Lange bevor es „Schni Schna Schnappi“ zu Hitparadenehren brachte, sangen wir als Kinder das Intro vom „rosaroten Panter“ nach und liebten den „Captain Future“-Soundtrack. Der Song, der mir gerade am häufigsten einfällt, stammt aus einem Trickfilm, den ich selber nie gesehen habe, weil er erst in den Neunzigern lief. Jeden Morgen singe ich innerlich das Lied von Alfred E. Kwak in leicht abgewandelter Version: Warum bin ich so müde, so müde, so müde, so ausgesprochen müde…so müde war ich nie!

Mehr als das: es ist eine knochentiefe Schlappheit. In diesem Zustand kostete es mich schon Energie, meine Gesichtszüge zusammenzuhalten – ich bin überzeugt, dass ohne meine Anstrengungen die ganze Haut herunterfällt und am Kinn hängt. Falls dieses Bild etwas gewöhnungsbedürftig ist, tut es auch das des kleinen Ausserirdischen aus „Men in Black“, kurz bevor er das Zeitliche segnet.

müde 2 grösser

Ende letzter Woche war es besonders schlimm, und ich begann ernsthaft mit einer Vitaminkur zu liebäugeln – schliesslich springt einen momentan aus jedem Drogerieschaufenster Werbung für  Guaranaextrakte, Vitaminbooster und Zinktabletten zum Discounterpreis an.

Obwohl ich auch schon zu diesem Mittel gegriffen habe, habe ich mich vorerst dagegen entschieden. Stattdessen habe ich mir ein paar Rezepte gegen die Winterschlappheit überlegt. Zum Teil sind es lächerliche Basics – trotzdem musste ich sie mir mal wieder in Erinnerung rufen.

Es lebe der Schlaf!

Gehört jemand von Euch zu den legendären Gestalten, die mit 4-5 Stunden Schlaf auskommen? Ich leider nicht. Wenn ich also früh aus den Federn will, muss ich mir angewöhnen, rechtzeitig schlafen zu gehen. Ich glaube, genug Schlaf kann gar nicht überschätzt werden – nicht umsonst wurde Schlafentzug als Folter verwendet.

Gemüse ist King

Vitamine kann man ja auch auf natürliche Weise zu sich nehmen. Mein Mann und ich haben deshalb eine Gemüse- und Fruchtoffensive gestartet, um den Vitaminhaushalt etwas aufzubessern – und in der Hoffnung, dass wir von allem anderen etwas weniger essen. Bisher hat es mit dem Gemüse nicht schlecht geklappt; der zweite Teil ist noch ausbaufähig.

Get some fresh air!

Letzten Freitag war ich so müde, dass ich mich am liebsten in eine Ecke verkrochen und das ganze Wochenende dort verbracht hätte. Das ging leider nicht. Dafür konnte ich am Nachmittag mit meiner Schwester bei ausnahmsweise schönem Jura-Südfuss-Wetter einen Spaziergang machen. Die Stunde an der frischen Luft hat mich nicht topfit gemacht, aber ich fühlte mich neu belebt und wieder in der Lage, die Erfordernisse des Weekends zu überstehen.

Meine Tankstelle kennen

In „Life of Brian“ predigt Brian seinen Zuhörern: „Wir sind alle total verschieden!“ (und ein besonders Begnadeter antwortet: „Ich nicht!“) Das gilt auch fürs Energietanken: was den einen auslaugt, verschafft dem anderen Energie ohne Ende. Ich weiss, dass ich am besten auftanke, wenn ich allein sein kann, und dass mehrere Tage ohne Rückzugsmöglichkeit mich unausstehlich machen. Andere geniessen nichts mehr als einen Abend mit Freunden. Wenn ich mich selbst gut genug kenne, kann ich bei der Terminplanung dafür sorgen, dass solche Auftankmöglichkeiten Platz haben.

KörperSeeleGeist

Gerade beim Auftanken wird mir klar, dass ich eine Einheit aus Körper, Seele und Geist bin. Körperliche, geistige und seelische Belastungen beeinflussen sich gegenseitig. Wenn ich Auftankmöglichkeiten suche, will ich diese drei Aspekte einbeziehen. Was tut meinem Körper gut – ein ausgiebiges Bad, ein Spaziergang? Was tut meiner Seele gut – schöne Musik, ein herzerwärmender Film, ein Kaffeeplausch mit der Freundin? Was meinem Geist – ein gutes Buch oder eine Stunde Sport, bei der ich mal an nichts anderes denken kann? Genialerweise wirken die richtigen Massnahmen oft in mehrere Richtungen.

Anderen nichts vormachen

Ich sage schnell, dass es mir gut geht, wenn jemand fragt – man soll ja nicht überall zu einem ausführlichen medizinisch-psychologischen Bericht ansetzen. Aber manchmal darf ich auch gestehen, dass ich groggy bin. Andere sind es auch, und wenn wir ständig damit angeben, dass uns nichts etwas anhaben kann, erhöhen wir nur den Druck.

Die Notbremse ziehen

Niemand ist unentbehrlich. Wenn ich merke, dass ich an meine Grenzen komme, fasse ich mir lieber ein Herz und versuche, jemanden zu finden, der mir etwas abnehmen kann. Das geht nicht in allen Fällen, aber es ist den Versuch wert. Wenn ich nichts sage und – siehe oben – den Eindruck erwecke, das sei alles kein Problem, muss ich mich nicht wundern, wenn niemand merkt, dass ich auf dem Zahnfleisch gehe.

Soweit bin ich mit meinen Rezepten gekommen – und wunderbarerweise fühle ich mich schon nach dem Auflisten dieser Punkte viel besser. Sie zeigt mir, dass ich auch etwas unternehmen kann, damit es etwas besser geht.

Und wenn gar nichts hilft, denke ich daran, dass Seine Kraft dann am stärksten ist, wenn ich schwach bin. Und ich versuche, mich einfach auf die nächsten Aufgaben zu konzentrieren. Kleines Edit an dieser Stelle: hier habe ich bisher einen Satz von mysteriöser Herkunft zitiert, denn ich seit Jahren verwende, obwohl mir seine Bedeutung nicht ganz klar war. Nun hat mir ein hilfreicher Blogleser mitgeteilt, dass das Zitat etwas anders ging und einen eher zwielichtigen Ursprung hat. Darum sagen wir es einfach so:

„Eins nach dem andern!“

Wie hast Du es mit der Wintermüdigkeit? Kennst Du das, oder bist Du immer topfit? Und was für Rezepte hast Du, um wieder auf Touren zu kommen? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

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Kappeli TurmAls ich die Mittelschule besuchte, bestand mein politisches Feindbild aus einem Aufkleber. Er prangte vor allem auf den Ledermappen der Mitglieder einer bestimmten Mittelschulverbindung. Der Kleber zeigte ein hehres Schweizer Kreuz auf rotem Grund und den sagenhaften Satz: „Ich bin stolz, ein Schweizer zu sein.“

Mir ist heute noch schleierhaft, wie man auf etwas stolz sein kann, auf das man erwiesenermassen überhaupt keinen Einfluss gehabt hat. Aber immerhin: es gab Menschen, die so etwas kauften und öffentlich sichtbar herumtrugen, und es gab die Kleber. Einen entsprechenden Kleber für meinen Wohnort Grenchen habe ich bisher erfolglos gesucht.

Das liegt sicher an der öffentlichen Wahrnehmung. Als mein Mann und ich vor etwa vier Jahren in meine alte Heimat zurückgezogen sind, musste er mehrere Gespräche wie dieses führen:

„Ich werde im März umziehen.“
„Wohin zieht Ihr?“
„Nach Grenchen.“
„Wieso DAS denn?!“
„Meine Frau ist dort aufgewachsen.“
„Ach so! Aber trotzdem…“

Nach Grenchen zieht man einfach nicht. Der Steuerfuss ist hoch, und die schöne Barock-Altstadt liegt 15 Kilometer ausserhalb – nach dem blauen Schild mit der Aufschrift „Solothurn“. Und obwohl Grenchen 2008 den Wakker-Preis „für beispielhaften Ortsbildschutz“ gewonnen hat, werden wir das Etikett der „hässlichsten Stadt der Schweiz“ einfach nicht los.

Trotzdem lebe ich gern hier. Grenchen ist Teil meiner DNA, und ich passe hierher. Hier begegnen mir auf Schritt und Tritt meine Wurzeln und die Erinnerungen an meine ersten zwanzig Lebensjahre. Die Kellerdisco, in der ich zum ersten Mal „im Ausgang“  war (liebe Nicht-Schweizer: das hat nichts mit Gefängnis oder Militärdienst zu tun). Das Kino, in dem ich meinen ersten Film gesehen habe (ich glaube, es war „Beverly Hills Cop 1“). All die Schulhäuser, in denen ich ein- und ausgegangen bin. Das riesige Steindenkmal von Hermann Obrecht, dem bisher einzigen Grenchner Bundesrat.

GrenchenMeine Stadt braucht keine alten, schmucken Gebäude, um mein Herz zu gewinnen. Sie war einst ein Bauerndorf, wurde zur Arbeiterstadt und hat sich zu einem Ort entwickelt, an dem es sich gut leben lässt. Und dass andere das fast nicht glauben können, macht es noch lustiger. Gern in Grenchen zu leben ist wider den Zeitgeist – und darin ähnelt es dem Bekenntnis, ein Fundi-Christ zu sein.

Reaktionen auf ein „Bekenntnis der brennenden Nachfolge“ reichen vom erwähnten „Wieso DAS denn?!“ über ein verlegenes Schweigen bis hin zu Sätzen wie: „Zum Glück ist Dein Mann ja vernünftig, dann gleicht sich das aus.“ Oder „Ist ja ok, für Gott zu sein, aber man kann auch völlig abheben und zu viel…“

Kann man nicht.

Natürlich kann ich Fehler machen. Wenn ich etwas mit Leidenschaft tue, kann ich übers Ziel hinaus schiessen oder mich verrennen – solche Beispiele finden sich auch in der Nachfolge in rauen Mengen. Aber Gott zu sehr lieben – das geht nicht. Und mein Massstab, ob ich noch auf Kurs bin, ist neben der Bibel die Liebe, die ich für andere Menschen mitbringe. Solange diese Liebe wächst, ist alles in Butter.

Ich werde nie genug von Gott haben. Und ich möchte noch viel verrückter werden, wenn es um ihn geht – getreu nach dem Motto von John Wimber:

„I’m a fool for Christ – who’s fool are you?”

Und ich hoffe, dass auch in meiner Stadt noch mehr von der verrückten Freiheit sichtbar wird, die das Leben mit Gott bietet. Mein Beitrag dazu ist, dass ich so gut ich kann seine Werte lebe, seine Liebe weitertrage und ihn schamlos bekenne.

Womit ich letzteres getan habe.

Bild Song-Treats kling 3Im Herbst 2000 saß ich das erste Mal in meinem Leben in einem Flugzeug und erblickte nach zehn Stunden Flug die Skyline von Manhattan. Eine Woche lang streifte ich begeistert durch diese neongrelle, lebendige Stadt voller bunter Eindrücke und machte auch einen Abstecher an den Broadway – in ein brandneues Musical, von dem ich noch nie gehört hatte. Der Vorhang öffnete sich, und ich war innert Kürze völlig hingerissen.

Ich hatte „Aida“ nie in der klassischen Version gesehen und begegnete dem Stoff das erste Mal. Erzählt wird die fiktive Liebesgeschichte zwischen Radames, Feldherr des ägyptischen Pharao und Verlobter der Pharaotochter Amneris, und Aida, Tochter des Königs von Nubien, das von den Ägyptern besetzt wurde. Die beiden lernen sich kennen, als Radames Aida gefangen nimmt und sie als Dienstmädchen zu seiner Verlobten Amneris bringt. Während Amneris in Aida eine Vertraute findet, entdecken Radames und Aida ihre Seelenverwandtschaft und ihre Liebe füreinander, die sie vor schwere Entscheidungen stellt.

Das Musical lebt natürlich von der spannenden Geschichte, die Elton John und Tim Rice für den Broadway genial umgesetzt haben. Doch das ganz große Erlebnis war für mich Heather Headley als Aida. Ihr Spiel hatte eine besondere Tiefe, und am meisten berührte mich ihr Gesang im Stück „The Gods love Nubia“. In diesem Song richtet Aida ihr niedergeschlagenes Volk auf, macht ihm Mut und bringt es dazu, wieder an eine Zukunft in Freiheit zu glauben. Ich hatte damals mit Gott nicht viel am Hut, aber dieser Song ging mir durch Mark und Bein.

Ich staune immer wieder über die Kraft, die in der Musik steckt. Feldherren nutzten sie, um ihren Kriegern Kampfeslust einzuimpfen. Als ein böser Geist König Saul in Beschlag nahm, spielte David auf seiner Harfe, und der Geist musste weichen.

Musik weckt die unterschiedlichsten Emotionen in uns. Manche Songs lassen mich tanzen, manche bringen mich zum Lachen oder zum Weinen, andere machen mir Mut oder beruhigen mich. Und während es jedes Jahr hunderte von Songs gibt, die kurz aufleuchten und am Horizont verglühen, entstehen auch immer wieder Kostbarkeiten, die Jahrzehnte und Jahrhunderte überdauern.

Ich denke dabei  – neben den Altmeistern der Klassik – an Stücke wie „Bohemian Rhapsody“ von Queen oder wunderschöne Melodien wie die von Vladimir Cosma. Er komponierte die Titelmusik mehrerer Louis de Funès Filme, den Soundtrack der Romantik-Serie „Die Rosen von Dublin“ und die Titelmusik zu „La Boum – Die Fete“. Eines seiner berührendsten Stücke, das mich immer wieder zum Sehnen und Träumen bringt, ist das Titelstück „David’s Song“ zur Serie „Die Abenteuer des David Balfour“  – hier besonders schön umgesetzt mit Bildern aus Irland (ich könnte schwören, dass ich dieses Schaf letzten Mai auch gesehen habe!)

Woher kommt die Kraft dieser Stücke? Was passiert in unserem Hirn, Herzen, wo auch immer, und fabriziert aus ein paar Tönen eine Emotion – ermutigt, erfreut und berührt uns? Das wissenschaftliche Rätsel der Kraft der Musik bleibt wohl ungelöst – wir können dieses Geschenk einfach geniessen und uns freuen, dass Menschen immer wieder zu neuen Liedern inspiriert werden.

Mich inspiriert es dazu, mir ein musikalisches Notfallpaket für alle Lebenslagen zusammen zu stellen. Unbedingt ins Arsenal gehören sicher:

  • Ein „Da kann ich nicht sitzen bleiben“ Song
  • Ein „Da bleibt kein Auge trocken“ Song
  • Ein „Da werd‘ ich zahm und friedlich“ Song
  • Ein „Das gibt mir neuen Mut“ Song
  • Ein „Da werd‘ ich wieder fröhlich“ Song
  • …to be continued!

Nicht zu vergessen der „Da wird der Atheist zum Christ“-Song – an dem arbeite ich noch ;-). Eine schöne Version hat Heather Headley 2009 auf einer Gospel-CD herausgebracht – so entdeckte ich, dass ihre berührende Performance in „Aida“ einen tieferen Hintergrund hat. Der Titelsong heisst „Redeemed“ – ein wunderschönes Statement.

Damit mache mich an meine Liste, bin aber gespannt auf Eure Songfavoriten für alle Lebenslagen. Wenn Ihr also welche habt – nur her damit!

In meinem ersten Jahrespost habe ich den guten Vorsatz verkündigt, mir dieses Jahr keine Vorsätze zu machen. Seitdem ist gut eine Woche verstrichen – und schon habe ich meine Meinung geändert. Schuld daran ist Anita Mathias mit ihrem „Ein-Wort-Vorsatz“.

In ihrem Post erzählt Anita, wie sie sich dazu entschlossen hat, anstelle von Vorsätzen nur ein Wort als Jahresmotto auszuwählen – sie hat sich nach längerem hin und her für das Wort „Alignment“ (Ausrichtung) entschieden.

Die Idee hat mich fasziniert. Was für ein Wort könnte ausdrücken, mit welcher Haltung ich dieses neue Jahr angehen möchte? Was für Eigenschaften brauche ich, um den Herausforderungen gewachsen zu sein, und was fehlt mir noch?

Ich werde in diesem Jahr in vielerlei Hinsicht Neuland betreten. Einerseits im Zusammenhang mit der neuen Gemeinde, der ich angehöre, vor allem aber bezüglich meines Projekts. Wenn ich mir überlege, was ich für dieses Vorhaben brauche, sieht es nach einer ersten Bilanz nicht schlecht aus: ich glaube, ich habe genug Durchhaltewillen und Disziplin, Geduld, die nötige Portion Demut und Selbstkritik sowie ausreichend Selbst- und Gottvertrauen, um die nötigen Schritte zu tun. Dennoch habe ich bei genauerem Hinsehen eine Eigenschaft ausgemacht, die ich dringend brauchen werde und von der ich noch nicht so viel in mir trage.

Aus diesen Gedanken habe ich mir ein Motto gebastelt, das ich schon einmal in einem Post verwendet habe – es passt nicht in ein Wort, ist aber trotzdem kurz und knackig. Ladies and Gentlemen – I proudly present my „words of the year“:

To boldly go!

Ich werde dieses Jahr Schritte tun, die ich noch nie getan habe und die mich aus meiner Wohlfühlzone hinauskatapultieren. Ich werde – was mein Universum betrifft – in Galaxien vorstossen, die ich nie zuvor gesehen habe. Dafür muss ich den draufgängerischen Teil meiner Persönlichkeit (wo auch immer sich der versteckt) aus dem Schlaf rütteln.

Mein Favorit im Star Trek Universum ist normalerweise Captain Jean-Luc Picard, der zurückhaltende Geschichtsfreund, der gern Earl Grey trinkt und einen hintergründigen Humor hat. Für dieses Jahr werde ich mich einmal am grossen James T. Kirk orientieren, der „Boldness“ – Wagemut, Verwegenheit, Unerschrockenheit und Kühnheit – verkörpert wie kein anderer. Wie er die Grenzen des Universums erobert hat, will ich meine Schritte in eine neue Welt setzen – ohne Angst, mit genug Frechheit und einer Portion Waghalsigkeit.

Ich habe ein Bild von Kirk gesucht, auf dem seine Kirkigkeit so richtig rüberkommt, und habe versucht, mich in diese Haltung hineinzudenken. Anbei das Resultat:

james-t-kirkboldly go Kopf

Wie Ihr seht, brauche ich noch etwas Übung. Die ersten Versuche waren noch schlimmer – da sah ich wie Lieutenant Data aus, und das wäre im Zusammenhang mit meinem Vorhaben nicht ganz der richtige Ansatz. Aber es kann ja noch besser werden.

Ich werde mir das Kirk-Bild jedenfalls ausdrucken und an die Tür meines Arbeitszimmers hängen. So sehe ich jeden Morgen vor dem Arbeitsbeginn „Jim“, der sein Ding macht, ohne sich darum zu scheren, was andere denken. Die paar Mal, die er übers Ziel hinausgeschossen ist, werde ich einfach ignorieren und mir das Beste aus seiner Haltung zu eigen machen.

In diesem Sinne – to boldly go!

Hat Euch diese „Ein-Wort-Idee“ auch inspiriert? Was sind Eure Pläne für das Jahr, und was für ein Wort würdet Ihr wählen? Ich freue mich auf Euer Feedback!

Jemand sein 2Die Schweiz ist seit Jahrhunderten eine Republik, doch auch bei uns regierten einmal Adelsgeschlechter. Sie verfügten über Mensch und Vieh und stritten miteinander (und mit der Kirche) um Besitz und Herrschaft. Noch vor wenigen Jahrzehnten konnte man in Bern einem Relikt dieser Zeit begegnen – denn für „Madame de Meuron“ hatte die „alte Zeit“ nie aufgehört.

Unzählige Geschichten ranken sich um dieses Berner Original, das mit vollem Namen Louise Elisabeth de Meuron-von Tscharner hiess. Wer ihr vorgestellt wurde, musste die legendäre Frage beantworten, ob er  „jemand sei“ oder ob er Lohn beziehe. Im Original: „Syt der öpper oder nämet der Lohn?“  Als sie als Ehrengast einer Truppeninspektion beiwohnte und ihr – beginnend beim ranghöchsten Offizier –  die Kader des Regiments vorgestellt wurden, schritt Madame de Meuron unbeeindruckt an Obersten, Oberstleutnants und Majoren vorbei, bis die Reihe an Korporal de Riedmatten (oder ähnlich) war. Da hob die adlige Dame das Kinn, blickte dem Unteroffizier ins Gesicht und meinte trocken: „Enfin quelqu’un!“ (Endlich jemand!).

Heute müssen wir  kein „von“ im Namen führen, um jemand zu sein. Aber hat sich wirklich so viel verändert?

In der SMS-Kolumne meiner Regionalzeitung schrieb letzte Woche ein Mann voller Freude, dass ihn eine Firma nach der Probezeit fest angestellt hatte, obwohl er schon 61 Jahre alt sei. Am Folgetag enthielt die Spalte zwei Antworten von Menschen, die sich mit dem Mann freuten und ihm gratulierten. Eine der Antworten beschäftigt mich noch heute.

 „Lieber xxx, ich kenne Dich zwar nicht.
Aber ich kenne das Gefühl, noch einmal jemand sein zu dürfen.“

Wir brauchen heute kein „de“ oder „von“, um jemand zu sein. Was wir brauchen, ist offenbar genau das, was für Madame de Meuron der schlagende Beweis dafür war, ein Niemand zu sein: einen Lohnausweis und damit den Nachweis, dass wir der Gesellschaft einen Nutzen bringen.

Man verstehe mich nicht falsch: in einer Zeit, in der gewisse Menschen unsere Solidargesellschaft und ihre Systeme zu ihrem alleinigen Vorteil ausnutzen, ist es lobenswert und unabdingbar für das Funktionieren dieser Gesellschaft, dass der einzelne sich einbringt und etwas leisten will. Als ich nach einem (zu) langen Studium zum ersten Mal einen Vollzeitjob hatte und meinen ersten Lohnausweis erhielt, empfand ich Freude und Stolz. Nicht so sehr, weil ich endlich Geld verdiente, sondern weil ich mit meiner Arbeit einen Beitrag an etwas Größeres leistete, weil das, was ich tat, gebraucht wurde.

In diesem Zusammenhang verstehe ich auch den obigen Satz nur zu gut. Für mich spricht daraus aber auch eine tiefe Not.

Unser Wirtschaftssystem reduziert den Menschen mehr und mehr auf seine Rolle als Konsument und Beitragsleister zum Bruttosozialprodukt. Die Folge davon ist, dass unser Wert über unsere Leistung und Nützlichkeit für die Gesellschaft und für das System definiert wird.

Susan Kaye Quinn, eine amerikanische Indie-Autorin, hat eine Buchreihe namens „Debt Collector“ (Schuldeneintreiber) herausgegeben. In ihrer Zukunftswelt werden Menschen, deren verbleibende Lebensjahre weniger wert sind,  als sie der Gesellschaft schulden, „ausgetauscht“: die verbleibende Lebensenergie wird aus ihnen herausgesaugt und auf Menschen übertragen, die es „verdienen“, weil sie besonders brillant oder talentiert sind und der Gesellschaft somit mehr einbringen. Eine gruselige und abstruse Vorstellung – aber manchmal fürchte ich, dass wir nicht weit davon entfernt sind.

Bei vielen politischen und gesellschaftlichen Fragen  geht es in irgendeiner Weise auch darum, was der einzelne der Leistungsgesellschaft „nützt“ – ein Beispiel ist die Medizin, wo das Dilemma deutlich wird.  Bis zu welchem Alter „lohnt“ es sich noch, jemandem ein neues Gelenk einzusetzen? Einen größeren Eingriff zu machen? Besteht nicht die Gefahr, dass irgendwann nur noch die Nützlichkeit eines Lebens über seinen Fortbestand entscheidet?

Das Gesundheitswesen mit seinen explodierenden Kosten ist ein komplexer Bereich, und ich maße mir nicht an, eine Lösung zu haben. Für mich sind diese realpolitischen Fragen der Spiegel eines im Ansatz lebensfeindlichen Wertesystems, das sich erfolgreich in uns eingenistet hat.

Ich kann dieses System nicht ändern, aber ich kann ihm ein besseres gegenüberstellen. Es ist viel älter, und es wird noch Bestand haben, wenn sich niemand mehr an das aktuelle erinnert.

In diesem System wird der Preis des Produkts allein durch den Hersteller definiert – und der Hersteller des Produkts „Mensch“ hatte ganz bestimmte Vorstellungen über diesen Wert. Er hat zudem dafür gesorgt, dass diese Vorstellung auch uns zugänglich ist. König David, einst ein Hirtensohn und der kleinste unter seinen Brüdern, hat seine Gedanken über Gott und sich selbst in einem Psalm festgehalten, und diese Gedanken gelten für uns alle.

 „Du hast mich geschaffen – meinen Körper und meine Seele,
im Leib meiner Mutter hast Du mich gebildet.
Herr, ich danke Dir dafür,
dass Du mich so wunderbar und einzigartig gemacht hast.
Großartig ist alles, was Du geschaffen hast – das erkenne ich!

Schon als ich im Verborgenen Gestalt annahm,
unsichtbar noch, kunstvoll gebildet im Leib meiner Mutter,
da war ich Dir dennoch nicht verborgen.
Als ich gerade erst entstand, hast Du mich schon gesehen.
Alle Tage meines Lebens hast Du in Dein Buch geschrieben –
noch bevor einer von ihnen begann!“

Psalm 139,13-16 / Hoffnung für alle

Es kann gerade in unserer leistungsorientierten Gesellschaft herausfordernd sein, diese Sätze für sich in Anspruch zu nehmen. Wir sind selten mit uns zufrieden und definieren uns zusätzlich über die Ansprüche, die diese Gesellschaft an uns stellt. Doch ich kenne Menschen, die es trotz schweren gesundheitlichen Einschränkungen geschafft haben, die Hoffnung auf Heilung nicht aufzugeben und gleichzeitig gewiss zu sein, dass sie unantastbar wertvoll sind – hier und heute und mit allem, was dazu gehört.

Diese Kraft beschämt und ermutigt mich, und ich will mir diese Einstellung noch mehr zu eigen machen. Egal, was mir heute gelingt oder misslingt, egal, wie ich bewertet und beurteilt werde, und egal, ob ich etwas vorweisen kann, das der Gesellschaft nützt:

Meinen Wert bestimmt der Hersteller.
Und der war genial und hat keinen Ausschuss produziert.

Hoffnungsstrahl linksNeujahrsvorsätze haben etwas Neurotisierendes. Macht man keine, fragt man sich, ob man zu wenig Antrieb hat und sich nicht genug Ziele setzt. Macht man welche, fühlt man sich unter Druck und hat Angst zu versagen. Mit dem Versagen kenne ich mich aus – aber auch mit dem Hoffnungsschimmer, der uns manchmal am dunkelsten Punkt überrascht.

Vor etwa drei Jahren war ich mit meinen guten Vorsätzen wieder einmal gescheitert und fühlte mich wie ein Monopoly-Spieler, der die Karte „Zurück auf Start“ gezogen hat. Um auf andere Gedanken zu kommen, startete ich zu einer kleinen Wanderung.

Es war Anfang März, aber von Frühling keine Spur. Nichts hatte Farbe –  ein grauer Himmel hing über dürren, schwarzen Bäumen, die Luft tot und leer. Nach einer halben Stunde in dieser stummen Vorfrühlingswelt machte ich mich über einen steilen Hang auf den Heimweg. Hellbraune, trockene Büschel knirschten unter meinen Füssen. Ich setzte mich für eine kurze Pause an den Abhang und betrachtete das leblose Vorjahresgras.

Plötzlich fielen mir hellgrüne Blitze in der blassen Dürre auf. Von weitem unsichtbar, zeigte sich unter den Büscheln die ersten zarten Grashalme.

Mit einem Mal sah ich meine Kämpfe aus einer neuen Perspektive. Ich konnte keine Entwicklung wahrnehmen, doch das musste nichts heissen. Vielleicht veränderte ich mich doch – unmerklich und unter der Oberfläche  – und irgendwann würde diese Veränderung sichtbar sein.

Ich konnte in diesem Moment nicht sehen, wann und wie ich mein Problem lösen würde. Aber ich vertraute neu darauf, dass ich es schaffen konnte,  dass das Neue bereits angebrochen war und zum Durchbruch kommen würde. Einige Monate danach hat sich diese Hoffnung erfüllt – ich traf eine Entscheidung, die mein Leben umgekrempelt hat. Sie hat Energien freigesetzt und es mir ermöglicht, verschüttete Träume zu neuem Leben zu erwecken.

Unsere tiefsten Wünsche und Träume sterben nicht. Sie schlummern in uns und entwickeln sich, während wir uns mit anderen Dingen beschäftigen und diesen Traum ad acta gelegt haben.

Hoffnungsstrahl 2Am letzten Sonntag wurden wir in der Predigt ermutigt, auf einen Neubeginn und das Wiederentdecken alter Träume zu vertrauen. Diese Ermutigungen gefallen mir besser als ein liebloser Vorsatz, der mich im neuen Jahr in eine Erfüllungszwangsjacke steckt. Deshalb  gebe ich heute keine mühseligen Vorsätze weiter, sondern meine Wünsche und Verheissungen für Dein persönliches 2014. Ich wünsche Dir hiermit:

…ein Déja-vu

Ich wünsche Dir, dass Du etwa wieder entdeckst: eine Freude Deiner Kindheit, ein Hobby oder einen Traum, den Du einmal hattest und an den Du seit Ewigkeiten nicht mehr gedacht hast. Ich wünsche Dir, dass Dich diese Wiederentdeckung beflügelt und motiviert, Neues zu wagen und Deine Grenzen zu testen.

…eine neue Sicht

Oft sind wir in unseren Haltungen so festgefahren, dass wir mit einem Hirn- und Herzfilter durch den Tag stolpern und die Welt nicht wahrnehmen, wie sie wirklich ist. Ich wünsche Dir in einem Bereich Deines Lebens eine brandneue Einsicht, die Dich zum Nachdenken bringt oder Dich motiviert, Deine Haltungen und Glaubenssätze zu hinterfragen.

…das rechte Mass Zufriedenheit

Ich wünsche Dir, dass Du mit Deinem Leben zufrieden bist, ohne Dich mit allem zufrieden zu geben. Dass Du das, was ist, geniessen kannst, ohne Deine Träume zu vergessen. Dass Du schwierige Situationen  ertragen kannst, ohne die Hoffnung auf Veränderung aufzugeben.

…eine gute Portion Jahreslosung 2014

Die Jahreslosung 2014 ist einfach, kurz und prägnant: „Gott nahe zu sein ist mein Glück.“ (Psalm 73, 28) . Sie  motiviert mich, neben all meinen Plänen und Zielen nicht zu vergessen, dass nichts das Glück ersetzen kann, mit Gott Gemeinschaft zu haben. Ich wünsche Dir persönliche Erfahrungen mit dieser Losung – Begegnungen mit Gott, die Dich bereichern, verändern und befreien.

Ich wünsche Dir ein wunderbares 2014!

Wie hältst Du es mit Vorsätzen – hast Du Dir welche gemacht? Und was sind Deine Herzenswünsche für das neue Jahr? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!