Primeln im Matsch

Grenchen Regen 2Meine kürzlich bejammerte Wintermüdigkeit hat mich leider noch nicht ganz verlassen. Dafür hat sie mich letztes Wochenende dazu gebracht, darüber zu sinnieren, welches meine liebste Jahreszeit ist. Und obwohl ich den warmen, sonnigen Sommer liebe (wenn wir ihn denn kriegen) und den Herbst bezaubernd finde, bin ich beim Frühling gelandet.

 

Zum Teil liegt es sicher daran, dass er nach dem Winter kommt – nach dem Motto „Alles, was anders ist, ist gut.“ Ich habe es einfach nicht mit der Kälte, und von den schönen Seiten des Winters haben wir dieses Jahr gar nichts gehabt: es gab nur eiskalten Regen, schneidenden Wind und einen grauen Wolkendeckel. Der Blick aus dem Fenster enthüllt  einen traurigen braunen Teppich und verwelkte Blätter, die es nicht mehr in die Grünabfuhr geschafft haben.

Grenchen Blätter

Nach Wochen und Monaten in diesem Groove sind die ersten Frühlingsboten ein überraschendes und belebendes Fest für die Sinne. Kleine Krokusse und Schneeglöckchen wagen sich aus dem Boden, zarte Halme stossen durch braunes Gras, und plötzlich ist die Wiese hinter unserem Haus mit Primeln übersät – gelbe, pinke und lila Blümchen breiten sich zwischen Grashalmen und Moos aus, Bäume und Büsche tragen wieder grün…was gibt es Schöneres?

Grenchen SteineNoch ist es nicht soweit – aber die ersten Anzeichen sind da. Am letzten Sonntag habe ich trotz entmutigender Wetterprognosen einen Spaziergang gemacht. Nach kurzer Zeit begann es zu tröpfeln, und auf dem Rückweg schneeregnete es  waagrecht  und wurde richtig ungemütlich. Dann brach der graue Deckel plötzlich auf, und ein Stück blauer Himmel machte sich breit. Mit einem Schlag war es 5 Grad wärmer, alles funkelte und strahlte, und ich machte mich beschwingt auf den Weg nach Hause.

Ermutigt von diesen Wetterkapriolen machte ich einen Rundgang durch den Garten – und wurde fündig. Eine samtige, tiefviolette Primel streckte sich als erster Frühjahrsbote der Sonne entgegen.

Grenchen BlümliIch weiss, es ist noch zu früh ist für den Frühling – aber das ist mir egal. Ich halte weiter Ausschau nach den Vorboten dieser ermutigenden Jahreszeit. Frühling heisst Neubeginn, Hoffnung, Leben, und egal, ob wir gerade auf einem Hoch fliegen oder uns durch ein Tief schleppen: wir brauchen immer wieder dieses Fest der neu erwachten Sinne – dieses Zeichen des „Circle of Life“.

 

In diesem Sinne: Herr, lass Frühling werden!

Bist Du mit mir einig, oder kann der Winter für Dich ruhig noch etwas dauern? Was ist Deine liebste Jahreszeit? Ich freue mich auf Dein Feedback!

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17 Comments

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  1. Liebe Claudia, gestern waren wir in der Ostschweiz. Wir stiegen zum Schloss Rapperswil hoch und auf den Wiesen zwischen den Schlosstreppen und Schlossmauern blühen die Frühlingsblumen in ganzer Pracht. Es war wunderschön, sonnig aber mit beissendem Wind. Wir genossen es sehr. Auch ich liebe den Frühling. Gestern waren wir so richtig unbeschwert und fröhlich! Das ist Frühling! Hoffen wir, dass er bald richtig kommt. 🙂

  2. Liebe Claudia!
    Es noch lustig, fast alles empfinde ich auch so wie du! Ich liebe zwar jede Jahreszeit! Die letzten 3 Tage war ich am Neuenburgersee. Das goldige Schilf, die blanken Äste und Zweige, dunkel, kontrastreich und glitzernd vom Regen, welcher vor ein paar Augenblicken von einer klaren Sonne an einem stahlblauen Himmel abgelöst wurde! Das kannst du nur jetzt so erleben! Aber du hast recht: Gerade die grünen Teppiche von Buschwindröschen im März/April sind für mich die schönsten Momente im Wald! Das Laub lässt noch auf sich warten, der Glanz der Sonne zwischen den majestätischen Baumstämmen gibt einen unbeschreiblich schönen Kontrast, wenn diese weissen Blümchen sich der wieder kräftigeren Sonne entgegenstrecken! Ich freue mich darauf, freute mich aber auch an den erlebten Bildern vom Wochenende am See!

    • Lieber Simon, schön zu lesen, dass es Dir ähnlich geht! Diese ersten Frühlingsanzeichen haben einfach etwas ganz Besonders an sich, wie Du es so lebendig und anschaulich beschreibst :-)! Irgendwann macht es dann „peng“, und es wächst wieder überall – aber im Moment ist jedes Grün ein Grund zur Freude 😀

  3. Ich finne, dass Londschafte im Winter mit schnee gonz schen sin!

    Awer es isch aach wohr dass de Frihjohr bezaubernd sin kinn 🙂

    Leider hert es gerade nit uf, ze rene un in Englond gibt es iwerall Iwerschwemmunge.

    Liewe Gruesse us Englond un Lothringen!

    • Ja, eine schöne Schneelandschaft ist einfach bezaubernd! Vielleicht klappt es nächstes Jahr wieder bei uns 🙂 Ich hoffe, bei Euch in England hört der Regen auch wieder mal auf; das klingt ja ziemlich beängstigend. Werde an Euch denken! Liebe Grüsse aus der Schweiz 🙂

      • Also es sieht so us, als ob de Lothringisch gonz gut verstehn kinnscht 🙂

        Ich bin echt neidisch, weil es fir mich fast unmächlich isch, Schwitzerdutsch ze begreife.

        Es isch eeni gonz fuaschtba Sproche.

      • Ja, Dein Lothringisch kann ich tatsächlich lesen 🙂 Ein lustiger Dialekt – ist er verwandt mit dem jiddischen? Er erinnert mich irgendwie daran. Aber unser schwizerdütsch ist gar nicht so furchtbar! Do in Soledurn redä mir ganz eifach und guet vverständlech; das chasch Du sicher au läsä 😉 Stimmts? Wünsche Dir jedenfalls, dass der Regen bei Euch bald aufhört, und wir kriegen vielleicht bal doch noch Schnee 🙂

      • In Englong gibt es een fuaschtba Sturm
        Ich sitze in mien Buero un de Fenster bebbt
        weil es so heftig isch
        Baueme were uf eeni schauerliche Weise erschuettert
        Eeni wohri Sinflut faellt vom immel,als ob de Goetter aus irgendwelchem Grund wuetend geworden waeren.

        das isch awer eeni Mischung us hochdaeitsch un Lothringisch 🙂

  4. Auch ich liebe den Frühling. Mich fasziniert an meinem Job ja am meisten das Leben im Kreislauf der Natur – näher dran als in der Landwirtschaft geht fast nicht.

    Und im Frühling, die ersten Sonnenstrahlen, die Pflanzen kommen hervorgekrochen – einfach schön… Und jedes Mal bin ich sehr sehr dankbar, diese Kleinigkeiten wahrzunehmen und zu sehen.

    • Das glaube ich Dir – ich geniesse es auch, wenn ich spazieren gehe und die ersten Krokusse erspähe…da geht einem das Herz auf 🙂 Wo in Deutschland hast Du eigentlich Deinen Hof? Im Osten?

Deine Gedanken und Erfahrungen interessieren mich - ich freue mich über Deinen Kommentar!

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