Wer darf sich ungestraft als Christ outen? Ein paar Gedanken zu Daniel Boeckings „Bild“-Artikel

newspapers-444448_1280In unseren Breitengraden muss man nicht viel befürchten, wenn man sich zu Jesus bekennt – der Kopf bleibt in der Regel dran. Trotzdem kann der Schritt an die Öffentlichkeit je nachdem einigen Wirbel verursachen, wie der Fall von Daniel Boecking zeigt – seines Zeichens stellvertretender Chefredaktor der „Bild“-Zeitung.

Bildquelle: Pixabay

In seinem Artikel „Warum ich mich heute als Christ outen will!“ hat Boecking sich vor einigen Tagen zu seinem Glauben geäußert und dabei unter anderem geschrieben, dass die ISIS-Thematik ihn dazu bewogen hat, öffentlich zu seinem Christsein zu stehen.

Seine Aktion hat die verschiedensten Reaktionen provoziert – Freude, Respekt, aber auch eine Menge Kritik und Häme. Auf Twitter wurde Boecking gefragt, worin der Mut bestehen solle, sich in einem Land als Christ zu outen, in dem man weder mit Verfolgung noch mit sonstiger Ächtung rechnen müsse. Wieder andere schrieben spöttisch, da sei einer offenbar nach 15 Jahren bei der „Bild“ plötzlich Christ geworden, und einige waren der Meinung, dass Boecking seinen Mut besser darin beweisen würde, dass er seine Stelle kündige.

Ich kann diese Argumente verstehen. Aber ist diese Häme wirklich die richtige Art, auf den Artikel zu antworten? Sicher ist es ebenso übertrieben, Boecking gleich in den Olymp der hehren Glaubensstreiter zu befördern, aber es sollte auch noch etwas dazwischen geben.

Als ich den Link zu besagtem Artikel das erste Mal gesehen habe, habe ich ihn ignoriert, weil ich fand, das könne ja nichts sein, wenn es in der „Bild“ steht. Dann wurde der Artikel von einer Kollegin gelobt. Ich beschloss, mir selbst ein Bild zu machen, und fand Boeckings Worte sehr nahbar und authentisch. Und was den Mut betrifft: der Mann wird auch mit den negativen Reaktionen, die ihm jetzt entgegenschlagen, gerechnet haben. Unter diesem Aspekt war es eben doch mutig, in seiner Position einen so persönlichen Artikel zu veröffentlichen.

Finde ich es gut, dass ein bekennender Christ als stellvertretender Chefredaktor bei der „Bild“ arbeitet? Kann ich es nachvollziehen? Zweimal nein. Für mich passt es nicht zusammen. Trotzdem lese ich im Artikel von Boecking den aufrichtigen Wunsch, Menschen Gottes Liebe erfahrbar zu machen. Dass er dazu sein Blatt und dessen Reichweite nutzt, finde ich immer noch genial.

Und nur so nebenbei: sind wir wirklich alle so integer, wie wir gern sein wollen? Stimmt bei uns jede Handlung mit dem überein, woran wir glauben? Wir wollen das, und wir streben danach, aber es gelingt uns nicht immer. Ich zähle Integrität zu den höchsten Werten in meinem Leben, und ich hasse es, diesen Wert zu verletzen. Dennoch kommt es vor. Daher gehe ich lieber daran, meine eigenen Wertediskrepanzen aufzuspüren, als mich aufs hohe christliche Ross zu schwingen und mit dem ethischen Vorschlagshammer auf einen gutgemeinten, gut geschriebenen und berührenden Text einzuprügeln.

Vielleicht kündigt Boecking ja mal seine Stellung. Vielleicht ist dieser Artikel der erste Schritt in einem Lebensprozess. Vielleicht sieht er das auch alles ganz anders und lässt uns einmal an seiner Sicht teilhaben. Egal, was davon eintrifft, danke ich ihm hier und jetzt noch einmal für seine Worte. Mögen sie in den Herzen vieler Menschen etwas bewegen und andere Christen ermutigen, ebenfalls „unverschämt“ zu ihrem Glauben zu stehen und sich an das zu erinnern, was Boecking so ausgedrückt hat:

„Wieder und wieder werden wir in der Bibel aufgefordert, uns frei und ohne Angst zu Gott und Jesus zu bekennen. Und damit zu den Grundpfeilern der guten Nachricht: zu Liebe, Barmherzigkeit und Vergebung. Auch dieses offene Bekenntnis ist eine Tat und der beste Anfang.“
(Quelle: „Bild“ Online)

Hast du den Artikel gelesen, und was hältst Du davon? Findest Du Boeckings Aktion heuchlerisch, stark oder weder noch? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

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7 Comments

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  1. Danke für diesen Beitrag. Mir gehts so wie dir aber ein Weg besteht aus vielen Schritten.
    Eine Arbeit bei der BILD ist für einen Christen sicher nicht das Nonplusultra aber Gott tut ungewöhnliche Dinge und stellt uns manchmal auch an ungewöhnliche Plätze.

    Vielleicht war es jetzt mal dran, dass bei der BILD auch Zeichen gesetzt werden. Und manchmal dürfen wir Menschen auch Werkzeug Gottes sein.

    Auf jeden Fall finde ich den Beitrag von Boecking sehr mutig und sehr authentisch und ich finde ihn gut, auch wenn er an einem ungewöhnlichen Platz veröffentlicht wurde 🙂

    • Danke für Dein Feedback – so sehe ich es auch! Wie Du sagst, stellt Gott uns manchmal an Orte, die wir vielleicht nicht ausgesucht hätten 🙂 Ich fand und finde seinen Artikel wirklich gut!

  2. Gute Gedanken, Claudia! Ich stimme mit die überein und finde den Artikel auch gut. Ich hab ihn ebenfalls mit Interesse gelesen. Vielen Dank für deine Einschätzung dazu.
    Glg Lena

    • Vielen Dank Lena – ich finde es spannend, dass Gott uns Menschen immer und überall braucht und einsetzt, um von ihm zu erzählen und Menschen seine Liebe erfahrbar zu machen! GLG, Claudia

  3. Danke für diese Gedanken!
    In der Tat kam immer wieder die Frage auf, wie ich als Christ bei BILD arbeiten kann. Ich sehe zu, dass ich das bald mal ausführlicher aus meiner Sicht erläutern werde. Die Kurzvariante ist: Warum nicht?
    Ich freu mich auch sehr über direkten Kontakt. Schließlich war es durchaus auch Ziel des Artikels, dass ich die nächsten Schritte auf meinem Weg finde. Bin also dankbar für Rat und Gespräch!
    Grüße!

    • Herzlichen Dank für dieses Feedback und die Gedanken dazu! „Warum nicht“ ist natürlich schon mal eine Variante, wobei mir schon ein paar Gründe einfallen würden 🙂 Auf eine ausführlichere Antwort bin ich gespannt und kann gern auch mal direkt ein paar meiner Gedanken dazu aufschreiben – eine Art „private Posting“ sozusagen. Nochmals Gratulation zum Mut und zur Bereitschaft, den eigenen Weg immer mal wieder zu überdenken und andere mit hineinzunehmen. Ich weiss, dass ich nie ausgelernt habe und meinen Platz, meinen Weg und mein Ziel immer mal wieder hinterfrage – um danach mit doppelter Energie weiterzugehen. Herzliche Grüsse!

  4. Inzwischen ist einige Zeit vergangen und Daniel Böcking hat auf einem Kongress auch andere aufgefordert, sich als Christ zu outen. Ich finde das genial,gerade im Hinblick auf die bevorstehende Reformation. Manchmal habe ich das Gefühl, das viele Kirchen – Spitzturmkirchen (Landeskirchen) und freie Kirchen gleichermaßen schon viel zu viel mit dem (Mäin-)Strom mitschwimmen und bei einigen Themen keine klare Aussage mehr wagen.
    Das ist schon bei so einem „Nebenthema“ wie „Kann Gott die Welt in 6 Tagen erschaffen?“, wo sogar die Ausbildungsstätten von Glaubensströmungen, die sich ausdrücklich auf die Bibel berufen, sagen: „Awa, dann nehmen wir doch lieber die Evolution“. Bei anderen Themen ist es hier und da ähnlich.

    Zu diesem Thema hatte ich in einem Blogeintrag ein direktes Gebet an Gott gerichtet – nehme an, er liest mit ;-). Mir kommt es manchmal so vor, als hätte Gott geantwortet, allerdinsg zu ganz anderen Themen. Die Bitte war: Wenn bei Kirchens und in freien Werken Gottes Wort *teilweise* nicht mehr klar, deutlich und unzensiert verkündigt wird, dann möge Gott doch bitte Würstchenverkäufer, Kinobetreiber, Reinigungsdamen oder sonst jemanden, mit dem man nicht rechnet, beauftragen. Und zwar damit, seine Botschaft klar und unzensiert zu verkündigen.

    Kurze Zeit darauf setzte sich die BILD auf Titelseite und 1. Innenseite für Israel ein – ich hätte nicht damit gerechnet – und später outet sich der stellvertretende Scheffredaktör als Christ. Damit hätten andere wohl auch nicht gerechnet.

    Gottes Nachricht muss an allen Ecken und Enden verkündigt werden. Und wenn wir das nicht tun oder enige Kirchen oder Ausbildungsstätten Gott zensieren oder wir verkündigen, aber zu wenige sind – dann möge Gott sich alle möglichen und noch viel mehr alle unmöglichen Leute (=von denen wir das nie erwartet hätten) zur Verbreitung seiner Botschaft einstellen.

    Das hat Gott übrigens schon die ganze Bibel hindurch gemacht. Angefangen von den zwei verrückten Künstlern, die für die Mitgestaltung der Stiftshütte organisatorisch gar nicht vorgesehen waren (aber Gott wollte sie dabeihaben), über Mose (den die Israeliten überhaupt nicht als Anführer und Retter haben wollten), David (den hatte man bei der Wahl zum König vor lauter Unbedeutendheit ganz vergessen, über Petrus (laute Klappe, nix dahinter), Paulus (irregeleiteter Pharisäer) bis zu Gideon, auf den seine Brüder ärgerlich waren, weil der ihre Götzen zerstörte und sich einbildete, die 1 Mio Midianiter vertreiben zu sollen.

    Die ganze Bibel hindurch hat Gott immer wieder an den verrücktesten Orten die verrücktesten und aus Sicht der frommen Umwelt unbrauchbarsten Leute berufen, damit sie ihn – Gott – verkündigen.
    Und ich finde, das möge Gott auch weiterhin tun. Nicht nur bei der BILD. Es entspricht Gottes Souveränität und Kreativität. Er lässt sich weder von unseren Vorstellungen noch von der BILD noch von Nordkorea noch von christlichen Kirchen noch von Glaubenswerken, Unis, dem IS oder den Rechten oder Linken noch von sonst jemandem vorschreiben, wo er nicht wirken dürfte.
    Wenn in dem härtesten Asfalt und Granit Blumen und Obstbäume blühen sollen – warum nicht? 😉

    Wie Daniel Böcking oder sonst jemand im Herzen zu Jesus eingestellt ist, kann ich nicht beurteilen. Ob das echt ist oder der Bindung der christlichen Leserschaft dient, auch nicht.
    Aber ich finde es richtig kuhl, dass er uns Christen auffordert, zu unserem Glauben zu stehen.

    Wer meint, BILD und Christsein passe nicht zusammen – der mag Recht haben. Aber der möge dann bitte ebenso laut und klar und deutlich und öffentlich für den christlichen Glauben eintreten wie Daniel Böcking. – Und das machen viele von uns nicht. Manchen Christen ist es sogar ein Dorn im Auge, wenn andere Christen öffentlich auf Jesus hinweisen.

    Hier noch das frühere Gebet. Ich finde, die Wortmeldungen von Leuten wie Daniel Böcking wirken wie eine Antwort darauf:

    Amen! – Hiermit beantrage ich, dass an allen teologischen Ausbildungsstätten – egal ob kirchlich, freikirchlich, staatlich oder anderweitige – wieder die 6-plus-1-Tage-Schöpfung, wie sie in der Bibel steht, gelehrt und für voll genommen wird. Wer Gott zutraut, dass dieser die Erde in 6 Tagen hingekriegt und bei Inauftraggabe der Bibel nicht an Erinnerungslücken gelitten hat, darf deswegen nicht benachteiligt oder abqualifiziert werden. Schon gar nicht in Ausbildungsstätten und Institutionen, die sich von Haus aus mit Gott beschäftigen.

    Für den Fall, dass einige gotteskundliche Ausbildungstätten diesem Antrag, die 6-Tage-Schöpfung in Unterricht und Studium wieder für voll zu nehmen, nicht nachkommen, bitte ich, dass Gott selbst andere Menschen, Firmen und Einrichtungen damit beauftragt, die biblischen Berichte wahrheitsgetreu und unzensiert zu verbreiten.Und zwar solche Menschen und Einrichtungen, denen man die Weitergabe von Gottes Nachricht spontan vielleicht gar nicht zutrauen oder jedenfalls an die man bei solch einer heiligen, ehrwürdigen Aufgabe gar nicht zuallererst denken würde. Gott möge dafür Kino, Teater, Obdachlose, Arbeitssuchende, Zeitungen, Rundfunk, Blogger, Bäcker und Würstchenverkäufer oder auch ganz andere damit beauftragen, seine Nachricht weiterzugeben. Und zwar so, dass z. B. die 6-Tage-Schöpfung, die Wunder Jesu, Himmel und Hölle stehen gelassen und nicht gleich in einem Atemzug mit der Berichterstattung infragegestellt werden.Zum Teil geschieht das ja schon. Amen!

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