I robot 2Letzten Sonntag habe ich mir einen Film angesehen, der vor ziemlich genau zehn Jahren in die Kinos kam. „I robot“ mit Will Smith basiert frei auf einer Buchvorlage von Isaak Asimov, und obwohl ich es normalerweise nicht so mit Robotern habe (abgesehen natürlich von Data in Star Trek und R2D2 in Star Wars), hat mich der Film berührt und zum Nachdenken gebracht.

Im Jahr 2035 unterstützen Robots die Menschen in vielen Bereichen des Lebens als Arbeiter und Helfer. Um sicherzustellen, dass sich ein Robot niemals gegen die Menschen stellt, wurden jedem Exemplar drei Gesetze eingebaut:

Ein Robot darf keinem Menschen schaden oder durch Untätigkeit einen Schaden an Menschen zulassen.

Ein Robot muss jeden von einem Menschen gegebenen Befehl ausführen, aber nur, wenn dabei das erste Gesetz nicht gebrochen wird.

Ein Robot muss seine eigene Existenz bewahren, es sei denn, dies spricht gegen das erste oder zweite Gesetz.

Die Herstellerfirma steht kurz davor, eine neue Generation Robots auszuliefern, als deren Erfinder tot aufgefunden wird. Ist es Selbstmord, oder ist es Mord? Der Polizist Spooner, der den künstlichen Intelligenzen misstraut, macht sich an die Aufklärung des Falls. Dabei lernt er einen Robot kennen, der ein eigenes Bewusstsein entwickelt hat und sich selbst Sonny nennt. Er findet heraus, dass Sonny eine Zentraleinheit für Emotionen besitzt und als einziger Robot nicht mit dem Zentralcomputer V.I.K.I. verbunden ist.

Schließlich stellt sich heraus, dass die künstliche Intelligenz V.I.K.I. aufgrund der drei Gesetze zum logischen Schluss gekommen ist, dass man die Menschheit entmündigen muss, um sie vor sich selbst zu schützen. V.I.K.I. initiiert mit der neuen Generation Robots einen Putsch, um die Macht zu übernehmen. Mit Hilfe von Sonny kann dieser Plan verhindert werden, weil Sonny auch Emotionen in seine Entscheidungen einbeziehen kann und sich nicht zwingend an die Logik der drei Gesetze halten muss.

Als ich über die Entscheidung von V.I.K.I. nachdachte, ist mir ehrlich gesagt als erstes in den Sinn gekommen, dass dieser Silikonhaufen nicht so unrecht hat.

Wir befinden uns in einer optimalen Zeit, um uns darüber klar zu werden, wie weit wir Menschen in unserem Bestreben, in Harmonie mit der Umwelt und im Frieden mit unseren Nachbarn zu leben, schon gekommen sind.

Ein Bericht der Pendlerzeitung „20 Minuten“ von dieser Woche zeigt auf, wie menschenverachtend manche Schweizer in bestimmten Facebookgruppen über Menschen anderer Nationalitäten und Religionen sprechen. In SMS-Spalten meiner Regionalzeitung werden Asylanten als „Gesindel“ bezeichnet. Daneben brodelt es rund um den Globus. Der Nahostkonflikt schlägt Wellen, die auch bei uns zu bedenklichen Reaktionen führen. Ich brauche nur meine Facebook-News anzuschauen, um in eine übelerregende Flut von Rechtfertigungen, gegenseitigen Anschuldigungen und Hass einzutauchen.  Und die Erde, die Gott uns zur sorgfältigen Bewahrung anvertraut hat? Ihr Zustand ist auch nicht gerade ermutigend.

Ich gebe V.I.K.I. Recht – die Menschheit gehört eigentlich entmündigt. Und doch hat der, der es könnte, es nicht getan.

Gott hat uns so geschaffen, dass wir selber entscheiden können. Er hat wissentlich und willentlich keine fleischlichen „Robots“ kreiert, die ihm ohne eigenen Willen zur Hand gehen, weil er ein Gegenüber wollte, mit dem er einen echte Beziehung pflegen kann. Damit ist das Risiko eingegangen, dass wir Mist bauen, was wir natürlich prompt getan haben. Aber Gott hat uns auch da nicht alleingelassen. Er hat uns Hilfe geschickt und damit die Wiederherstellung der Schöpfung eingeleitet. Aber immer noch können wir uns selbst entscheiden – für Gutes oder Schlechtes, jeden Tag neu.

Manchmal verzweifle ich am Zustand der Welt. Ich sehe mein eigenes Unvermögen und brüte  über aktuellen Konflikten. Und es schmerzt mich, wenn es dort am schlimmsten zugeht, wo die Menschen Gott mit in die Gleichung hineinnehmen,  beide Seiten  ihn auf ihrer Seite wissen wollen und zutiefst überzeugt sind, dass er ihnen zum Recht verhelfen wird.

Aber ich sehe auch Lichtpunkte. Menschen in diesen Krisenregionen, die – aus einem klaren, definiertem  Glauben heraus – mit Menschen anderen Glaubens zusammenspannen, sich bewusst entschließen, in der Not theologische Fragen auf der Seite zu lassen, um gemeinsam Not zu lindern.

Und dann bin ich doch wieder froh, dass Gott uns so geschaffen und uns den freien Willen gelassen hat. Wir werden immer mit Fragen wie „Wo war Gott, als…“ kämpfen. Aber letztlich sind wir aufgefordert, zu handeln. Gottes Geschenk des freien Willens verpflichtet uns und fordert uns auf, unsere Hände, unsere Füße, unser Hirn und unser Herz einzusetzen, um etwas zum Besseren zu bewirken. In einem Lied von den Casting Crowns wird diese Herausforderung eindrücklich besungen – und diese Worte will ich mir auch immer wieder neu ins Herz schreiben.

Wenn wir der Leib sind – warum strecken sich seine Arme nicht aus?

Warum heilen seine Hände nicht? Warum lehren seine Worte nicht?

Und wenn wir der Leib sind – warum gehen seine Füße nicht?

Warum zeigt ihnen seine Liebe nicht, dass es einen Weg gibt?

Denn es gibt einen Weg.

Introvert 6Letzten Sonntag habe ich mich mit einem Mitglied unserer Gemeinde über die Ferien unterhalten. Meine fangen bald an, und ich werde sie daheim verbringen. Auf die Frage, ob das nicht etwas hektisch sei, weil viel Besuch hereinschneien könnte, antwortete ich, dass unsere Freunde genau wüssten, dass wir überfallartige Besuche nicht so schätzten.

 

Daraufhin meinte sie überrascht, sie hätte mich als aufgeschlossen und kontaktfreudig eingeschätzt. In den Worten von Bill Murray in „Und täglich grüsst das Murmeltier“: Bin ich. Bin ich. Aber ich bin auch ein introvertierter Mensch.

Amerika, das Land der exzessiven Extrovertiertheit, fängt gerade an, diese Eigenschaft nicht mehr als zu korrigierende Persönlichkeitsstörung anzusehen, und nach der Lektüre zahlreicher Beiträge zu diesem Thema ist mir noch klarer geworden, was den introvertierten Menschen ausmacht. Im Sinne des besseren Verständnisses lasse ich Euch heute an einigen Hauptmerkmalen unserer Spezies teilhaben. Es sind nämlich nicht immer die, an die man denken würde.

Umgepolter Energiefluss

Unter Menschen zu sein, uns zu unterhalten und Beziehung zu pflegen kostet uns Energie. Das heißt nicht, dass es uns keine Freude macht, aber es leert unsere Speicher. Früher oder später müssen wir uns zurückziehen können, um dort aufzutanken, wo es uns möglich ist: im stillen Kämmerlein. Ich liebe Abende allein zuhause, und wenn mein Mann einmal im Jahr mit seinen besten Freunden in ein Männerwochenende fährt, kenne ich nichts Schöneres, als drei Tage für mich zu haben. Ich stehe auf, schreibe, singe lese, gehe spazieren, sehe fern und esse was, wann immer mir danach ist.  Manchmal geht das Wochenende vorbei, ohne dass ich mit einer Menschenseele gesprochen habe, und das füllt meine Batterien wie nichts anderes.

Introvertiert heißt nicht scheu

Ich habe keine Probleme, vor anderen zu sprechen – in der Gemeinde leite ich Lobpreis und mache ab und zu die Moderation im Gottesdienst. An der Launchparty meines CD-Buchs habe ich gesungen, gelesen und moderiert, ohne dass es mich verrückt gemacht hätte. Ich bin nicht scheu, wenn ich auch in neuer Gesellschaft erst zurückhaltend bin. Natürlich gibt es scheue Introvertierte, aber die Schüchternheit ist kein zwingendes Attribut. Und die Gleichsetzung der Begriffe hat zur Folge, dass Menschen wie ich falsch eingeschätzt werden.

Feine Antennen und eine gute Beobachtungsgabe

Introvertierte sind gute Beobachter; viele Schriftsteller gehören zu unserer Sorte. Sie nehmen Details wahr, die anderen entgehen, und können gut in anderen Menschen lesen. Darüber hinaus haben sie oft ein feines Gespür für Stimmungen, Spannungen und Dinge, die unter der Oberfläche geschehen.

Wohl und Wehe des (christlichen) Introvertierten

Die falschen Vorstellungen über das Wesen der Introvertieren führen dazu, dass man uns Dinge vorwirft, für die wir nichts können. Wenn wir uns in Gesellschaft kurz zurückziehen, gelten wir als Partybremsen oder Unsoziale. Wenn wir keine weiteren Termine wollen, gelten wir als Egoisten. Gerade als Christ fühle ich mich mit meiner „Veranlagung“ manchmal fehl am Platz, weil die unbegrenzte Gastfreundschaft so auf den Schild gehoben wird. Es gehört sich, ein „offenes Haus“ zu haben, während Christsein und „My home is my castle“ irgendwie nicht zusammen zu gehen scheint. Hier möchte ich für ein erweitertes Bild der Gastfreundschaft werben, denn auch wir Introvertierte können gastfreundlich sein. Wenn ich Leute einlade, habe ich Freude daran, sie zu bewirten, auf sie einzugehen und mit ihnen einen schönen Abend zu verbringen. Aber ich widme mich ihnen gern im kleineren Kreis und so, dass ich es planen und mich darauf einstellen kann.

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Seid ihr nun völlig überwältigt von diesen komplizierten Typen, die sich Introvertierte nennen? Nur die Ruhe – so schwierig ist das Zusammenleben mit uns nicht. Die folgenden heißen Tipps werden Euch helfen, die Intros in Eurer Umgebung artgerecht zu behandeln:

Dosiert Überraschungen im terminlichen Bereich

Auch wir Introvertierten (jedenfalls die halben Chaoten, wie ich einer bin) können damit umgehen, wenn sich Pläne ändern,  und können uns auf etwas Neues einstellen. Aber wir ziehen es vor,  soziale Kontakte zu planen. Wenn ich mit jemandem ein Treffen vereinbare, stelle ich mich darauf ein, bin dann voll präsent und genieße es. Anrufe um fünf für einen Feierabenddrink um sechs sind dagegen nicht so mein Fall, und spontane Besuche überfordern mich. Wer in der Gegend ist und kurz vorbeikommen will, möge zumindest vorher kurz anrufen (oder noch lieber eine SMS schicken, damit ich mir in Ruhe überlegen kann, wie es mir geht und ob ich Besuch will).

Nehmt unsere Art nicht persönlich

Die vielen Eindrücke, die wir in Gesellschaft aufnehmen, schwächen unsere Schutzschilde. Wenn wir zu lange zu viele Menschen um uns haben und uns nicht zurückziehen können, fühlen wir uns wie das Raumschiff Enterprise mit 10 Prozent Energie auf den Schilden. Irgendwann bricht der Schild, und wir fühlen uns nackt und verwundbar – Stimmungen, Eindrücke und Emotionen der Umgebung prasseln ungehindert auf uns herein. Dann versuchen wir abzuschalten und die Menschen innerlich auf Distanz zu halten. Wir reden und beteiligen uns äußerlich, aber es kostet uns immer mehr Anstrengung. Dadurch wirken wir manchmal unfreundlich, abweisend oder sogar arrogant. Wenn ihr so einen Eindruck von uns habt – fragt uns einfach, ob wir einen Overflow haben. Wir werden für das Verständnis dankbar sein!

Urteilt uns nicht als Egoisten ab

Wir wollen nicht einfach unser egoistisches kleines Leben führen – wir können schlicht nicht funktionieren, wenn wir nicht genug Zeit für uns selbst haben, und mit leeren Batterien bringen wir auch anderen nichts. Unser Bedürfnis nach dem Alleinsein ist existenziell, und wenn uns jemand gar kein Verständnis entgegenbringt und durchblicken lässt, dass er uns für eigennützig hält, verletzt uns das.

Fordert uns heraus – aber liebevoll

Ich gebe es zu: wenn man den Introvertierten einfach in Ruhe lässt, besteht die Gefahr, dass er nur für unabdingbare Verpflichtungen aus seiner Höhle herauskriecht. Wir wissen das und sind dankbar, wenn andere ab und zu an die Höhlentür klopfen. Aber tut es sachte und vorsichtig. Überrumpelt und manipuliert uns nicht: das nehmen wir sehr übel, und es wird Eure Chancen, beim nächsten Mal unser Wohlwollen auf Eurer Seite zu haben, empfindlich verkleinern.

Der letzte Appell

Glaubt uns, dass wir nicht anders können und dass dies kein Charakterfehler, sondern eine Charaktereigenschaft ist. Akzeptiert unsere Andersartigkeit. Erzählt uns nicht ständig, wie toll ihr Leute findet, die ein offenes Haus haben und so wunderbar spontan sind. Das nehmen WIR nämlich persönlich. Versucht, unsere Introvertiertheit als etwas Positives zu sehen: wir haben in Gesellschaft die Gabe, uns voll und ganz auf den anderen einlassen. Wir müssen nicht im Mittelpunkt stehen und hören gern zu. Aber dafür müssen wir genug Ressourcen haben. Lasst uns diesen Raum, ohne uns anzuklagen oder als unsozial abzuschreiben. Es lohnt sich auch für Euch.

Und wie geht es Euch anderen?! Aufruf zur Völkerverständigung!

Dieses Post hat mir gezeigt, wie fremd wir einander sein können und wie wenig wir manchmal verstehen, was im anderen vorgeht. Ich weiß nicht, wie es sich anfühlt, wenn das Alleinsein einen auslaugt und  man im Zusammensein mit anderen Energie tankt. Nachdem ich also meine Befindlichkeit so ausführlich ausgebreitet habe, lade ich Euch herzlich ein, dasselbe zu tun:

Wie ist das Leben als Extrovertierter? Worunter leidet Ihr?
Was müssen wir Intros wissen, um besser auf Euch einzugehen?
Was macht Ihr, wenn Ihr auftanken wollt und niemanden habt, der etwas mit Euch unternimmt?
Tanken Extrovertierte bei allen Menschen auf, oder kommt es darauf an, wer es ist – und ist das Motto „Je mehr, desto besser?“
Und Ihr Intros da draußen: habe ich es getroffen? Oder erlebt Ihr das Introvertiertsein ganz anders? Ich freue mich auf Euren Kommentar!

Samwise GamgeeNachdem ich es mir nicht nehmen ließ, den WM-Final in voller Länge zu genießen – bei dieser Gelegenheit herzliche Gratulation an unsere Nachbarn! – habe ich mich inzwischen wieder in mein altes, dem Fußball eher apathisch gegenüberstehendes Ich zurückverwandelt. Und ich habe festgestellt, dass es eine Ewigkeit her ist, seit ich mir das letzte Mal das „Herr der Ringe“-Epos zu Gemüte geführt habe.

Diese Geschichte und die starken Bilder faszinieren mich immer wieder aufs Neue, und ich staune besonders über Tolkiens unerschöpfliche Fantasie bei der Erschaffung seiner Wesen: schon unter Frodos Gefährten finden sich die unterschiedlichsten Charaktere mit ihren eigenen Lebensthemen und ganz besonderen Zügen.

Da gibt es Zwerg Gimli mit seiner Abneigung gegenüber den Elfen, dessen raue Schale ausgerechnet von der Elfenfrau Galadriel geknackt wird. Gimlis grummlige Kommentare tragen viel zum Spaß an Buch und Film bei, und seine sich vertiefende, ungewöhnliche Freundschaft zum Elfenkönig Legolas ist skurril und zauberhaft zugleich.

Dann Legolas selbst, der äußerlich das pure Gegenteil von Gimli markiert: schlank und hochgewachsen, mit glattem Blondhaar, heller Haut und feinen Zügen. Doch trotz dieses Äußeren ist Legolas ein genauso unerschrockener Kämpfer wie sein Zwergenfreund. Ich liebe die Bilder, in denen seine scharfen Elfenaugen das nächste Ziel ausmachen, er geschmeidig einen Pfeil nach dem anderen aus dem Köcher zieht und die Orks reihenweise umnietet.

Schließlich Aragorn, der zukünftige König von Gondor. Er steht Gimli und Legolas bezüglich Kampfesmut in nichts nach, aber er hat eine besondere Bürde zu tragen: als letzter Abkömmling des Geschlechts der Numenòr muss er sich erst dazu durchringen, sein Erbe anzutreten. Er fürchtet sich vor der Verantwortung, und nur das Vertrauen und der Zuspruch seiner Freunde überzeugen ihn, dass er dieser Herausforderung gewachsen ist und nicht aufgrund seiner menschlichen Schwächen scheitern wird.

Im Vergleich zu diesen schillernden und streitbaren Figuren ist Samwise Gamgee unauffällig. Trotzdem berühren mich sein Kampf und sein Weg am meisten. Er ist nicht der beste Kämpfer und nicht der strahlendste der Gefährten, aber ohne ihn hätte Frodo es niemals auf den Schicksalsberg geschafft. Treu steht er Frodo bis zum Ende bei und kämpft dabei vielleicht den härtesten und bittersten Kampf, als seine Loyalität in Frage gestellt wird.

Während des Aufstiegs im Gebirge kommt es zu einem Streit, weil der gesamte Essensvorrat verschwunden ist. Frodo verdächtigt Sam, und obwohl Sam seine Unschuld beteuert, glaubt ihm Frodo nicht. Zu lange war er der Kraft des Rings ausgesetzt, zu lange hatte der intrigante, vom Ring besessene Gollum sein feines Gift versprüht und in Frodo den Verdacht genährt, dass Sam den Ring für sich will. So schickt Frodo Sam fort, und Sam macht sich mit gebrochenem Herzen auf den Heimweg.

Doch auf dem Rückweg entdeckt er an einem Felsvorsprung die Überreste ihrer Vorräte, und ihm wird klar, dass Gollum das Essen mit Absicht weggeworfen hat, um Frodos Misstrauen gegen ihn zu schüren. Sam zögert keine Minute, kehrt um und kann Frodo im letzten Moment vor der Riesenspinne Kankra retten.

Wenn ich mir Sams Geschichte ansehe, staune ich immer wieder über seinen Mut, seine Entschlusskraft und vor allem seine Demut, die ihn dazu gebracht hat, seinen verletzten Stolz zu überwinden und Frodo nachzugehen. Wie konnte er die Zurückweisung hintanstellen und sich wieder auf den beschwerlichen Weg den Berg hinauf machen, wo er doch wusste, dass Frodo ihm nicht glaubte?

Ich glaube, der erste und wichtigste Grund dafür war Sams Versprechen an Gandalf, auf Frodo achtzugeben. Es hatte sich unauslöschlich in Sams loyales Herz gebrannt und ließ ihm keine Ruhe. Dann wusste er auch sehr genau, dass sich sein Freund auf dem Weg zum Schicksalsberg in Lebensgefahr befand. Und schließlich war Sam klar, dass von Frodos Erfolg das Schicksal von ganz Mittelerde abhing.

Was aber wäre, wenn der Fall anders liegen würde? Wenn es dieses Versprechen nicht gegeben hätte, Frodos Leben nicht gefährdet und Frodos Erfolg keine Schicksalsfrage für Mittelerde gewesen wäre? Wäre Sam dennoch umgekehrt? Ich weiß es nicht, aber ich glaube, ich hätte es nicht getan. Ich hätte Frodo ziehen lassen und gehofft, dass er sich irgendwann eines Besseren besinnen würde.

Sam kehrt schließlich mit den anderen Hobbits in sein geliebtes Shire zurück, und die überstandenen Abenteuer verleihen ihm den nötigen Mut, um seiner angebeteten Rosie seine Liebe zu gestehen. Das dürfte ihn mindestens so viel Mut gekostet haben wie all die Momente, in denen er dem Tod ins Auge blickte. Dass er Erfolg hat, gönne ich ihm vom Herzen. Aber ich glaube, sein größter Lohn war der Moment, in dem er Frodo im Berg vor der Spinne retten konnte und ein Blick in Frodos Augen ihm klarmachte, dass er das Vertrauen seines Freundes wieder gewonnen hatte.

Ich tauche immer wieder gern in Tolkiens Welt der schillernden Figuren ein, und ich hoffe, dass ich in den nächsten Wochen wieder einmal Zeit für den epochalen Zehnstünder finde. Ich werde mit einer Schachtel Popcorn gespannt vor dem Bildschirm sitzen und all die schillernden Kämpfer und Streiter bewundern. Aber vor allem wird mein Herz wieder bei Sam sein, und ich werde mich mit ihm freuen, dass sein Mut und seine Treue am Ende mit der Sicherheit für Mittelerde und sein Shire, mit einer liebenden Frau und mit dem wiederhergestellten Vertrauen seines Freundes belohnt werden.

Bist Du auch bekennender LOTR-Freak? Und falls ja: wer ist DEIN Held in dieser Geschichte? Welche Stellen im Buch oder Film berühren Dich am meisten? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

Brasiliens SchandeDienstag Abend habe ich schweren Herzens darauf verzichtet, mir den Halbfinalkracher Brasilien-Deutschland anzusehen – ich bin zwar kein Fußballfanatiker, aber die WM hat mich doch etwas gepackt. Schließlich habe ich aus reiner Vernunft den Weg ins Bett angetreten. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, warf ich sofort einen Blick ins Internet. Und ich konnte kaum glauben, was da zu lesen war.

Brasilien – Deutschland 1:7.

Was für eine Niederlage und Enttäuschung für den Gastgeber Brasilien! Ich versuchte, mir vorzustellen, was in den Spielern und Fans wohl vorgegangen ist in diesem harten Minuten und Stunden. Dabei habe ich mich an ein anderes, ähnlich dramatisches WM-Spiel erinnert, das für Brasilien besser ausgegangen ist: der WM-Final 1994, in dem Brasilien zum vierten Mal Weltmeister wurde. Die tragischste Rolle in diesem Spiel gehörte dem Italiener Roberto Baggio.

1994 war Baggio auf dem Höhepunkt seiner Karriere. In der vorherigen Saison hatte er mit Juventus Turin den Uefa-Pokal geholt; 1993 war er als Weltfußballer des Jahres geehrt worden. Nun stand er mit Italiens Nationalmannschaft im Finale der Weltmeisterschaft gegen Brasilien. Nach hart umkämpften 90 Minuten und weiteren 60 Minuten Verlängerung musste das Spiel im Elfmeterschießen entschieden werden. Bereits hatten je zwei Spieler der beiden Mannschaften ihre Bälle versenkt, als Baggios Teamkollege Massao seinen Penalty verschoss. Da der nachfolgende brasilianische Spieler das Tor machte, lag das Schicksal der italienischen Elf in den Füssen von Roberto Baggio.

Baggio hatte an dieser WM schon viele Male getroffen. Doch dieses Mal verließen in die Nerven oder auch nur das Glück. Er verzog seinen Schuss, und der Ball ging weit über das Tor hinweg. Brasilien war Weltmeister, und Roberto Baggio wurde von einem Moment zum anderen der meistgehasste Mann Italiens.

Wer sich eine Karriere als Sportler aussucht, ist naturgemäß ein Mensch mit einem starken Siegesdrang; ein Mensch, der besser sein will und der seine Identität und sein Selbstvertrauen auch aus seinem Erfolg schöpft. Was muss in Baggio vorgegangen sein? Wie hat er diese Schmach überstanden?

Und wie tun es die brasilianischen Spieler heute? Zumindest einer von ihnen weiß, dass seine Identität nicht vom Siegen abhängt und dass er sein Leben vertrauensvoll in andere Hände legen darf. Die Facebook-Seite „Glaubensimpulse“ hat ein paar Zitate von Spielern abgedruckt, die von ihrem Glauben Zeugnis geben. Dabei hat sich David Luiz Moreira Marinho so geäußert:

„Mein ganzes Leben gehört Gott.
Er hat meinen Lebensweg bereits vorgezeichnet, er kennt den Sinn.
Und das reicht.“

Auch unter deutschen Fußballern gibt es einige, die aus dem Glauben Kraft schöpfen. Der bekannteste dürfte Claudemir Jerônimo Barreto (Cacau) sein, der von 2009 bis 2012 der deutschen Nationalmannschaft angehörte. Er hat sich noch etwas deutlicher ausdrückt:

„Kein Mensch kommt als Christ zur Welt.
Man muss sich entscheiden, ob man mit Gott leben will oder nicht.“

Ich selbst konnte lange Zeit gar nicht nachvollziehen, wie man aus seinen Erfolgen seine Identität ableitet. Ich war zwar immer eine erfolgreiche Schülerin, ohne viel dafür zu tun, aber ich habe daraus nie mein Selbstvertrauen bezogen; ich suchte die Bestätigung woanders. Beruflich  hatte ich null Ehrgeiz oder Ziele.

Seit ich meine Leidenschaft für das Schreiben und damit meine Berufung gefunden habe, spüre ich erstmals einen Druck, Erfolg zu haben, wünsche mir Anerkennung oder verspüre Angst davor, nicht anzukommen. Umso dankbarer bin ich für die Zuversicht, dass meine Identität nicht davon abhängt, ob meine Bücher und Texte gelesen werden, ankommen oder nicht ankommen. Sonst müsste ich anfangen zu überlegen, ob meine Themen und meine Art zu schreiben marktfähig sind oder ob ich nicht lieber auf eine gerade angesagte Schiene aufspringen sollte. So aber bin ich frei, genau das zu schreiben, was mir auf dem Herzen brennt.

Dass die gestrige Niederlage bei den Brasilianern Wunden hinterlassen wird, ist klar. Vor Schmerz und Enttäuschung sind auch gläubige Menschen nicht gefeit, wie die Tränen von Luiz im Interview so berührend klarmachen. Trotzdem bin ich mir sicher, dass bei ihm und den anderen, die auf diesen Felsen bauen, die Gewissheit tief verankert bleibt, dass man auch in einem Karrieretief bei Gott niemals seinen Wert verliert.

Und heute Abend halte ich es übrigens mit Holland und Wesley Sneijder, für den ich seit der EM 2008 ein wenig „fane“ und der bei „Glaubensimpulse“ auch mit einem Zitat verewigt ist:

„Mein Glaube gibt mir Kraft und nur Gott entscheidet, wo meine Zukunft liegt.“

Kennst Du das Dilemma „Identität aus Erfolg“? Hast Du Dir das Spiel angesehen und mitgelitten? Und für wen „fanst“ Du am Sonntag?

ecard009Momentan lesen wir in unserer Kleingruppe ein Buch, an dem wir uns die Zähne ausbeißen. Der Autor Lawrence Crabb hat unter anderem „Christsein ohne K(r)ampf“ geschrieben; ein Buch, das ich sehr schätze. Unsere aktuelle Lektüre „66 Liebesbriefe“ hat den Anspruch, uns näher an Gottes Liebe heranzuführen. Allerdings scheint dieses Ziel gerade meilenweit entfernt.

Bildquelle: http://www.life-is-more.at

Die bisherigen Kapitel hatten alle den Tenor: „Du wirst meine Liebe erst spüren, wenn Du am tiefsten Punkt angelangt bist“ und werfen uns in ein Wechselbad der Gefühle und offenen Fragen. Müssen wir erst am Boden liegen, um Gott wirklich zu erfahren? Nimmt Gott uns gezielt alles weg, damit wir ihn erkennen? Muss alle Musik in unserem Leben ersterben, damit wir sein Liebeslied hören können?

Diese Fragen katapultieren mich zurück in eine Wüsten-Phase meines Lebens. Ich hatte damals fast alles – Gesundheit, Freunde, einen gut bezahlten Job und ein schönes Zuhause. Aber meine Beziehung war zerbrochen, und mir wurde schmerzlich bewusst, wie sehr ich mich trotz meines Glaubens an Gott noch immer auf meinen Partner als Zentrum und Sinn meines Lebens ausgerichtet hatte. Die Trennung stoppte die Musik und schien nur Leere zurückzulassen.

Doch obwohl es eine einsame und herausfordernde Zeit war, ist mir bewusst geworden, dass ich mich gern daran erinnere. Die Nähe, die ich in dieser Zeit zu Gott hatte, ist immer noch einer der kostbarsten Schätze meins Lebens: Ich habe jeden Tag zu ihm gebetet und gesungen, mich nach ihm ausgestreckt. Er war der Grund, warum ich morgens aufstand und arbeiten ging. Er war da, wenn ich mich einsam fühlte.

Heute bin ich an einen völlig anderen Ort. Ich bin „sesshaft“ geworden, habe geheiratet, habe meine Berufung und eine tolle Gemeinde an meinem Wohnort gefunden. Ich will das nicht missen. Aber wenn ich an die Nähe zu Gott denke, wird mir klar, dass diese dunkle, wüstenartige Zeit etwas Besonderes war. In der Leere war ich endlich fähig, Gott zu hören und zu erleben.

Kommt Gott also nur nahe zu uns, wenn es uns richtig mies geht? Können wir seine Liebe in guten Zeiten niemals richtig erfahren? Ich glaube das nicht. Wir sind es, die sich in den guten Zeiten anders ausrichten, und ich glaube, darauf weist uns Gott immer wieder hin: sobald wir etwas anderes haben, das uns Freude bereitet, trägt und stärkt, beziehen wir unsere Kraft und Identität von dort, anstatt an die Quelle zu gehen – weil wir zutiefst stolz sind und uns nur auf eigene Errungenschaften verlassen wollen.

Ich bin sicher, dass Gott uns das Schöne und den Segen in unserem Leben nicht vermiesen will. Wir sollen uns daran freuen und es genießen. Aber er will, dass wir unsere Lebensenergie nicht von etwas anderem, sondern von ihm beziehen. Wenn Jesus allein der Eckstein unseres Lebens ist, können wir in der Beziehung zu ihm auch das volle Maß seiner Liebe erfahren – auch in den guten Zeiten. Es ist ein Kampf zwischen unserem stolzen Herzen, das sich auf niemand anderen stützen will, und dem Geist Gottes, der in uns lebt, und wir müssen ihn jeden Tag aufs Neue angehen. Aber es lohnt sich.

Ich bin für die erlebten Tiefen in meinem Leben dankbar, weil sie meine Beziehung zu Gott stärker gemacht haben. Die Erinnerung daran erhöht meine Sehnsucht nach dieser Nähe und hilft mir, mich immer wieder auf ihn auszurichten. In Dankbarkeit für all das Schöne, was er schenkt, und doch im Wissen, dass mein Leben nicht davon abhängt.

Wir singen in der Gemeinde ein Lied, in dem das Jesus-Eckstein Thema kraftvoll und berührend auf den Punkt gebracht wird. Heute höre ich mir dieses Lied an und spüre aufs Neue, dass Jesus mein realer Herr und Freund ist. Und ich weiß, dass er sich darüber freut.

Quelle: Youtube

Wie erlebst Du die „guten und schlechten Zeiten“ und Gottes Nähe darin? Fällt es Dir leicht, die Freuden des Lebens zu genießen? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!