KarsamstagIch neige zu einem rotierenden Gehirn und finde es oft schwierig abzuschalten. Als ich kürzlich wieder mal versucht habe, auf andere Gedanken zu kommen, ist mir ein kleines Büchlein mit guten Tipps in die Hände gefallen. Das Besondere an dieser Sammlung von Weisheitsperlen ist, dass ich sie auf filmischen Umwegen kennengelernt habe und Euch somit meine erste Popcorn-Serien-Perle vorstellen kann.

Als ich 2009 vier Wochen in der Künstlerkommunität auf Schloss Röhrsdorf verbrachte, machte mich eine der guten Seelen im Haus mit der britischen Fernsehserie „Black Books“ bekannt, die mich mit ihrem ultraschwarzen Humor und dem Schauplatz Buchladen sofort begeistert hat. Sie handelt von Bernard Black, einem menschenhassen, kettenrauchenden und sich mit Vorliebe abends in seinem Laden betrinkenden Buchhändler, der seine Kunden schon mal mit Megafon und Besen aus dem Geschäft jagt, wenn er genug von ihnen hat und der seine Bücher so heiß liebt, dass er am liebsten gar keines verkaufen würde.

Little bookEiner seiner Kunden in der ersten Folge ist Manny Bianco. Manny ist Buchhalter und hasst seinen Job, weswegen er regelmäßig Stressanfälle kriegt. Gegen die hat er aber ein bewährtes Mittel, und genau deshalb stürmt er in Bernards Laden und fragt hektisch nach einer Ausgabe des „Little Book of Calm“, des „Kleinen Buchs der Ruhe“. Als Bernard es endlich aufgetrieben hat, reißt Manny es ihm aus den Händen, blättert wild nach einem passenden Spruch, liest ihn und wird wie durch ein Wunder ruhig und relaxt.

 

All das sieht man in den ersten drei Minuten der Folge. Wer sich die ganze Folge ansehen will, sei gewarnt – sie enthält auch ein paar schwarzhumorige Anspielungen auf das Christentum (die ersten drei Minuten sind in dieser Hinsicht ungefährlich):

Natürlich musste ich das Büchlein sofort haben und darf sagen, dass Autor Paul Wilson in das winzige Ding eine Menge guter Ideen gepackt hat. Für die paar freien Ostertage habe ich mir einige herausgepickt.

Dance till you drop – Tanze bis zum Umfallen

Einfach und wirkungsvoll. Meine Lieblingsmusik für diese Übung ist ein irischer Reel auf Maximallautstärke. Es ist unmöglich, ungehemmt zu tanzen und sich dabei Sorgen zu machen.

Put your feet up – Leg die Füße hoch

Eine leichte Übung, deren Wirkung ich auch bestätigen kann. Egal ob vorm Fernseher oder auf der Veranda – wenn ich die Füße hochlagere, kriecht ein wohliges Gefühl der Ruhe in mir hoch. Allerdings führt es im Regelfall dazu, dass ich innerhalb von 15 Minuten einschlafe.

FliederSmell the blooms – Riech an den Blüten

Ich genieße Blumendüfte vor allem beim Spazierengehen und im Garten, und mein Favorit ist Flieder. Er enthält zwar nicht so viel beruhigendes Serotonin wie Lavendel und Kamille, aber sein Duft hebt zuverlässig meine Stimmung.

 

Rest in a tub – Entspanne in der Wanne

Auch ein tolles Entspannungsmittel, das mir ein bisschen schwerer fällt – nicht, weil ich es nicht mag, sondern weil ich mir oft die Zeit nicht nehme. Dabei gibt es nicht Schöneres, als bei Kerzenschein in warmem Wasser zu liegen, ein Buch zu lesen oder einfach nur auszuruhen.

Neben diesen praktischen Mittelchen hat der Autor natürlich auch ein paar andere auf Lager, die einem etwas schwerer fallen können.

Worry when the time comes – Sorge Dich, wenn es soweit ist

Es fällt mir nicht so schwer, mir keine Sorgen um Dinge zu machen, die wahrscheinlich nie eintreffen werden, aber oft halten mich Gedanken wach, wie bestimmte Dinge wohl herauskommen, ob alles klappt, wie es sollte, und was wenn nicht. Ich muss mir immer wieder sagen, dass ich diese Sorgen abgeben muss, weil ich nur das mir Mögliche tun kann, oder: „Give your best, God does the rest.“

Forgive on the spot – Vergib auf der Stelle

Ich habe im Lauf der Jahre ein paar größere Happen vergeben, aber sofort vergeben ist eine Herausforderung, weil sie einem wie eine Kapitulation vorkommen kann. Doch was Wilson schreibt, ist nur zu wahr – schlechte Gefühle gegen jemanden zu tragen schadet dem Träger mehr als dem Empfänger. Ich habe gemerkt, dass schon der Wille, sofort loszulassen, dazu führt, dass die innere Last leichter wird und ich freier werde.

Seek the best in everything – Such in allen/m das Beste

Danach zu leben heißt nicht, naiv oder unvorsichtig zu sein oder den gesunden Menschenverstand auszuschalten. Für mich heißt es, dass ich der Welt und den Menschen erst einmal mit Wohlwollen begegne und glauben will, dass ich auch Wohlwollen ernte. Es wird mit jedem Lebensjahr schwerer, weil wir alle mal erleben, dass uns übel mitgespielt wird. Aber ich will dabei bleiben, die Menschen und die Welt so zu sehen. Lieber kriege ich eins mehr auf die Nase, als dass ich mich der „Der Mensch ist des Menschen Wolf“-Fraktion anschließe. „L’enfer c’est l’autre“ (Die Hölle ist der andere) gilt für mich nur beim Frühstück.

Say your prayers – Sprich Deine Gebete

Das darf natürlich nicht fehlen. Wenn mir einige der Mittel noch schwerfallen, kann ich auf das Gebet zurückgreifen. Denn auch wenn es ähnlich wirken kann, ist mein Gebet keine Meditationsübung – es ist ein Gespräch und ein Hilferuf mit einem realen Empfänger. Genau darum beruhigt und tröstet es mich.

Der Tag dazwischen

An diesem „Samstag der Grabesruhe“ erinnern mich viele der Tipps von Paul Wilson daran, dass der richtige Umgang mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft viel dazu beiträgt, wie erfüllt und zielgerichtet ich leben kann. In diesem Sinne wünsche ich Dir und mir im Hinblick auf Ostern, das Fest der Erneuerung und Auferstehung:

  • Dass wir erkennen und akzeptieren können, wann wir Abschied nehmen müssen. 
  • Dass wir uns daran freuen können, dass jeder Abschied Platz für Neues macht.
  • Dass wir darauf vertrauen dürfen, dass Gott weiß, was in unserem Leben sterben, was neu hineinkommen und was eine Auferstehung erleben soll. 

In diesem Sinn von Herzen frohe Ostern!

Leuchtender Baum 3 links

Popcorn-PerlenMan stelle sich heute einen Film vor, in dem die Abräumer der aktuellen Musikszene zusammen mit den bekanntesten Schauspielern der Generation gemeinsam vor der Kamera stehen. Wie würde das wohl aussehen – Rihanna und Adele mit Matthew McConaughey und Scarlett Johannson?

 

Wahrscheinlich habe ich mich gerade als nicht „up to date“ geoutet, aber egal, wer heute zu den Stars gehört: ich glaube nicht, dass sie einen so zauberhaften, witzigen und musikalisch genialen Film zustande bringen würden, wie es Frank Sinatra, Bing Crosby, Grace Kelly und Louis Armstrong mit „High Society“ (Die oberen Zehntausend) gelungen ist.

Ich habe den Film zum ersten Mal vor etwa zwanzig Jahren gesehen. Damals lief er zufällig an einem Sonntagnachmittag auf ZDF, ich habe reingeschaltet und bin hängen geblieben. Irgendwann habe ich ihn mir auf DVD gekauft und inzwischen sicher zwanzigmal gesehen. Er hat eine zeitlose Magie und schafft es immer, mir ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern.

Der Film ist 1956 entstanden und war Grace Kellys letzte Arbeit vor ihrer Heirat mit Fürst Rainier von Monaco. Sie spielt darin Tracy Samantha Lord, eine junge Frau aus gutem Haus, die vor ihrer zweiten Hochzeit steht. Bing Crosby (bekannt unter anderem für seine „White Christmas“-Version) spielt ihren Ex-Mann Dexter Haven, einen ebenfalls aus sehr gutem Haus stammenden Jazzmusiker. Die beiden sind nebeneinander aufgewachsen und haben sich jung verheiratet, aber wieder getrennt, weil Tracy sich gewünscht hätte, dass Dexter eine konventionellere Laufbahn einschlägt – Jazz war damals gerade erst im Kommen und galt noch nicht als sehr respektables Musikgenre. Kurz vor Tracys Hochzeit mit George, der in der Firma ihres Vaters Karriere macht, kommt Dexter wegen des Jazz Festivals von Newport nach Hause – allerdings auch mit dem heimlichen Wunsch, Tracy wieder für sich zu gewinnen.

Zusätzlich kompliziert wird die Lage, weil eine Boulevardzeitung eine unappetitliche Geschichte über Tracys Vater als Druckmittel benutzt, um vor Ort über die Hochzeit zu berichten. Reporter Mike Connors, gespielt von Frank Sinatra, und Fotografin Liz Imbrie tauchen auf dem Herrensitz der Lords auf und sorgen für Spannung, da Mike ebenfalls von Tracy fasziniert ist, während Liz schon lange heimlich in Mike verliebt ist.

Die Ereignisse überschlagen sich an der Junggesellenparty für Tracy, an der sie, beschwingt von etwas viel Champagner, erst einen heißen Kuss mit Dexter teilt und danach ein mitternächtliches Bad im Pool mit Mike Connors nimmt. Als Mike sie nach Hause bringt, werden die beiden von Dexter und George ertappt. So dämmert der Hochzeitstag heran, ohne das klar ist, ob es überhaupt eine Hochzeit geben wird.

Es gibt dann doch eine: Wie wir es uns heimlich gewünscht haben, heiraten Tracy und Dexter ein zweites Mal, der düpierte George macht sich von dannen und Mike entdeckt seine Liebe für Liz.

Was diesen Film so wunderbar macht, ist neben einer spannenden Story, tollen Schauspielern und einer schönen Szenerie die überragende Musik. Als bekanntestes Stück gilt das wundervolle Liebesduett „True Love“, das schon verschiedentlich nachgesungen wurde, ohne dass jemand an das wunderbare Original herangekommen wäre:

Quelle: Youtube

Ein besonderer Leckerbissen ist auch „Now you has Jazz“, in dem Bing Crosby uns Schritt für Schritt am „lebenden Objekt“ erklärt, wie Jazz entsteht, und in dem der legendäre Louis Armstrong einen brillanten Einsatz hat:

Quelle: Youtube

Mein „all time favourite“ Song dieses Films ist das Duett von Frank Sinatra und Bing Crosby in der Bibliothekbar. Falls Ihr sonst gerade keine Zeit habt, Euch einen Clip anzusehen, lege ich Euch den wärmstens ans Herz: ich garantiere Euch, dass Ihr ein Lächeln auf den Lippen und eine Leichtigkeit im Kopf spürt, als hättet Ihr selber gerade ein Gläschen „bubbling champagne“ genossen.

 

Wer nach all meinen Infos noch einen kleinen Snack nehmen will – hier der offizielle Trailer zum Film.

 

Welche Filme könnten Ihr zwanzigmal sehen? Und schaut Ihr Euch überhaupt so alte Schinken an? Ich freue mich auf Euren Kommentar!

Popcorn-PerlenAn den letzten beiden Wochenenden habe ich mir die „Herr der Ringe“-Filme und den ersten Teil der „Hobbit“-Trilogie angesehen, ohne zu realisieren, dass genau heute der zweite „Hobbit“-Teil startet. Jetzt bin ich voll im Tolkien-Groove und widme deshalb dieses Popcorn-Post dem ersten Teil der Trilogie – und den Hobbits. Dieses Volk fasziniert mich, weil ich selbst ein halber Hobbit bin.

Schon optisch gibt es zwischen mir und den Hobbits gewissen Parallelen: wir sind a) klein und kriegen b) unsere Frisur selten richtig auf die Reihe, was c) auch an den etwas markanten Ohren liegen könnte (Anschauungsfotos werden nicht geliefert; es möge jeder seine Fantasie benutzen). Hingegen sind meine Füße mit Schuhgröße 35/36 definitiv NICHT groß und eindeutig NICHT behaart.

Neben dem Aussehen teile ich mit den Hobbits auch die Liebe zum trauten Heim. Bei mir läuft immer viel, und das ist ok, aber nur Zuhause kann ich wirklich auftanken, mich ausstrecken und die Seele baumeln lassen. Und das Hobbit-Zuhause, das „Auenland“, hat es mir natürlich auch angetan: die grünen, sanften Hügel und das währschafte Völklein, das gern im Pub sitzt und zur Fiddle tanzt – es fällt nicht schwer, den Ursprung von Tolkiens Inspiration für die Hobbits zu erraten. Wenn ich mir das Auenland vorstelle oder mir einen der Filme ansehe, bin ich wieder in meiner Herzensheimat Irland, über die ich auch schon geschrieben habe.

Vor allem bewundere und liebe ich die Hobbits für ihren Charakter, von dem ich mir gern eine Scheibe abschneiden würde. Sie sind demütig und bescheiden und werden oft unterschätzt, zeichnen sich aber durch Hingabe, Loyalität und einen ungeheuren Mut aus. Und sie geben niemals auf.

Bilbo, der Held des „Hobbit“-Films, war in „Herr der Ringe“ nicht mein Lieblings-Hobbit. Doch im ersten Teil der Trilogie lernen wir den jungen Bilbo kennen und müssen ihn einfach lieben.

Erst ist er ein typischer Vertreter seines Volks, sitzt am liebsten zu Hause am warmen Herd und liebt sein bequemes, sicheres Leben. Darum lehnt er Gandalfs Angebot ab, der ihm ein Abenteuer vorschlägt. Damit ist die Sache aber nicht ausgestanden: Bilbo traut seinen Augen nicht, als unverhofft eine Horde Zwerge auftaucht und sich in seinem Haus breit macht. Er kann nur entsetzt zusehen, wie sie seine Vorräte verschlingen, sein Geschirr in der Luft herumwerfen und lautstark feiern. Als ihm der Anführer Thorin vorschlägt, die Zwerge im Kampf um ihre alte Heimat Erebor zu unterstützen, reizt ihn das schon – aber es fällt ihm zu schwer, das sichere Heim zu verlassen, und so sagt er ab. Am nächsten Tag wacht er auf und stellt erleichtert fest, dass seine Gäste abgereist sind. Endlich allein, endlich Frieden – sein Haus gehört wieder ihm! Doch er findet keine Ruhe, tigert im Haus herum – und rennt schließlich mit gepacktem Bündel aus der Tür und in wildem Tempo über die sanften Hügel, um die Truppe einzuholen. Er hat seine Angst überwunden und sich für das Abenteuer entschieden.

Doch damit fangen seine Herausforderungen erst an. Die Zwerge – allen voran Thorin – haben nicht sonderlich viel Vertrauen in den Hobbit: er ist kein erfahrener Krieger, ist klein und unscheinbar. Und auch Bilbo selbst ist mehrmals versucht, aufzugeben und nach Hause zu fliehen. Den größten Konflikt erlebt er, nachdem er von den Gefährten getrennt wird: mit Hilfe des Rings kann er aus dem Berg und vor Gollum fliehen und holt die Truppe ein. Doch bevor er seine Gefährten erreicht hat, hört er Thorin sagen, dass er ihm nie getraut hat und wusste, dass er nicht zurückkommen wird.

Unsichtbar für ihre Augen steht Bilbo hinter einem Baum und fragt sich, was er tun soll. Warum nicht einfach umkehren und nach Hause gehen? Aber er  entscheidet sich anders, tritt hervor und schliesst sich seinen Kameraden wieder an. Kurz darauf hat er Gelegenheit, allen zu zeigen, wie es um sein Herz bestellt ist: als Thorin vom fahlen Ork Azor bedroht wird, stellt er sich der Bestie mutig in den Weg und rettet Thorins Leben.

Aus Bilbos Verhalten sprechen Demut und eine innere Kraft, die aus seinen tiefen Wurzeln genährt wird. Seine Heimat versorgt ihn auch in der Ferne mit Mut und Durchhaltewillen, und sie inspiriert ihn letztlich, den Zwergen beizustehen: er erkennt, wie kostbar es ist, eine Heimat zu haben, und will das seine beitragen, damit auch die Zwerge ihr Zuhause zurückbekommen.

Mein Zuhause ist die Gewissheit, bei Gott angekommen und angenommen zu sein. An diesen Ort kann ich jederzeit zurückkehren, und dort spielt es keine Rolle, ob ich mit meinen Plänen Erfolg habe und ob ich alle meine Ziele erreiche. Und genau das gibt mir die Kraft, neue Wege zu wählen und Risiken einzugehen.

Und so bald wie möglich führt mich meine Reise ins Kino und zu Bilbos zweitem Abschnitt auf seinem Abenteuer.

Wie stehst Du zu „Herr der Ringe“ – bist Du auch ein Fan? Und: hast Du einen Lieblingshobbit, oder eine andere Lieblings-Figur? Ich freue mich auf Dein Feedback!

Popcorn-PerlenDie Joneses lassen sich in einem wohlhabenden amerikanischen Viertel nieder und werden innert Kürze zu Trendsettern. Alle Damen eifern dem Stil von Gattin Kate nach, die Männer sind beeindruckt von Steves technischem Klimbim, und die Teenager Mick und Jenn dominieren die Highschool mit ihren Outfits und Gadgets. Was niemand weiss: in Wahrheit sind alle Joneses Schauspieler, die von einer Marketingfirma angestellt wurden, um den Umsatz von Produkten anzukurbeln.

Nachdem er seinem Team erst hinterherhinkt, gewinnt Steve rasch Einfluss auf seine Nachbarn, indem er ihre Ängste und Zweifel nutzt, um sie zum Konsumieren anzuregen. Geschickt bringt er seinen direkten Nachbarn Larry dazu, immer exklusivere Produkte zu kaufen, um sich die Liebe seiner notorisch unzufriedenen Frau und die Anerkennung der Nachbarn zu sichern. Was Steve nicht weiss: Larry hat kein Geld für diese Eskapaden und schlittert immer tiefer in die Schuldenfalle. Doch es muss noch mehr passieren, bis Steve einsieht, wie sinnlos und zerstörerisch sein vermeintlicher Traumjob ist.

Quelle: Youtube

Im englischen Sprachgebrauch steht „Keeping up with the Joneses“ für unsere Bemühungen, mit Nachbarn, Freunden und Arbeitskollegen mitzuhalten und bestimmte Standards zu erfüllen, und damit für die vergiftende Haltung des Vergleichens, die ich im letzten Post kurz angeschnitten habe.

Ein gutes Beispiel für diese Haltung findet sich in der Geschichte des Weinbergbesitzers in der Bibel: Er stellt Arbeiter für seinen Weinberg ein und vereinbart mit ihnen einen Tageslohn von einem Denar, den sie bereitwillig akzeptieren. Den Tag über stellt er weitere Arbeiter ein, die letzten eine Stunde vor Feierabend.

Nach getaner Arbeit übergibt der Besitzer den zuletzt dazugekommenen Arbeitern einen Denar für ihre Mühen. Daraufhin nehmen alle anderen an, dass sie mehr bekommen werden. Als er auch ihnen nur den vereinbarten Denar gibt, protestieren sie heftig gegen diese vermeintliche Ungerechtigkeit – der Lohn, der bei der Vereinbarung am Morgen noch ein guter und gerechter Lohn war, ist urplötzlich mies geworden.

Genauso funktioniert  das Prinzip des Vergleichens, und in dieser Haltung ist jeder Versuch, Zufriedenheit zu erlangen, zum Scheitern verurteilt – weil unser Massstab davon abhängt, was andere haben. Und das betrifft nicht nur materiellen Besitz, sondern auch unsere Gaben und Fähigkeiten.

Ich bin mir bewusst, dass haufenweise Menschen besser singen, schreiben und performen als ich. Wenn mich das deprimiert und entmutigt, werde ich nie zu schätzen wissen, worin meine einzigartige Gabenkombination besteht. Und wenn grosses Talent und Exzellenz in mir nur Neid oder Frust auslösen, werde ich solche Begegnungen vermeiden und dadurch Anstösse und Ideen verpassen, die mich auf meinem Weg motivieren und inspirieren könnten.

Doch oft haben wir unser Problem nicht mit den grossen Stars, sondern mit denen, die in unserer Liga spielen – ich mache da keine Ausnahme. Und Grund dafür ist oft Unsicherheit. Das hört sich für Menschen mit einem gesunden und lange gewachsenen Selbstvertrauen wahrscheinlich neurotisch an, aber meine Zweifel an meinen Fähigkeiten führen manchmal dazu, dass mich Lob für andere verunsichert und ich meine Person, meine Leistung oder meine eigenen Gaben hinterfrage. Das hindert mich daran, das zu tun, wozu ich berufen bin, weil ich es mit dem vergleiche, was andere leisten und wofür sie Anerkennung erhalten.

Ich frage mich, woher diese Haltung kommt. Glauben wir, dass uns mehr zusteht als allen anderen, und sind daher unzufrieden mit dem, was wir haben? Oder glauben wir tief in unserem Innersten, dass wir weniger wert sind als andere und uns unseren Wert darum erarbeiten oder beweisen oder ihn vor anderen sichtbar demonstrieren müssen? Hängen die beiden vielleicht sogar zusammen?

Ich glaube, Gott schmerzt es, wenn wir uns selbst im Weg stehen, und ich höre Ihn Fragen wie diese stellen:

„Wie stellst Du Dir meine Grosszügigkeit vor –
darf ich nur Dich beschenken, und andere nicht?“

„Warum glaubst Du nicht, dass das, was ich Dir gegeben habe, genau richtig ist – egal, was und wie viel andere haben?“

Ich will noch freier werden, damit ich die Gaben anderer schätzen und durch sie inspiriert werden kann und damit ich dem, was Gott mit meinen Gaben in meinem Leben und dem von anderen Menschen tun will, nicht im Weg stehe. Ich will aufhören, mich zu vergleichen, und ich will Gott vertrauen und Ihn grosszügig sein lassen – nicht nur mit mir, sondern auch mit anderen.

Ich glaube, dass es nur eine Befreiung aus dem Gefängnis des Vergleichens gibt: Ich muss mit jeder Faser meines Seins verinnerlicht haben, dass ich wunderbar und einzigartig geschaffen wurde, bedingungslos geliebt bin und mir meinen Wert nicht verdienen muss. Und egal, welchen Ursprung die Haltung des Vergleichens hat– mein Fundament für dieses Bewusstsein der Annahme und Wertschätzung ist Gott.

What about you? Ist Dein Vertrauen in Deine  Fähigkeiten unerschütterlich? Oder kennst Du diese „warum muss der jetzt so gut ….“-Gefühle? Was sind Deine persönlichen Rezepte, um damit umgehen zu können? Ich freue mich auf Dein Feedback!

Popcorn-PerlenAls die USA sich entschliessen, in den Zweiten Weltkrieg einzugreifen, hat Amerika ein Problem – neben dem Offensichtlichen, dass tausende von jungen Männern im fernen Europa ihr Leben riskieren werden. Die grosse Frage ist, ob Baseball den Krieg überstehen wird.

„Eine Klasse für sich“ erzählt die Geschichte der „All-American Girls Professional Baseball League“. Sie beginnt, als sich Mitte der 1940er Jahre fast alle Spieler der grossen Baseballclubs für den Krieg in Europa melden. Um das Publikum bei der Stange und den Sport im Gespräch zu halten, wird eine Frauenprofiliga ins Leben gerufen. Der Talentsucher Ernie Capadino durchquert die USA auf der Suche nach talentierten jungen Spielerinnen für die geplanten Mannschaften.

(Quelle: Youtube)

Dabei trifft er auf die Schwestern Dottie und Kit Hinson. Ernie will die wunderschöne, talentierte Dottie für sein Team gewinnen, doch Dotties Mann ist an der Front, und sie hat wenig Lust, Profispielerin zu werden. Ihre jüngere Schwester Kit, die das Leben auf dem Land und im Schatten ihrer grossen Schwester satt hat, überredet den Talentsucher, ihr eine Chance zu geben, wenn sie Dottie überreden kann. Das gelingt ihr, und die Schwestern machen sich auf den Weg zu den Ausscheidungsspielen.

Unterwegs sieht sich Ernie eine weitere Spielerin an. Marla hat einen Hammerschlag und spielt exzellent – aber sie ist ein wenig anziehendes, unbeholfenes Mädchen. Ernie will sie nicht an die Ausscheidung mitnehmen, aber Dottie und Kit weigern sich mitzukommen, wenn Marla zurückgelassen wird. Das Manöver ist erfolgreich, und die drei reisen gemeinsam weiter nach Chicago.

An den Ausscheidungsspielen treffen sie auf viele andere Mädchen wie die burschikose Wirtstochter Doris und die lebenslustige Stripperin Mae. Sie werden alle für die Mannschaft der „Rockford Peaches“ ausgewählt und bekommen als Trainer den ehemaligen Profispieler Jimmy Dugan, der sich bei einem betrunkenen Sturz aus dem Fenster verletzt und so seine Karriere ruiniert hat.

Der Start ist wenig vielversprechend. Jimmy betrinkt sich vorwiegend und hat überhaupt kein Interesse daran, den Mädchen etwas beizubringen. Die sind erst einmal ratlos, wissen sich dann aber zu helfen. Unter der Regie von Dottie schaffen sie es, zu einer starken Mannschaft zu werden, die irgendwann auch Jimmys Interesse und seinen Ehrgeiz weckt.

Im Verlauf des Films finden einige der Mädchen die Liebe ihres Lebens, andere entdecken im Baseball ihre Berufung – alle aber machen einen grossen Schritt auf dem Weg zu sich selbst. Und auch Jimmy realisiert, dass sein Leben noch nicht vorbei ist. Er gibt den Alkohol auf und wird zu einem motivierenden Trainer, der am Ende sogar ein Angebot in der Männerliga ablehnt, um die „Peaches“ weiter zu trainieren.

Der Film ist mit Tom Hanks, Geena Davis, Madonna und vielen anderen exzellent besetzt und berührt durch die emotionalen Geschichten. Vor allem ermutigt er uns, zu träumen und demonstriert, dass es immer möglich ist, sich zu verändern. Und im Unterschied zum „Murmeltierfilm“ braucht diese Geschichte keine übernatürliche Begebenheit, um uns zu ermutigen. Der Film macht deutlich, dass Menschen, die an sich glauben und bereit sind, sich zu verändern, über sich hinauswachsen können.

Der Film demonstriert aber auch, dass uns das Leben in der Gemeinschaft zur Veränderung geradezu herausfordert. Es ist weit einfacher, ganz allein ein „guter Mensch“ zu sein, als in der Ehe, in der Familie, im Büro, im Verein oder im Team.
Wie ich schon in einem vorigen Post festgehalten habe, kommen in all unseren Beziehungen irgendwann unsere Schwächen zum Vorschein. Und dort, wo wir uns einer Veränderung verweigern, werden wir immer wieder in den gleichen Sackgassen landen.

If you’re going to keep doing the same old thing,
don’t be angry at God for not doing something new for you.

Wenn Du ständig das gleiche alte Zeug machst,
kannst Du Gott nicht böse sein, wenn er nicht Neues für Dich tut.
 Max Lucado

Wenn ich will, dass sich etwas ändert, sollte ich dort ansetzen, wo ich die Möglichkeit habe – bei mir. Das heisst nicht, dass ich mich verbiegen soll, damit andere mit mir zufrieden sind. Es heisst, dass ich mich ehrlich frage, was mein Anteil an der aktuellen Misere ist. Auch Rückzug ist nicht immer die Lösung, denn wir brauchen andere Menschen unter anderem gerade, weil sie uns einen Spiegel vorhalten. Weil sie nicht zulassen, dass wir uns auf unserem weichen Bett der Selbstzufriedenheit ausruhen. Weil sie in uns genau die Dinge hervorbringen, die wir anschauen und ändern sollen.

Ich ärgere mich oft über andere Menschen – und mindestens so oft über mich selbst. Aber ich will mich dem nicht entziehen. Ich will mir zeigen lassen, wo ich verformt, verdreht, verletzt oder verbohrt bin und an mir arbeiten soll. Ich will der Mensch werden, den Gott gemeint hat, als er mich machte, und nicht dieses verzerrte Etwas bleiben, das im Laufe der Jahre, aufgrund von ein paar harten Schlägen und Überlebensstrategien, aus mir geworden ist. Ich will riskieren, verletzt zu werden. Lieber das, als mir einen harten Panzer zuzulegen, den schliesslich niemand mehr durchdringen kann – oder will.

Ich möchte aber auch in anderen den Mut zur Veränderung anfachen, und der Schlüssel dazu ist Annahme und Ehrlichkeit. Wenn ein Mensch nicht spürt, dass ich ihn akzeptiere, wie er ist, wird er es nicht wagen, sich verletzlich zu machen und seine Verteidigungsstrategie aufzugeben. Und nur, wenn ich jemanden annehme, wie er hier und heute ist – wie Gott das tut – habe ich das Recht, ihn mit seinen Schwächen zu konfrontieren.

Dottie trifft am Ende des Films ihre ehemaligen Teamkolleginnen und ihre Schwester Kit an der Einweihung der Frauenliga-Abteilung in der „Baseball Hall of Fame“, und ihr wird bewusst, was für ein Schatz die gemeinsam erlebten Siege, Kämpfe und Niederlagen sind.

Ich habe noch kein allgemein gültiges Rezept gefunden, aber ich möchte Gemeinschaft auch mit ihren Kämpfen als Schatz sehen und in jeder schwierigen Situation die Chance für Veränderung, Klärung und Weiterentwicklung erkennen. Dabei kann Klärung auch mal bedeuten, dass ich einen Schlussstrich ziehe, wenn die Situation für mich unerträglich und offenbar nicht zu ändern ist. Aber davor will ich den Mut haben, alle Möglichkeiten auszureizen, an mir zu arbeiten und andere mit der nötigen Liebe auf die Schwächen hinzuweisen, mit denen sie sich selbst schaden und damit Gefahr laufen, genau das zu verlieren, was ihnen wichtig ist.

Fällt es Dir leicht, Dir Deine Schwächen einzugestehen? Oder findest Du, Veränderung wird überbewertet 🙂 ? Ich freue mich auf Dein Feedback!

Popcorn-PerlenFür die heutige Popcorn-Perle habe ich tief in den Achtzigern gegraben – schliesslich bin ich ein Kind dieser Zeit, inklusive Vokuhila, Dauerwelle und Strähnchen. (Gott sei Dank dafür, dass es damals kein Facebook gab). Gemäss meinen Recherchen bin ich 1984 das erste Mal als Teenie ins Kino gegangen und habe mir „Beverly Hills Cop“ angesehen.

Mein „Film des Tages“ ist ein Jahr älter, aber Eddie Murphy spielt darin neben Dan Aykroyd wieder eine Hauptrolle. Für findige Achtzigerköpfe ist der Fall jetzt vielleicht klar, für alle anderen: ich rede von der Komödie „Die Glücksritter“.

Der Film dreht sich um zwei Männer, deren völlig unterschiedliche Leben sich per Zufall kreuzen und durch die Wette zweier kaltherziger alter Unternehmer eine ganz neue Wendung nehmen. Auf der einen Seite Louis Winthorpe III., ein vom Leben verwöhnter, erfolgreicher Börsenmakler mit einem Haus in der Stadt inklusive Butler und einer genauso verwöhnten Verlobten, die zufälligerweise die Grossnichte seiner Arbeitgeber ist. Auf der völlig anderen Seite der Bettler Billy Ray Valentine, der sein Geld damit verdient, sich als blinder Vietnam-Veteran ohne Beine auszugeben und der deshalb regelmässig von der Polizei aufgegriffen wird. Auf einer seiner Fluchten wirft er Louis um und wird beim Versuch, ihm seinen Aktenkoffer zurückzugeben, als Dieb verhaftet und eingebuchtet. Die beiden verwitterten, geizigen, aber steinreichen Inhaber von „Duke & Duke“, Louis‘ Arbeitgeber, kriegen diese Szene mit und kreieren daraus eine Wette, die sich um die folgende Frage dreht:

 Was bestimmt unseren Erfolg? Sind es die Gene, oder ist es unser Umfeld?

Am nächsten Tag wird Louis ein Geldbündel untergeschoben, worauf er in seinem feinen Herrenclub des Diebstahls bezichtigt und in Untersuchungshaft gesteckt wird. Auf der Polizeiwache werden zusätzlich Drogen in seiner Jacke gefunden. Louis darf am nächsten Tag nach Hause, doch auf dem Weg aus dem Revier wird er vor den Augen seiner Verlobten von einer Prostituierten geküsst und um Drogen angebettelt – natürlich ein Arrangement der Dukes. Daraufhin verlässt ihn seine Verlobte. Nachdem die Dukes ausserdem dafür sorgen, dass ihm der Zutritt zu seinem Haus verweigert wird und seine Konten gesperrt werden, steht Louis vor den Trümmern seines verhätschelten Lebens.

Im Gegenzug holen die beiden Billy Ray aus dem Gefängnis und bieten ihm Louis‘ Stelle an. Er sagt zu und entwickelt rasch ein Gespür für den Markt und das Börsengeschäft. Während er die Karriereleiter emporsteigt, verändern sich auch sein Verhalten und seine Einstellung zu Besitz. Währenddessen sinkt Louis immer tiefer, beginnt zu stehlen, bedroht die Weihnachtsgesellschaft von Duke & Duke mit einer Waffe und versucht schliesslich, sich umzubringen.

Zufällig bekommt Billy Ray mit, wie die Dukes ihr gelungenes Experiment besprechen und der eine dem anderen den Wetteinsatz von einem Dollar zahlt. Billy Ray sucht daraufhin Louis und rettet ihm in letzter Minute das Leben. Nachdem er ihn von der Hinterlist der Dukes überzeugt hat, heckt er mit Louis einen Plan aus, um es den gewissenlosen Geizhälsen heimzuzahlen. An einem Showdown an der New Yorker Börse tricksen Louis und Billy Ray die Dukes aus und treiben sie in den Ruin, werden selber steinreich und setzen sich auf eine Insel ab, um ihr neues Leben zu feiern.

Der Film ist typisch Achtziger inklusive Frisuren und Kleidung, ausserdem teilweise etwas freizügig (FSK 16) und manchmal ziemlich albern, aber ich liebe ihn trotzdem. Einerseits natürlich wegen der tollen Schauspielerriege auf der Höhe ihres Schaffens – allen voran Dan Aykroyd, Held aus „Blues Brothers“ und „Ghostbusters“, als Louis, aber auch Eddie Murphy als Billy Ray und Jamie Lee Curtis in der Rolle der Prostituierten Ophelia, die sich schliesslich um Louis kümmert, als er in der Gosse landet. Vor allem aber gefällt mir, dass der Film trotz seines ab und zu einfachen Humors ein paar tiefe Fragen aufgreift.

Zum einen natürlich die Wettfrage selbst:

Was macht uns zu den Menschen, die wir sind? Sind es die Gene, oder ist es unser Umfeld?

Der Film scheint diese Frage zugunsten der Umwelt zu beantworten, aber ich glaube nicht, dass man es so vereinfachen kann. Wir sind weder Sklaven unserer Gene noch reine Produkte unseres Umfelds und unserer Geschichte. Natürlich erben wir gewisse äusserliche und innere Eigenschaften und Fähigkeiten und werden durch unsere Familie, unser Umfeld und unsere Erfahrungen geprägt. Aber irgendwann beginnen wir, selbst Entscheidungen zu treffen, die uns ebenfalls zu den Menschen formen, die wir heute sind.

Die zweite Frage hat mich beim Verfolgen von Louis‘ Niedergang beschäftigt und ähnelt der biblischen Geschichte um Hiob:

Was bleibt von mir übrig, wenn mir alles genommen wird? Worüber definiere ich mich?

Ist es meine Arbeit, meine Leistung und die Anerkennung, die ich erhalte? Oder ist es meine Partnerschaft oder Ehe, oder vielleicht meine Beliebtheit im Freundes- und Bekanntenkreis? Worum drehen sich meine Gedanken? Was beschäftigt mich, gibt mir Kraft, ist aber auch meine verwundbarste Stelle?

Die Frage ist wichtig und berechtigt. Denn keiner dieser Bereiche, in denen ich meine Identität vielleicht festmache, ist wirklich krisenresistent.

Egal, wie tüchtig ich bin – es kann passieren, dass ich einen Rückschlag hinnehmen muss oder gar meine Arbeitsstelle verliere. Mein Partner kann mir vom Schicksal entrissen werden oder mich verlassen. Und leider können auch vermeintlich tragfähige Freundschaften zerbrechen, ganz zu schweigen von Beziehungen, die auf irgendeinem Grad von Beliebtheit oder Status beruhen.

Ich bin nach meiner Einschätzung nicht in akuter Gefahr, meinen Job, meinen Ehemann oder meine Freunde zu verlieren. Aber ich will mir die Frage stellen, und ich will wissen, was mich ausmacht und trägt, wenn alles andere wegfällt – wenn ich nicht mehr die fähige Mitarbeiterin, die geliebte Partnerin und die geschätzte Freundin bin.

Glücklicherweise kann ich die Frage für mich beantworten. Wer ich bin, hat der entschieden, der mich gemacht hat. Und selbst wenn ich alles verliere inklusive der Fähigkeiten, Talente und Eigenschaften, die Er mir gegeben hat, bleibe ich eines für immer: Geliebt von Gott. Sein Kind.

Gewisse Gedankenspiele machen mir trotzdem Angst – die Vorstellung, hilflos und vermeintlich nutzlos zu sein, anderen zur Last zu fallen. Wenn ich mir solche Szenarien vorstelle, merke ich, dass ich stark in unserem westlichen Weltbild verwurzelt bin und auch die klassische Ursünde Stolz mitschwingt – funktionieren, leisten, alles selber schaffen, niemanden brauchen. Aber ich weiss, wohin ich mit diesen Bildern gehen kann, um mir neue Bilder schenken zu lassen, die meine Identität an etwas oder besser an jemand anderem festmachen.

Wie ist es bei Dir – was hält Dich aufrecht, motiviert Dich und gibt Dir Kraft? Was macht Dich aus, und worüber identifizierst Du Dich? Ich bin gespannt auf Dein Feedback!

Popcorn-PerlenIch war noch nie auf einer „Star Trek“ Convention und habe keine Uniform von Captain Picard im Schrank, aber ich gestehe frank und frei: Ich bin seit über zwanzig Jahren ein Trekkie, und es gibt Folgen von „Star Trek – The Next Generation“, die ich fast Wort für Wort nachsprechen kann.

Diese Leidenschaft gründet auf dem Fernsehprogramm der Neunzigerjahre, dem geisteswissenschaftlichen Studium vor der Bologna-Reform und meiner angeborenen Faulheit. Ich hatte nur zehn Lektionen Präsenzzeit an der Uni, und wenn ich mich nicht für das Basteln an meinen Seminararbeiten aufraffen konnte, entschied ich mich für einen Trekkie-Marathon auf Pro Sieben. So habe ich im Lauf der Jahre fast alle Folgen von „The Next Generation“ gesehen und mir den Status einer TNG-Expertin er“arbeitet“ – die Auswirkungen auf das Studium werden im Rahmen dieses Posts nicht thematisiert.

Star TrekHeute missbrauche ich „Star Trek“ nicht mehr, um mich vor der Arbeit zu drücken, aber meine Liebe zum Picard‘schen Universum hat sich noch vertieft, weil mir die Schätze dieser unterhaltsamen, spannenden Serie erst mit der Zeit aufgegangen sind. Besonders reich an diesen Schätzen ist mein „all time favourite“ Film „Insurrection / Der Aufstand“.

„Insurrection“ erzählt – knapp zusammengefasst – die Geschichte des Volkes der Bakù, das sich vor Jahrhunderten auf einem kleinen Planeten niedergelassen hat. Obwohl die Bakù die Technologie für Reisen ins All haben, ziehen sie ein einfaches, abgeschiedenes Landleben vor. Doch ihr Planet birgt einen Schatz, der ihn und damit die Bakù ins Zentrum galaxienweiter Gelüste rückt: Die Planetenringe enthalten einen Stoff, der die Zellalterung verhindert und rückgängig macht – das Volk der Bakù hütet damit den Zugang zu ewiger Jugend und zu einem annähernd ewigen Leben.

Das in der Galaxie umherziehende Volk der Son’a hat eine Möglichkeit entwickelt, diesen Stoff aus den Planetenringen zu entfernen und nutzbar zu machen, und will diesen Plan mit Hilfe der Föderation der Planeten (eine Art Staatenbund auf Universumsebene) umsetzen. Doch dabei müsste der Planet zerstört und das Volk der Bakù umgesiedelt werden. Deshalb errichtet eine kleine Gruppe der Föderation eine holografische Kopie des Bakù-Dorfes in einem getarnten Raumschiff und plant, die Bakù bei Nacht und Nebel in das Raumschiff zu beamen und es auf einem anderen Planeten abzusetzen.

„You should read more history, Number One!”

Captain Picard deckt diese Pläne auf und stellt Admiral Dougherty zur Rede, der das Projekt im Auftrag der Föderation überwacht. Dabei lernen wir den leidenschaftlichen Historiker in Picard kennen, der sich tief bewusst war, dass die aktuellen Konflikte einer Gesellschaft auf Ereignisse und Entwicklungen von Jahrzehnten und Jahrhunderten zurückgehen.

Die „Star Trek“-Stories begeistern auch mich immer neu für mein ursprüngliches Studienfach. Mir wird aber auch bewusst, dass dieses Verständnis für die Bedeutung der Vergangenheit nicht auf der Ebene von Nationen und Regionen aufhört. Auch ich muss wissen, woher ich gekommen bin, um mein Leben und mich selbst zu verstehen. Das heisst nicht, dass ich ständig über der Vergangenheit grüble. Aber ich anerkenne meinen Ursprung und meine Geschichte mit allem, was damit zusammenhängt – ohne das Unangenehme auszublenden. Es hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin, und nur von diesem Menschen aus kann ich das Leben vorwärts leben.

“Es gibt Zeiten, Sir, in denen Männer mit einem Gewissen
nicht blind Befehle befolgen können.“

In „Insurrection“ können Picards Argumente und sein Geschichtsverständnis den Admiral nicht überzeugen. Er fordert von Picard Gehorsam gegenüber ihm als Vorgesetzten, und dieser muss sich entscheiden: Soll er die Befehle der Föderation befolgen und seine ethischen Prinzipen umstossen – oder seinem Gewissen folgen und sich widersetzen? Picard zögert nicht lange – er legt die Insignien seiner Generalswürde ab und entscheidet sich für den Aufstand. Picard riskiert damit Kriegsgericht, Gefängnis, Ehrverlust, den Tod.

Solche Helden gibt es auch im realen Leben – ich denke an Dietrich Bonhoeffer, der sich als Christ und Mitglied der bekennenden Kirche am Attentat gegen Hitler beteiligt und das mit dem Leben bezahlt hat, aber auch an viele kleine Aktionen der Zivilcourage, die jeden Tag erbracht werden. Ich glaube nicht, dass mein Heimatland in nächster Zeit in eine Geisteshaltung abdriftet, die Bonhoeffersche Aktionen fordert, aber ich will im Alltag nicht einfach wegschauen und den Mund halten, wenn Zivilcourage gefragt ist. Nur wenn ich mir diesen Mut im Kleinen antrainiere, bin ich notfalls bereit für eine grosse Aktion.

„Zart wie ein Androidenpopo, oder, Data?“

Neben der Spannung, die diese Geschichte vorantreibt, und den wunderbaren Bildern und Stimmungen auf dem Planeten (ganz zu schweigen von der Romanze zwischen Captain Picard und einer Frau der Bakù) lebt dieser Film wie alle „Star Trek“-Geschichten von einem wunderbar hintergründigen Humor, der das „Star Trek“-Universum so einzigartig macht. Es ist fast unmöglich, diesen Humor schriftlich festzuhalten, aber ich muss es versuchen:

Der erste Offizier William Riker und Schiffspsychologin Deanna Troi haben unter dem Einfluss der verjüngenden Planetenringe ihre Liebe füreinander neu entdeckt. Deanna zuliebe rasiert Riker seinen Bart ab und präsentiert sich Data, der künstlichen Lebensform auf der Enterprise, mit der Bemerkung: „Zart wie ein Androidenpopo, oder Data?“ Data fragt verwirrt: „Wie bitte, Sir?“ Dann begreift er und fragt Riker: „Darf ich?“ Er legt prüfend die Hand auf Rikers Wange, lächelt überlegen, schüttelt den Kopf und geht weiter.

Der “Star Trek”-Humor erinnert mich mit jeder Folge und jedem Film daran, dass ich das Leben und mich selbst auch viel zu ernst nehmen kann. Dabei ist ein kleiner Scherz pro Tag gut für die Verdauung und hält das Hirn lebendig, wie ein grosser Humorist mal gesagt hat.

“Sometimes, Number One, you just have to bow to the absurd!”

Ich hoffe, ich habe einige bisherige Star Trek-Abstinenzler neugierig gemacht, sich auch einmal einen Film oder eine Folge anzusehen. Glaubt mir: man stösst dabei „in Welten vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat!“

Ich schliesse mit obigem Zitat aus meiner Lieblingsfolge Star Trek – “Up the long ladder/Planet der Klone” und mit dem letzten, ultimativen Grund für meine „Star Trek“-Leidenschaft:

Jean-Luc Picard hat neben meinem Vater und Louis de Funès die mit Abstand schönste Glatze des Universums.

Bist Du ein Trekkie, oder kannst Du damit gar nichts anfangen? Und wenn Trekkie – welches ist Deine Lieblingsserie / Dein Lieblingsfilm? Ich freue mich auf Eure Antworten!

Popcorn-PerlenDer „Hero“, der gegen grösste Widerstände ankämpft und am Ende triumphiert, füllt zuverlässig die Kinosäle. Andy Dufresne, Protagonist in Stephen Kings Kurznovelle „Frühlingserwachen – Pin Up“, ist ein Held der stilleren, tiefer gehenden Art. Die Novelle wurde unter dem Titel „Shawshank Redemption – Die Verurteilten“ verfilmt, und das macht die Geschichte zu einer weiteren „Popcorn-Perle“.

Andys geordnetes Leben als Finanzfachmann wird in einer Herbstnacht ohne Vorwarnung zerstört – seine Frau und ihr Liebhaber werden von einem Unbekannten erschossen, und Andy wird des zweifachen Mordes angeklagt.

Andy bereitet sich auf das Schlimmste vor, solange er noch kann: Er bringt sein Geld in Sicherheit, und ein guter Freund verschafft ihm eine neue Identität. Kurz darauf ist dieses neue Leben Andys einzige Hoffnung, denn das Schlimmste trifft ein: er wird auf der Grundlage von Indizien zu zwei Mal lebenslänglich verurteilt.

Im Knast von Shawshank lernt er Red kennen – den „Mann, der alles besorgen kann“, der über die langen Jahre zu seinem einzigen engen Freund wird. Er lernt auch das grausame Knastuniversum kennen und wird von Vergewaltigungen, Prügel und Demütigung nicht verschont. Doch irgendwie schafft er es, sich seine Würde und seine Hoffnung auf ein anderes Leben zu erhalten.

„Trotz seiner Probleme lebte er sein Leben weiter.
Es gibt Tausende, die das nicht tun oder nicht wollen oder nicht können,
und viele von ihnen sind nicht einmal im Gefängnis.“
Red in „Shawshank Redemption“

Doch auch an Andy nagt der Knastalltag. Er bittet Red, ihm einen Gesteinshammer zu beschaffen, mit dem er kleine Steine aus dem Gefängnishof in Form schleift, um die langen Gefängnisnächte zu überstehen. In einer dieser Nächte kratzt er aus Langeweile in die Gefängniswand, und plötzlich löst sich ein Stück. Weil er sonst nichts zu tun hat, gräbt Andy weiter und beschafft sich von Red ein Pin-Up-Poster, um das Loch zu verbergen. An Ausbruch denkt er nicht – er rechnet sich aus, dass er in 100 Jahren höchstens die Hälfte der Wand schaffen könnte.

In den folgenden Jahren erarbeitet sich Andy im Knastuniversum eine Vertrauensposition. Er wird Leiter der Bibliothek, berät die Aufseher bei ihren Steuererklärungen, setzt Darlehensverträge auf und hilft dem Direktor dabei, Erträge aus zweifelhaften Geschäften vor dem Fiskus zu verstecken.

Ganz plötzlich öffnet sich für Andy ein Fenster der Hoffnung: Aufgrund der Aussage eines neuen Insassen könnte er den Prozess wieder aufrollen und seine Unschuld beweisen. Doch der Anstaltsleiter will Andy und seine nützlichen Fähigkeiten nicht verlieren und bringt den Insassen durch die Versetzung in ein besseres Gefängnis zum Schweigen.

Das bricht Andy fast das Rückgrat – zum ersten und einzigen Mal verlässt ihn seine Zuversicht, und er fällt in eine tiefe Depression. Nach langen und dunklen Monaten fasst er langsam wieder Mut und macht kurz darauf eine unglaubliche Entdeckung.

Während einer seiner nächtlichen Grabungen durchschlägt sein Hammer plötzlich die Wand, und er trifft auf einen offenen Schacht und ein altes Abflussrohr. Er findet heraus, dass sein Zellentrakt noch nicht an das neue Abwassersystem angeschlossen wurde und dass dieses alte Rohr sein Weg in die Freiheit sein könnte – und in sein neues Leben. Denn das Tor zu seiner neuen Identität – ein Schlüssel zu einem Bankschliessfach – schlummert sicher vergraben unter einer Steinmauer, keine dreissig Meilen von Shawshank entfernt.

Doch zwischen Andy und seinem neuen Leben stehen noch einige Kubikmeter Stein und die Gefahr, entdeckt zu werden. Über den Zeitraum von weiteren acht Jahren vergrössert Andy Nacht für Nacht das Loch in der Wand. Den Schutt bindet er in Säckchen in seine Hosenbeine und lässt ihn im Gefängnishof auf den Boden rieseln.

In der Nacht auf den 12. März 1975 gelingt Andy die Flucht – durch ein enges, stinkendes Rohr voller Exkremente kriecht er über die Länge von fünf Fussballfeldern in die Freiheit. Ein halbes Jahr später sendet er seinem Freund Red eine unsignierte Karte aus Texas, wo er die Grenze nach Mexiko überschreitet, um sich sein neues Leben aufzubauen.

Was mich an dieser Geschichte bewegt, ist Andys nicht zu tötende Hoffnung im Angesicht des Tornados, der sein Leben zertrümmert hat, aber auch seine Ruhe, Gelassenheit und Zuversicht inmitten dieses Spagats aus Hoffnung und Angst.

Wie hat dieser Mann das ausgehalten? Zu wissen, dass ein neues Leben auf ihn wartet, aber nicht zu wissen, ob das Stück Land, das diesen Schatz verbirgt, in der Zwischenzeit überbaut wird? In seiner Zelle einen Tunnel zu graben und zu fürchten, dass man ihn plötzlich in eine andere Zelle versetzt? Und was wäre gewesen, wenn man ihn wegen guter Führung entlassen – und bei der Zellenräumung das Loch in der Wand entdeckt hätte? Und was, wenn Andy nach endlosem Kriechen durch das Abflussrohr hätte feststellen müssen, dass das Ende mit einem Draht verschlossen ist?

Andys Umgang mit seinem Schicksal macht ihn zu einem anrührenden, fassbaren Helden. Er ist beinahe zerbrochen, aber er hat sich wieder aufgerappelt. Er hat all die „Was-Wenns“ ertragen und hat in diesem widerlich stinkenden Rohr sein Leben riskiert – um frei zu sein.

Diese Entschlossenheit und Andys unerschütterliche Hoffnung und Gelassenheit fordern mich heraus. Jeden Tag scheitere ich aufs Neue an kleinen und grösseren Alltagsfrüstchen und ärgere mich über Dinge, die nicht so sind, wie ich sie will, über volle Züge und laute Menschen, über Unzulänglichkeiten und Missgeschicke. Was würde ich erst tun, wenn ich eine Herausforderung dieser Kragenweite bewältigen müsste?

Eigentlich brauche ich nicht einmal auf das fiktive Schicksal von Andy zurückzugreifen – ich kenne genug Menschen, die mich in ihrem Umgang mit Schicksalsschlägen tief beeindrucken.

In meinem Freundes- und Bekanntenkreis haben mehrere Frauen eine Brustkrebsdiagnose erhalten. Eine von ihnen hat Operation und Chemotherapie schon länger hinter sich, eine andere ist dieses Jahr operiert worden, und die dritte wird den Eingriff in wenigen Wochen durchstehen müssen. Alle drei Frauen haben diesen Mut und die Entschlossenheit, nicht aufzugeben und an das Leben – ihr Leben – zu glauben. Ich ziehe meinen Hut vor ihnen, und ihr Vorbild beschämt mich.

Aber es ist eine gute Scham – eine, die mich motiviert und inspiriert, meine Haltung zu überdenken und mich neu zu entscheiden, wie ich mit den grossen und kleinen Unebenheiten auf meinem Lebensweg umgehen will:

Ich will mein Leben als Geschenk sehen und mich nicht mehr von Kleinigkeiten runterziehen lassen. Beim nächsten Frustmoment denke ich an die einzigartigen, wertvollen Dinge, die man sich nicht kaufen kann und die ich immer wieder geniessen darf. Gesund sein. Ein schöner Sommertag. Familie und Freunde, die einen inklusive aller Verrücktheiten lieben. Ein „Magnum“ nach dem Mittagessen und eine Tüte Popcorn zur DVD-Nacht. Lachen mit Freunden, auf dem Sofa ein Nickerchen machen. Schreiben und singen dürfen und anderen damit Freude machen – grosse und kleine Segenshappen, die alle Widrigkeiten des Alltags überstrahlen.

Ich will bereit sein, auch härtere Schläge zu ertragen und nie die Hoffnung verlieren. Ich wünsche mir keine Katastrophe, um meinen Durchhaltewillen beweisen zu können. Aber wenn etwas auf mich zukommt, das mich herausfordert, hoffe ich, dass ich es würdig tragen kann, den Kampf nicht aufgebe und meinen Glauben an das Schöne im Leben, an das Gute in der Welt und an einen allmächtigen, liebenden, Gott niemals verliere.

Ich will für das kämpfen, was mir am Herzen liegt. Unser Leben auf dieser Erde ist kurz. Ich bin 42 Jahre alt, und vielleicht habe ich noch einmal gleich viel Zeit. Vielleicht ist es auch morgen vorbei. Ich will mich auf die Dinge konzentrieren, die wirklich wichtig sind, auf das, wofür mein Herz brennt und zu dem ich mich berufen fühle, damit ich an diesem letzten meiner Tage auf dieser Welt nichts bereuen muss. Oder wie Henry David Thoreau in „Club der toten Dichter“ so schön zitiert wird: „damit ich nicht, wenn es zum Sterben ginge, einsehen müsste, dass ich niemals gelebt habe.“ (aber den Film sparen wir uns für ein anderes Mal).

„Hoffnung ist etwas Schönes, Red, vielleicht das Schönste, was es gibt,
und Schönes stirbt nie.“

Wer inspiriert Dich mit seinem Verhalten? Wofür schlägt Dein Herz? Ich freue mich über Deinen Kommentar!

Popcorn 25%Seelensnacks verstecken sich an den unterschiedlichsten Orten – ich finde meine unter anderem in meiner DVD-Sammlung. In diesen schlichten Silberscheiben verbergen sich oft wahre Kostbarkeiten, die nur auf einen Entdecker warten.

Eine besondere Perle ist die warmherzige und tiefsinnige Komödie „Und täglich grüsst das Murmeltier“. Sie dreht sich um den griesgrämigen, egozentrischen Wettermoderator Phil Connors, der für seinen Lokalsender zum siebten Mal in Folge den „Murmeltiertag“ im Kaff Punxsutawney kommentieren muss. An diesem Volksfest muss das dorfeigene Murmeltier am Morgen des 2. Februar den Einwohnern prophezeien, wie das Wetter in den kommenden sechs Wochen wird – was davon abhängt, ob das Tier seinen Schatten sieht oder nicht.

Nach einem mittelmässigen Drehtag unter nervigen Hinterwäldlern müssen Phil, seine Produktionsleiterin Rita und Kameramann Larry wegen eines Schneesturms eine weitere Nacht in Punxsutawney verbringen – was Phil in Verbindung mit der Tatsache, dass es in ganz P. kein heisses Wasser zum Duschen gibt, fast in den Wahnsinn treibt.

Doch es kommt noch schlimmer. Als Phil am nächsten Morgen aufwacht, stellt er fest, dass wieder Murmeltiertag ist – nur ist er der einzige, der gestern schon dabei war.

Das Phänomen wiederholt sich auch am nächsten Tag, und am nächsten – Phil muss feststellen, dass er in einer Zeitschleife feststeckt. Nach einigen Panik- und Frustattacken entdeckt er die Möglichkeiten, die sich hinter der Frage „Was wäre, wenn es kein Morgen gäbe“ verstecken: Er stopft sich täglich den Bauch voll, beklaut die lokale Sparkasse und vergnügt sich mit der ehemaligen Dorfschönheit.

Doch nach dem tausendsten Mal wird alles langweilig, und Phil sucht eine neue Herausforderung: Er beschliesst, die hinreissende Rita zu verführen. Mit Hilfe der Zeitschleife entlockt er ihr all ihre Wünsche und Träume und tüftelt an der perfekten Strategie, um sie ins Bett zu kriegen. Aber egal, wie raffiniert er vorgeht – der Tag endet immer gleich: mit einer schallenden Ohrfeige für ihn, weil Rita trotz des minutiös geplanten Traumtages voller tiefsinniger Gespräche nicht gleich mit ihm im Bett landen will.

Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht, und Phil hat endgültig genug von diesem verrückten Karussell. Er entführt das Murmeltier als vermeintlichen Verursacher seines Elends und rast mit einem Auto in eine Kiesgrube. Doch vergeblich: Am nächsten Morgen erwacht er ohne einen Kratzer in seiner Frühstückspension. Und so endet jeder weitere kreative Versuch, dieses Theater zu verlassen.

In seiner Verzweiflung vertraut er Rita sein Dilemma an. Er muss sie erst von dieser wahnwitzigen Geschichte überzeugen; dann aber rät sie ihm, das Positive, die Chancen und Möglichkeiten in dieser verrückten Situation zu entdecken.

Obwohl Phil zuerst darüber lacht, berühren ihn Ritas Gedanken, und ohne dass er es weiss, hat die Wende in seinem Leben begonnen. Als er am nächsten Morgen erneut am Murmeltiertag aufwacht, beschliesst er, Klavier spielen zu lernen – und die Welt einfach ein bisschen besser zu machen. Über viele weitere Murmeltiertage wird aus dem arroganten Einzelgänger ein zupackender, hilfsbereiter, humorvoller Mann, der es schliesslich schafft, sich an einem einzigen Tag in der ganzen Stadt zum Helden zu machen, mit Rita die Frau seines Lebens für sich zu gewinnen und wieder aus der Zeitschleife ins richtige Leben zurückzukehren – als neuer Mensch.

Wir können keine Zeitschleife konstruieren, um uns selbst neu zu erfinden. Aber auch wir können uns verändern, alte Gewohnheiten ablegen und Neues lernen, und zwar ganz egal, wie alt wir sind. Das heisst – wenn wir es wagen, daran zu glauben.

Ich kenne zu viele Menschen, die den Satz „Ich kann und will mich nicht ändern“ zu ihrem persönlichen Glaubensbekenntnis erhoben haben. Das ist in meinen Augen unglaublich traurig und zerstörerisch, denn so falsch diese Annahme auch ist, kann sie doch zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden: Wer sich lange genug einredet, dass er sich nicht ändern kann, wird es irgendwann wirklich nicht mehr können.

Ich weiss dabei sehr wohl, wie schwierig es sein kann, schlechte Gewohnheiten loszuwerden und eingebrannte Verhaltensmuster zu ändern. Oft genug erlebe ich das am eigenen Leib: Ich weiss genau, dass mein Verhalten irrational ist und nichts Gutes hervorruft – und trotzdem kann ich nicht anders. Dass ich nicht aufgebe, liegt einzig daran, dass ich die Wende auch schon erlebt habe – dass ich schlechte Angewohnheiten hinter mir lassen und befreiende Veränderung erfahren durfte.

Allerdings gilt für mich, dass ich es nicht allein geschafft hätte. Ich weiss seit neun Jahren, dass es einen Gott gibt, der mich dazu bestimmt hat, frei zu sein, der Wunden heilen und Verformungen wieder gerade biegen kann. Dieses Wissen ermutigt mich, auch hartnäckige Verhaltensmuster zu bekämpfen und dabei nicht aufzugeben.

Auch wenn Du es vielleicht nicht so mit Gott hast: Veränderung ist immer möglich. Nicht alle Eigenschaften, die Du unter „so bin ich halt“ etikettiert hast, müssen Dir bis ans Lebensende anhaften. Wahrscheinlich bist Du selbst Dein härtester Gegner.

Wenn Du selbst glaubst, dass Du Dich ändern kannst, setzt Du damit die nötige Energie für Deinen Aufbruch frei. Jeder neue, kleine Schritt wird Dich auf diesem Weg ermutigen, bis Du nach einiger Zeit einen Blick zurück wirfst und ganz erstaunt feststellst, wie weit Du schon gekommen bist.

„Irgendwas ist anders.“ „Gut oder schlecht?“ „Alles, was anders ist, ist gut.“

Nicht alles, was „anders“ ist, muss gut sein. Aber sich selbst zu glauben, dass man auch anders kann, ist der erste Schritt zur Veränderung.