was sie dem Gotteskind schenken könnten. Der kleinste Engel ist weder musikalisch noch schriftstellerisch oder handwerklich begabt, aber er hat eine wunderbare Idee: er wird dem Gotteskind all die Schätze schenken, die ihm als Kind so viel Freude bereiteten.

Doch als er seine Schachtel zwischen all den prächtigen Geschenken sieht, wird ihm mulmig zumute. Sieht sein Geschenk nicht unsagbar schäbig aus? Was hat er sich nur dabei gedacht? Er muss die Schachtel schleunigst entfernen! Doch es ist zu spät – die Hand Gottes schwebt über den Geschenken, hält inne und senkt sich auf die Schachtel. Sie wird geöffnet, und alle sehen, was er dem Jesuskind schenken wollte.

Einen Schmetterling, den er in den Bergen gefangen hat.
Ein himmelblaues Ei aus einem Vogelnest.
Zwei weisse Steine vom Flussufer, an dem er mit seinen Freunden gespielt hat.
Das zerbissene Halsband seines Hundes.

Der kleine Engel schämt sich in Grund und Boden. Er läuft davon, stolpert, fällt und landet als Häufchen Elend vor dem Thron Gottes. Doch noch während er weint, fängt Gott an zu sprechen.

Er teilt den Himmelsbewohnern mit, dass ihm diese Schachtel von allen Geschenken am besten gefällt, weil sie Dinge der Erde und der Menschen enthält. Denn auch Sein Sohn wird all dies kennen, lieben und trauernd zurücklassen, wenn Seine Aufgabe auf Erden vollendet ist.

Plötzlich erstrahlt die Schachtel in gleißendem Licht und wird zu einem strahlenden Stern. Der Stern fliegt davon und kommt schließlich zum Stillstand – an dem Ort, wo der Sohn Gottes geboren wird. Und so kennt man ihn heute als „Leitstern von Bethlehem.“

Bei uns zuhause haben alle nahe am Wasser gebaut, und wenn mein Vater fertig gelesen hatte, war kein Auge mehr trocken. Und noch heute berührt mich die Geschichte.

Ich kann mich gut mit dem kleinen Engel identifizieren, der seine schäbige Schachtel inmitten der prächtigen Geschenke sieht und sich entsetzt fragt, wie er dieses Ding nur so wundervoll hat finden können – wie er hat glauben können, dass der Gottessohn diese nutzlosen Dinge lieben würde.

Egal, ob gegenüber Gott oder Menschen – ich denke viel zu oft, dass das, was ich zu geben habe, nicht genügt. Heute will ich mich daran erinnern, dass mein Herz, meine Gaben und das, was ich zu bieten habe, nur ich geben kann. Es mag nicht das Beste sein und in keiner Kategorie den Publikumspreis gewinnen – aber es ist einmalig und einzigartig. Und ich will immer wieder den Mut haben, es hinzulegen – egal, was für glitzernde Päckchen daneben liegen.

Weihnachten 3

Ich will mich heute aber auch an das Geschenk erinnern, das ich an Weihnachten erhalten habe (eine Warnung – wir verlassen damit glaubenstechnisch die neutrale Zone. Aber schließlich ist heute Weihnachten). Es ist dieses geheimnisvolle, völlig unlogische und unglaubliche Ereignis, das wir heute feiern – so schwierig es auch nachzuvollziehen ist.

Gott wurde Mensch.
Er wurde erfahrbar, erlebbar und berührbar.

Er hat es für uns getan und hat damit Seinen Erlösungsplan für die ganze Schöpfung eingeleitet; eine Erlösung, die diese Welt und jeder von uns – ob wir es nun wahrhaben wollen oder nicht – so dringend braucht. Aber wenn ich an die Geschichte vom „Kleinsten Engel“ denke, bin ich sicher, dass Gott es auch für Sich selbst getan hat.

Ich glaube, dass Gott Sich danach gesehnt hat, als einer von uns unter uns Menschen zu leben. Er wollte lachen und weinen, sich freuen und leiden und so am eigenen Leib erfahren, was es heißt, Mensch zu sein.

Sonne auf der Haut.
Ein Bad im frischen Bach.
Sich ein Knie aufschlagen und getröstet werden.
Mit Freunden lachen und streiten.

Mein Gott kennt jede Freude, jeden Schmerz und jede Versuchung, die ich durchlebe. Und darum darf ich in all meinen Kämpfen, Freuden und Leiden wissen, dass Gott ganz genau weiß, was ich gerade erlebe – weil er es am eigenen Leib erfahren hat.

Wenn ich heute mit meinem Vater, meinem Mann, meiner Schwester und ihrer Familie unter dem Weihnachtsbaum sitze, feiere ich die Ankunft meines Gottes in dieser Welt. Ich feiere ein Geschenk und ein Opfer, und ich feiere Seine Freude, endlich unter Seinen Menschen leben zu können – und in ihnen, wenn sie Sein Angebot annehmen.

Ich wünsche Euch allen besinnliche Tage, Stunden der Gemeinschaft und ein gesegnetes Fest.

Merry Christmas!

blessun 5Vor dreissig Jahren haben meine Schwester Bettina und ich mit dem Reiten angefangen: nach dem Lesen unzähliger Ponybücher und vielen Stunden vor dem Fernseher mit den „Mädels vom Immenhof“ haben wir unsere Eltern so lange bestürmt, bis sie kapitulierten und uns erlaubten, im nahe gelegenen Reitstall Stunden zu nehmen.

 

Ich liebte Pferde und war mit zwölf Jahren im typischen Pferdealter. Ein paar Jahre lang war ich mit Feuer und Flamme dabei, aber mein Respekt vor diesen Tieren war immer etwas grösser als meine Leidenschaft. So flachte meine Begeisterung fürs Reiten mit der Zeit ab und wurde vom nächsten Hobby ersetzt.

Blessun 7Anders Bettina. Sie schien sich nie zu fürchten, besass eine natürliche Autorität und schon immer einen starken Drang, sich durchzusetzen. Im Umgang mit den Pferden blühte sie auf, und bald begeisterte sie sich für Islandpferde. Sie verbrachte fast ein Jahr in Island und arbeitete auf verschiedenen Gestüten, um alles über ihre geliebten Tiere zu lernen.

Einer dieser Jobs führte sie ins aargauische Kaisten, wo sie den Mann ihres Lebens kennenlernte. Mit 24 Jahren heiratete sie ihn und gründete eine Familie von achtbarem Format: sie hat in den letzten fünfzehn Jahren vier Kinder geboren. Inzwischen ist mein Patensohn fünfzehn und der jüngste viereinhalb Jahre alt.

Meine unternehmungslustige Schwester hatte  auch in dieser intensiven Familienzeit viele Interessen und Engagements – trotzdem rückten die Pferde und der Reitsport notgedrungen etwas in den Hintergrund. Erst war es eine logische Folge der Anforderungen, welche die Familie stellte, doch mit den Jahren schien es, als wäre ihre Leidenschaft für die Pferde verschüttet oder als hätten andere Interessen ihren Platz eingenommen.

blessun 6In den  letzten zwei Jahren wurde das Thema Pferde wieder aktueller. Bettinas Tochter Ailish begann mit dem Reiten, und so tauchten öfters Facebook-Bilder der beiden hoch zu Ross auf. Diesen Sommer hatte Bettina dann eine zündende Idee. Und  ganz im Stil ihres Temperaments entwickelte sich diese Idee in einem halben Jahr zu einem handfesten, inspirierenden Projekt.

Blessun 3Letzten Sonntag lud Bettina mit einem Benefizanlass zur Eröffnung ihrer kleinen Islandpferdereitschule „Blessun“ nach Olsberg. Mann und Kinder standen hinter der Theke und schenkten fleissig Kürbissuppe und selbst gemachte, köstliche Heissgetränke aus  – ein tolles Bild.

 

 

Doch am meisten hat es mich berührt, Bettina im Element zu erleben – begeistert von ihrem Projekt und ganz an dem Ort, wo sie sein will. Es hat mich ermutigt und mir einmal mehr bewusst gemacht, dass sich uns  immer wieder Chancen eröffnen – eine Botschaft, die wir alle irgendwann brauchen können.

Wenn Jahre vergehen, in denen wir notgedrungen oder willentlich einen Traum aufgeben und uns anders orientieren, fangen wir an zu glauben, dass unsere alten Leidenschaften eines natürlichen Todes gestorben sind. Oder wir fürchten, dass unsere Träume so lange verschüttet waren, dass wir sie unmöglich wieder zum Leben erwecken können. Manchmal fällt es uns auch einfach schwer, Ideen oder Projekte langsam wachsen zu lassen, und am schwersten ist es,  darauf zu vertrauen, dass etwas wächst, wenn wir noch nichts davon sehen können.

Solche Wartezeiten stellen unsere Geduld auf die Probe. Wir wollen etwas erreichen, wollen zeigen, was wir können, wollen uns beweisen. Unsere Hochleistungs- und Hochgeschwindigkeitsgesellschaft lässt uns nicht viel Zeit, um Erfolg aufzubauen. Die heutigen Stars und Sieger werden immer jünger, die Zeit des Ruhms ist immer kürzer, und wir fühlen uns schon am Start unter Druck. Wenn wir mit dreissig noch keine glanzvollen Resultate präsentieren können, fühlen wir uns als Versager.

Dabei vergessen wir, dass wir für manche Erfolge oder Projekte mehr brauchen als praktische Erfahrungen, technisches Knowhow oder erlernbares Wissen. Wir müssen unseren Charakter entwickeln, bestimmte Lebenserfahrungen machen, an Reife gewinnen.

Blessun 10Bettina hat vielleicht schon früher von einem Projekt dieser Art geträumt. Stattdessen hat sie in den vergangenen  15 Jahren einen der wichtigsten Jobs auf diesem Planeten gemacht. Sie hat ihre Kinder grossgezogen und dabei eine ganze Menge gelernt und in ihr Leben integriert: Menschenkenntnis, Managementtalente, Geduld (auch wenn sie von letzterem sicher gern noch mehr hätte).

Vieles kann sie nun in ihr Kleinunternehmen einbringen. Ausserdem ist sie seit über zehn Jahren flammende Christin und hat dadurch gelernt, auf Gott zu vertrauen, ohne dabei die Verantwortung für das eigene Leben abzugeben.

Ich vertraue darauf, dass ich auf meiner Suche nach meinem Platz und meiner Berufung nicht allein bin, und ich will die nötige Geduld aufbringen – im Wissen, dass der Weg dahin auch dazu gehört. Und überzeugt, dass Gott das beste Timing hat und genau weiss, wann wir reif für unsere Erfolge sind.

Blessun 1

Hast Du auch alte Träume, die Dich immer mal wieder beschäftigen? Oder bist Du gerade auf dem Weg, sie zu verwirklichen? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

Popcorn-PerlenAn den letzten beiden Wochenenden habe ich mir die „Herr der Ringe“-Filme und den ersten Teil der „Hobbit“-Trilogie angesehen, ohne zu realisieren, dass genau heute der zweite „Hobbit“-Teil startet. Jetzt bin ich voll im Tolkien-Groove und widme deshalb dieses Popcorn-Post dem ersten Teil der Trilogie – und den Hobbits. Dieses Volk fasziniert mich, weil ich selbst ein halber Hobbit bin.

Schon optisch gibt es zwischen mir und den Hobbits gewissen Parallelen: wir sind a) klein und kriegen b) unsere Frisur selten richtig auf die Reihe, was c) auch an den etwas markanten Ohren liegen könnte (Anschauungsfotos werden nicht geliefert; es möge jeder seine Fantasie benutzen). Hingegen sind meine Füße mit Schuhgröße 35/36 definitiv NICHT groß und eindeutig NICHT behaart.

Neben dem Aussehen teile ich mit den Hobbits auch die Liebe zum trauten Heim. Bei mir läuft immer viel, und das ist ok, aber nur Zuhause kann ich wirklich auftanken, mich ausstrecken und die Seele baumeln lassen. Und das Hobbit-Zuhause, das „Auenland“, hat es mir natürlich auch angetan: die grünen, sanften Hügel und das währschafte Völklein, das gern im Pub sitzt und zur Fiddle tanzt – es fällt nicht schwer, den Ursprung von Tolkiens Inspiration für die Hobbits zu erraten. Wenn ich mir das Auenland vorstelle oder mir einen der Filme ansehe, bin ich wieder in meiner Herzensheimat Irland, über die ich auch schon geschrieben habe.

Vor allem bewundere und liebe ich die Hobbits für ihren Charakter, von dem ich mir gern eine Scheibe abschneiden würde. Sie sind demütig und bescheiden und werden oft unterschätzt, zeichnen sich aber durch Hingabe, Loyalität und einen ungeheuren Mut aus. Und sie geben niemals auf.

Bilbo, der Held des „Hobbit“-Films, war in „Herr der Ringe“ nicht mein Lieblings-Hobbit. Doch im ersten Teil der Trilogie lernen wir den jungen Bilbo kennen und müssen ihn einfach lieben.

Erst ist er ein typischer Vertreter seines Volks, sitzt am liebsten zu Hause am warmen Herd und liebt sein bequemes, sicheres Leben. Darum lehnt er Gandalfs Angebot ab, der ihm ein Abenteuer vorschlägt. Damit ist die Sache aber nicht ausgestanden: Bilbo traut seinen Augen nicht, als unverhofft eine Horde Zwerge auftaucht und sich in seinem Haus breit macht. Er kann nur entsetzt zusehen, wie sie seine Vorräte verschlingen, sein Geschirr in der Luft herumwerfen und lautstark feiern. Als ihm der Anführer Thorin vorschlägt, die Zwerge im Kampf um ihre alte Heimat Erebor zu unterstützen, reizt ihn das schon – aber es fällt ihm zu schwer, das sichere Heim zu verlassen, und so sagt er ab. Am nächsten Tag wacht er auf und stellt erleichtert fest, dass seine Gäste abgereist sind. Endlich allein, endlich Frieden – sein Haus gehört wieder ihm! Doch er findet keine Ruhe, tigert im Haus herum – und rennt schließlich mit gepacktem Bündel aus der Tür und in wildem Tempo über die sanften Hügel, um die Truppe einzuholen. Er hat seine Angst überwunden und sich für das Abenteuer entschieden.

Doch damit fangen seine Herausforderungen erst an. Die Zwerge – allen voran Thorin – haben nicht sonderlich viel Vertrauen in den Hobbit: er ist kein erfahrener Krieger, ist klein und unscheinbar. Und auch Bilbo selbst ist mehrmals versucht, aufzugeben und nach Hause zu fliehen. Den größten Konflikt erlebt er, nachdem er von den Gefährten getrennt wird: mit Hilfe des Rings kann er aus dem Berg und vor Gollum fliehen und holt die Truppe ein. Doch bevor er seine Gefährten erreicht hat, hört er Thorin sagen, dass er ihm nie getraut hat und wusste, dass er nicht zurückkommen wird.

Unsichtbar für ihre Augen steht Bilbo hinter einem Baum und fragt sich, was er tun soll. Warum nicht einfach umkehren und nach Hause gehen? Aber er  entscheidet sich anders, tritt hervor und schliesst sich seinen Kameraden wieder an. Kurz darauf hat er Gelegenheit, allen zu zeigen, wie es um sein Herz bestellt ist: als Thorin vom fahlen Ork Azor bedroht wird, stellt er sich der Bestie mutig in den Weg und rettet Thorins Leben.

Aus Bilbos Verhalten sprechen Demut und eine innere Kraft, die aus seinen tiefen Wurzeln genährt wird. Seine Heimat versorgt ihn auch in der Ferne mit Mut und Durchhaltewillen, und sie inspiriert ihn letztlich, den Zwergen beizustehen: er erkennt, wie kostbar es ist, eine Heimat zu haben, und will das seine beitragen, damit auch die Zwerge ihr Zuhause zurückbekommen.

Mein Zuhause ist die Gewissheit, bei Gott angekommen und angenommen zu sein. An diesen Ort kann ich jederzeit zurückkehren, und dort spielt es keine Rolle, ob ich mit meinen Plänen Erfolg habe und ob ich alle meine Ziele erreiche. Und genau das gibt mir die Kraft, neue Wege zu wählen und Risiken einzugehen.

Und so bald wie möglich führt mich meine Reise ins Kino und zu Bilbos zweitem Abschnitt auf seinem Abenteuer.

Wie stehst Du zu „Herr der Ringe“ – bist Du auch ein Fan? Und: hast Du einen Lieblingshobbit, oder eine andere Lieblings-Figur? Ich freue mich auf Dein Feedback!

Nebel im Advent 3Ich liebe den Advent mit seinen Kerzen, Lebkuchen und lichtgeschmückten Häusern. Ich freue mich auch auf Weihnachten. Aber in den Wintermonaten beneide ich alle Australier und Neuseeländer und überlege mir ernsthaft, ein Weihnachtsexperiment „Down under“ zu versuchen. Neben den kurzen Tagen verdirbt mir eines zuverlässig die wohlig warmen Weihnachtsgefühle: Es ist saukalt da draussen – und ich hasse kalt.

Ich bin für diese Temperaturen einfach nicht gemacht. Alles unter zehn Grad bereitet mir körperliches Unbehagen, und wirklich rundum wohl fühle ich mich erst ab 25 Grad. Aber jammern nützt nichts, und ich kann auch nicht den ganzen Tag im Haus hocken. Ich habe deshalb meinen Style-o-Grafen deaktiviert und trage einen Faserpelz über meinen Pullovern. Das sieht zwar holzfällermässig aus – aber alles ist besser als zu frieren.

In meiner Region lernt man ausserdem, den Winter trotz Nebel und Hochnebel zu überleben. Während meines Studiums fuhr ich jeweils am Sonntag mit der Bahn aus dem vernebelten Grenchen ins sonnige Bern, freute mich kurz am blauen Himmel und stieg im grauen Fribourg wieder aus. Da ich aus dem Nebel kam, trug ich das mit Fassung. Anders meine sonnenverwöhnten Walliser und Bündner Mitstudenten: die flohen jeweils direkt nach der letzten Vorlesung aus dem grauen Unterland in ihre Heimat, um übers Wochenende ein paar Sonnenstrahlen zu tanken und dadurch das triste Fribourg wieder eine Woche zu ertragen.

In den letzten zwanzig Jahren ist die Hochnebelgrenze ein Stück noch oben gerückt, aber spätestens Mitte September richtet sich der Jurasüdfüssler  immer noch auf rationierte Sonnenbestrahlung ein. Trotzdem haben wir unsere Rezepte, um dem Nebel zu entkommen.

Zum einen die Flucht nach oben: wer es nicht mehr aushält, kann in vierzig Minuten auf dem Untergrenchenberg oder auf dem Weissenstein sein und aufs Nebelmeer hinunterblicken. Entsprechend werden die Parkplätze auf den Höhen mit fortschreitendem Winter immer voller. Dann wäre noch die Flucht ins künstliche Sonnenlicht – ich bin nicht so der Typ dafür, aber ich nehme an, dass die Solarien in unserer Gegend im Winter guten Zulauf haben. Wer mehr investieren kann, macht es wie meine ehemaligen Kommilitonen und flieht übers Wochenende zu den Bündnern und Wallisern, fährt Ski, sitzt in der Sonne und lässt sich am Montag im Büro um die tolle Bräune beneiden.

kalter advent fenster kleinDoch manchmal überrascht uns das Wetter am Jurasüdfuss auch positiv. Diesen Samstag krochen mein Mann und ich nichtsahnend aus den Federn, öffneten die Tür zum Korridor – und sahen Licht! Sonne! Ein Wunder…! Unser Stimmungsbarometer stieg sprunghaft nach oben, und das umso mehr, weil die vorigen Tage so trüb und grau daherkamen.

Ich will diesen wohltuenden Schönwettereinbruch in die kommende Woche mitzunehmen und mich daran erinnern, dass das Schöne, Wahre und Gute immer da ist. Und ich will mich noch mehr auf die Adventszeit einstellen und daran denken, dass wir in drei Wochen den Eintritt des grössten Lichts in unsere Welt feiern werden. Und dieses Licht hat den Vorteil, dass ihm die grösste Dunkelheit, der nebligste Tag und die frostigste Kälte nichts anhaben können.

Nebel im Advent 4

Wie hast Du es mit der Kälte? Geht es Dir wie mir, oder geniesst Du die kalten Tage? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

EJDE-Box kleinLetzte Woche war ich für Studioaufnahmen auf Schloss Röhrsdorf – eine inspirierende und ermutigende Zeit mit vielen guten Gesprächen und Begegnungen. Ich sollte daher eigentlich vor Freude sprühen, aber im Moment hänge ich nur herum und kann mich zu nichts aufraffen. Trotzdem will ich  versuchen, aus der mentalen Sickergrube heraus etwas Ermutigendes zu schreiben – frei nach dem Motto: „Herausforderung angenommen!“

Ursprünglich wollte ich mit dem nächsten Post einfach warten, bis mir wieder danach ist, einen gut verdaulichen und inspirierenden Seelensnack zu präsentieren. Das würde aber den Eindruck vermitteln, dass ich an jedem gottgegebenen Tag quietschfidel aufwache, ein Loblied für den Herrn auf meinen Lippen,  voller guter Gedanken mein Tagwerk verrichte und am Abend schliesslich zufrieden mit mir und der Welt ins Bett sinke – und das wäre einen Fingerbreit von der Wahrheit entfernt.

Ja, ich bin ein positiv eingestellter Mensch. Ich versuche, mir das Leben nicht mit Vorsatz zu vergällen. Ich kann meistens gut mit Alltagsfrust umgehen und lasse mich nicht so schnell entmutigen. Aber in manchen Situationen gehen auch mir die Rezepte zum Besserfühlen aus.

Ich habe weder eine schwere Krankheit, von der ich wüsste, noch habe ich meinen Job verloren, und Mann und Family sind auch wohlauf. Aber eine langjährige Freundschaft scheint auf der Kippe zu stehen, und das lähmt mich und macht mir zu schaffen. Ständig drehe ich mich um dieselben Fragen:

Habe ich falsch gehandelt? Oder war ich unter bestimmten Gesichtspunkten im Recht? Gibt es in solchen Konflikten überhaupt „das Recht“?  Und vor allem: kann ich den angerichteten Schaden wieder beheben?

Das Schlimme daran ist, dass ich im Moment nichts unternehmen kann. Ich kann weder ein sofortiges Gespräch herbeizwingen, noch wird es zu etwas führen, wenn ich mich in ellenlangen Mails erkläre – die Kraft des geschriebenen Wortes in Ehren, aber die Gefahr ist zu gross, dass in einer schon verletzten Beziehung das Gegenüber genau das herausliest, was dieses Gefühl noch steigert. In so einer Situation ist keiner objektiv. Ich kann also nur abwarten, Tee trinken und versuchen, die Sorge abzugeben.

In solchen Momenten bin ich dankbar für meine EDJE-Box im Musikzimmer. Sie ist rot und riesig und von Ikea, und in dieses Monstrum werfe ich alles, was auf mir lastet und was ich selbst nicht auf die Reihe kriege (eine ganze Menge). Ist es erst einmal da drin, wird es zu „Etwas, Das Jesus Erledigt.“ Mit dieser Idee aus einem Predigt von Maria Prean habe ich bisher gute Erfahrungen gemacht, und zum Glück hat die Box noch viel Platz.

Mich mahnt diese Krise daran, wie verletzlich Beziehungen sein können. Aber ich will glauben, dass Wiederherstellung möglich ist und dass Beziehungen es wert sind, darum zu kämpfen. Der Preis ist vielleicht mein Stolz oder  meine Überzeugung, dass ich in jedem Punkt Recht habe und alles genau richtig sehe, aber den bezahle ich gern.

Die Krise zeigt mir auch, wie stark der Zustand meiner Beziehungen mein seelisches Gleichgewicht beeinflusst – wo ich doch gedacht hätte, dass ich mehr „in mir selbst ruhe“ und mit Gott als Fels, auf dem ich stehe, nicht so durchgeschüttelt werde. Falsch gedacht.

Ich habe mich früher in ähnlichen Situationen gefragt, ob ich mir einen mentalen Panzer zulegen und niemanden zu nahe an mich heranlassen sollte, damit der Verlust einer Freundschaft oder eine Krise mich nicht erschüttern können – weil ich ja niemanden brauche.

Heute ist mir klar, dass die letzte Annahme einfach falsch ist.  So schwierig Gemeinschaft und vor allem enge Beziehungen zu anderen Menschen auch sein mögen: wir sind dafür gemacht und brauchen einander, und wir sollen uns ganz investieren. Wenn es wehtut, tut es eben weh. Wie viel ist eine Beziehung wert, bei deren Ende ich nur mit den Achseln zucke? Mit Verlaub – einen Dreck.

Ich werde weiterhin alles in die Waagschale werfen und mein Herz öffnen. Ich werde für Beziehungen, die mir wichtig sind, kämpfen. Wenn ich mich falsch verhalten habe, will ich dazu stehen; wenn mir Unrecht getan wurde, will ich es ansprechen, wenn ich eine andere Meinung habe, will ich den Mut haben, sie vorzubringen. Und ich will den anderen anhören mit dem Ziel,  dass wir einander besser verstehen und uns wieder finden. Ich werde mich nicht verbiegen oder verleugnen, aber ich setze alles ein, was ich habe, um den entstandenen Riss zu kitten. Wenn es mir nicht gelingt, habe ich es wenigsten versucht.

Und als Christ vergesse ich weder meine EDJE-Box noch, dass ich nicht alleine bin. Mein Gott ist ein Gott der Beziehungen; das muss er sein, da er schon in sich selbst Beziehung ist.

Wenn einer helfen kann, dann Er.