Meine Bücher und ich – a love story

In meinem Traum krieche ich durch markerschütterndes Trommelfeuer. Ich presse meinen Körper in den aufgerissenen Schlamm, ducke mich, krieche weiter. Die Schreie der Getroffenen dringen an mein Ohr, vermischen sich mit dem Donnern der Kanonen. Ich werfe mich in einen Schützengraben, dann wieder hinaus in die dröhnende Schlacht.

In diesem Moment bin ich oft schweissgebadet und mit rasendem Herzklopfen aufgewacht. Doch das grosse Grauen in diesen Träumen war  nicht die Angst vor dem Tod, auch nicht der Lärm und die Schreie. Das Schlimmste war der Geruch der Toten. Ich kann mich  an keinen anderen Traum erinnern, in dem ich etwas gerochen habe, aber dieser ist mir bis heute in Erinnerung geblieben – obwohl er über 25 Jahre alt ist. Schuld an diesem Traum war ein zweihundertseitiges Taschenbuch.

In der Oberstufenphase des Gymnasiums wurden wir mit gehaltvoller Literatur abgefüllt und mussten all die Schinken lesen, die unter diesem Etikett laufen. Bei uns waren es Manns „Die Buddenbrooks“, Fontanes „Effi Briest“, Frischs „Andorra“, Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ und viele mehr. Doch das Buch, an das ich mich heute noch erinnere, ist „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque.

Bücher Remarque linksRemarque hat in seiner einfachen, geraden Sprache die ganze Unmenschlichkeit und Perversität des Krieges ausgedrückt. Er muss uns nicht erzählen, wie er sich fühlte: wenn wir seine Bilder aufnehmen, mit ihm mitleiden und durch seine Geschichte gehen,  spüren wir die Verlorenheit und Zerrissenheit dieser jungen Männer, die direkt von der Schulbank in den Krieg zogen. Diese Jungs-Männer, die nie mehr irgendwo hingehörten, weil der Krieg ihre zarten Wurzeln von Identität und „Heimat“ weggeschwemmt hat.

Ich habe mit vier Jahren mit dem Lesen angefangen, und die Kraft der Worte fasziniert mich immer noch. Nach einer hormonell gesteuerten Phase alberner Mädchenromane namens „Sweet Dreams“ entdeckte ich dank einer Klassenkameradin die Thriller von Stephen King, dessen Bücher für mich bis heute zu den Highlights der Schreibkunst gehören.

Bücher KingViele davon wie „Es“, „Das letzte Gefecht“, „Der dunkle Turm“ und „In einer kleinen Stadt“ habe ich dutzende Male gelesen. Dabei packt mich weniger der Horror darin, obwohl ich nichts gegen ein wohliges Gruseln habe. Mich fasziniert Kings Einblick in den Charakter seiner Protagonisten und die Tiefe, die er ihnen verleiht.

 

Bücher Christian

Ich habe auch früh meine Freude an der leichten, gut geschriebenen Literatur entdeckt. Durch meine Mutter kam ich auf die Geschichten von Erma Bombeck und habe auch alle Romane von Mary Scott verschlungen. Heute lese ich gern die berührenden und lustigen Bücher von Becky Freeman über ihr chaotisches Alltags- und Glaubensleben oder die ehrlichen, witzigen Bekenntnisse von Adrian Plass.

Bücher Krimis linksDaneben habe ich von meiner Mutter auch die Liebe zu guten Krimis geerbt: ich habe so ziemlich alle Agatha Christies mehrfach gelesen, daneben die frühen Bücher von Martha Grimes und Elisabeth George. Mein absoluter Held des Krimis ist aber Dick Francis, von dem ich praktisch jeden Krimi besitze und ebenfalls regelmässig neu lese.

Nach meiner Hinwendung zum Glauben habe ich natürlich auch die Bibel entdeckt. Ich kann noch nicht sagen, dass ich sie „viele Male gelesen habe“, aber ich arbeite daran: einen Komplettdurchgang habe ich schon und bin momentan am zweiten. Aber egal, wie gut es damit gerade läuft – ich finde immer wieder etwas, das mich herausfordert, bewegt und begeistert.

Bücher Mockingbird linksMit dem neuen Aufflammen meines Schreiberlingdaseins hab ich ein paar besondere Juwelen entdeckt, unter anderem den Klassiker „To kill a mockingbird“ (Wer die Nachtigall stört). Ein tief ergreifendes Buch, das so schlicht und ruhig daherkommt, dass man am Ende nicht weiss, warum einem die Tränen übers Gesicht laufen, wenn Atticus Finch sagt: „Thank you for my children, Arthur.“

Wenn ich mir mein Buchsammelsurium ansehe, frage ich mich, was für einen gemeinsamen Nenner all diese Werke haben. Natürlich eine „gute Schreibe“ – nicht zu viele Worte, ein prägnanter, guter Stil (ich habe es nicht so mit dem Blumigen).  Vor allem aber suche ich in Büchern – auch inmitten von phantastischen Geschichten – den Willen des Autors, im Chaos dieser Welt Wahrheiten zu suchen und zu vermitteln. Ich suche Echtheit, und ich suche Geschichten, in denen ich spüre, dass es sich jemand nicht leicht gemacht hat und mir neben einer lustigen, berührenden, spannenden Geschichte auch eine neue Sicht auf die Welt und auf mich selbst vermittelt.

Ich freue mich am meisten, wenn ich Bücher und Filme entdecke, die ich mir immer wieder zu Gemüte führen kann. Ganz egal, ob es ein Krimi, ein Thriller, ein literarisches Werk oder ein leichter Unterhaltungsroman ist: ich liebe Bücher, die mich begeistern, herausfordern, packen – und einen unauslöschbaren Eindruck hinterlassen. Und so will ich auch schreiben.

Bücher BibelUnd darum wünsche ich mir in meiner Liebesbeziehung zum geschriebenen Wort zwei Dinge: dass ich mich immer besser ausdrücken und meine Sprache so schleifen kann, dass das, was mir wichtig ist, erfahrbar und erlebbar wird. Und dass ich noch viele Bücher entdecke, die mich inspirieren, vor meinen Augen lebendig werden und die ich noch dutzende Male mit Freude lesen kann.

Welches sind Eure „Wortperlen aller Zeiten“? Welche Bücher haben Euch geprägt? Ich freue mich auf Euren Kommentar!

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4 Comments

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  1. oh ha, bei so einer Frage, weiß man oft gar nicht, wo anfangen: Würde mal sagen, das erste Buch, was mich wirklich gefesselt hat, war „Momo“ von Michael Ende. Da war ich 10. Und irgendwie ist die Art Bücher noch heute die gleiche. Gern Werke, die etwas fern der Realität sind, keine Fantasy aber Phantasie. „Lachsfischen im Jemen“ war so ein, das mit spontan einfällt. Und „Nitght Circus“. Thriller sind nicht so mein Ding – da gruselt es mich immer so. Obwohl lustige Krimis, wenn man so möchte, schon: „Skinny dip“, Gone girl“, „Cliffhanger“. Dann irgendwie Geschichten, die sich über Generationen hinziehen. Klassiker ist das John Irving. Mein Lieblingsbuch: „Witwe für ein Jahr“ (vielleicht, weil es mein erstes Buch von ihm wahr). Und Paul Auster ist auch einer der Autoren, die immer lesen kann. Gut finde ich auch Stories mit Charakteren, die irgendwie mit sich immer wieder im Weg stehen. „This is where I leave you“, „The Knot“, „Seating Arrangements“, „The little white car“, „Das Leben kleben“, „The memory of running“. So, nun höre ich auf, damit andere auch noch Platz zum Posten haben 🙂
    Liebe Grüße, Kerstin

    • Coole Liste! Und der Platz reicht aus für mehr ;-)Du liest ja auch eine Menge! Momo habe ich nicht gelesen, aber dafür „Die unendliche Geschichte“. Ich finde es immer noch faszinierend – muss es endlich wieder mal lesen 🙂 Die Charaktere, die Du erwähnst, lese ich auch gern – wenn es nicht übertrieben ist. Spannend geschriebene Charaktere sind sowieso ein must – ohne die ist eine Story einfach nur öde 🙂 Liebe Grüsse, Claudia

  2. Huhu, ich hab grad nicht viel Zeit – doch einen Satz erstmal zu Deinem Post. Ich wusste nach den ersten Zeilen genau, von welchem Buch Du sprichst. Ich habe das Buch gelesen und beide Verfilmungen angeschaut – auch mich begleitet dieses Buch schon seit meiner Jugend…

    • Danke Dir – ist ja stark! Ich bin noch nicht hinter sein Geheimnis gekommen, aber mich berührt sein Stil einfach. Er weiss, wie man Wahrheit vermittelt – sie ist einfach da, wenn man seine Worte gelesen hat 🙂

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