Eva Cassidy – Songbird sondergleichen!

Kürzlich jährte sich wieder mal mein Wiegenfest, und die Neugier trieb mich dazu, mich unter meinen Geburtstagsgenossen umzusehen. Neben einigen, die ich kenne, wie Blogkollege Roman Scamoni in Innsbruck oder meine treue Blogleserin Siwi bin ich auch auf ein paar berühmte und/oder berüchtigte Namen gestossen – Bruno Kreisky, ehemaliger österreichischer Bundeskanzler, Gotthold Ephraim Lessing, der Erschaffer des „Nathan der Weise“ oder – da wären wir dann bei den Berüchtigten – der Wanderprediger und Geistheiler Rasputin.

Von diesen Herren hat mich keiner zu einer Hommage animiert, aber die ganze Geburtstagsgeschichte hat mich auf die Idee gebracht, in diesem Jahr ein paar Persönlichkeiten zu beleuchten, die mich inspiriert haben und es noch tun. Ich fange an mit Eva Cassidy, die – würde sie noch leben –  an diesem Tag ihren 55. Geburtstag feiern würde.

Die amerikanische Sängerin hat eine ungewöhnliche Karriere gemacht. Von frühester Kindheit an hat sie gesungen und Gitarre gespielt und dabei viele Songs so einzigartig interpretiert, dass sie zu ihren eigenen wurden. Stings „Fields of Gold“ hat nach seinen eigenen Worten sogar Sting besser gefallen als das Original; „Somewhere over the Rainbow“ hat sie eine neue Melodie verliehen, und aus „Had I a golden Thread“ schuf sie einen kraftvollen, gospeligen Song, in dem sie ihren gewaltigen Stimmrange zur Geltung brachte.

Was war das Besondere an dieser Frau? Zum einen war sie scheu und introvertiert; sie liebte das Singen, war aber das Gegenteil einer „Rampensau“. Leise und unaufdringlich sagte sie sich selbst an, erzählte dem Publikum etwas über den nächsten Song und legte alle Kraft in die Lieder, die sie präsentierte. Zum anderen war sie kompromisslos, was ihre Kunst betraf: Sie war nicht bereit, sich auf ein Genre festzulegen, sondern wollte „Ihre“ Songs machen, die eine breite Spannweite von Jazz, Blues, Rock, Folk, Pop, Soul und Gospel umfassten. Das war einer der Gründe dafür, dass sie lange keinen Plattenvertrag bekam und mit ihrer Band schliesslich selbst eine Live-CD veröffentlichte.

Anfang Dreissig erkrankte sie an Krebs und starb 1996 kurz nach der Veröffentlichung dieses Albums im Alter von nur 33 Jahren. In jenem Herbst schickte eine befreundete Sängerin das Album an ihren Produzenten, der so begeistert war, dass er das Wagnis einging, eine CD mit Studioaufnahmen zu veröffentlichen, obwohl Eva bereits verstorben war. Die CD erschien 1998,  nahm aber nur langsam Fahrt auf, bis im Jahr 2000 ein britischer Produzent auf sie aufmerksam wurde und einen befreundeten Radiomann dazu brachte, zwei Stücke in seiner Morgensendung zu bringen. Die Reaktion der Zuhörer war überwältigend und Eva Cassidys Erfolg nicht mehr zu stoppen.

Wenn ich an ihr kurzes Leben denke, macht es mich traurig, dass sie die verdiente Anerkennung für ihr Talent nicht mehr hat erleben dürfen – ich hätte es ihr gegönnt. Aber ich freue mich auch darüber, dass ihr Talent sich gegen alle Widerstände durchgesetzt hat und heute noch Menschen erfreut und berührt. Und irgendwie glaube ich, dass sie sich aus öffentlichem Ruhm ohnehin nicht viel gemacht hat. Sie hat für sich gesungen und für die Menschen, und angesichts der Songs, die sie gecovert hat, kann ich mir gut vorstellen, dass auch der Glaube für sie eine Rolle gespielt hat. Es ist für mich nicht entscheidend; Eva ist so oder so eine Inspiration. Aber wenn ich mir die alte Hymne „How can I keep from singing“ aus ihrem Mund anhöre, scheint es unmöglich, dass sie diese Worte nicht geglaubt hat.

Rest in peace, Eva. Du bist mir ein Vorbild darin, genau das zu tun, was „Deins“ ist. Ich fühle mich Dir verbunden in der introvertierten Art, in dem gewissen Unwohlsein, das Du in der Öffentlichkeit an Dir hattest. Dennoch hast Du Dich hingestellt und den Menschen Deine Lieder geschenkt, und die Intensität und Echtheit, die in Deinen Liedern strahlt, kommt noch mehr zu Geltung, weil kein Gramm Show darin steckt – nur Herz, Talent und die Essenz Deiner Persönlichkeit. Mögen Deine Lieder ewig währen!

Habt Ihr selbst einen „Geburtstagsgenossen“, der Euch inspiriert? Oder ist Euch gerade jemand anderes eingefallen, dem Ihr ein Kränzlein winden möchtet? Ich freue mich auf Euren Kommentar!

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