national-day-1505223_1920Heut ist Erster August, des Schweizers Nationalfeiertag! Viele Städte führen offizielle Feiern durch, aber der moderne Eidgenoss gedenkt seines Landes gern mit dem massiven Ankauf von Raketen, Zuckerstöcken, Chlöpfern und Bengalischen Zündhölzern, die er dann frohlockend im Garten abfackelt. In der Nachbarschaft  dröhnt, kracht und funkelt es im Sekundentakt, bis jedes noch so beschauliche Quartier vor lauter Rauchwolken und Gestank wie die Kriegsgebiete wirkt, aus denen Menschen so  oft zu uns flüchten, um eine neue Heimat zu finden.

Das mit der neuen Heimat ist bekanntlich nicht immer einfach. Letzten Monat hat ein verunglücktes Einbürgerungsverfahren hohe Wellen geworfen. Der Einbürgerungsantrag einer jungen, gut integrierten Frau wurde abgewiesen, weil sie einige in den Augen der meisten Leute irrelevante Fragen nicht beantworten konnte. Muss ein künftiger Schweizer wissen, welches unsere Nationalsportarten sind? Wie das Lädeli im Dorf heisst?

Dieser Disput hat mich zur Frage angeregt, was denn einen Schweizer genau ausmacht. Ist es ganz sein Stammbaum? Ist es der trockene Humor, die Reserviertheit, die Sein-Licht-Unter-Den-Scheffel-Stellen-Heit? Oder doch die Tatsache, dass er die Frage beantworten kann, ob er ein Coop- oder Migros-Kind war?

Als History Nerd suche ich meine Antworten gern in der Vergangenheit, und meine Gedanken schweifen kurz aufs Rütli – die legendäre Wiese über dem Vierwaldstättersee, auf der die ersten drei Eidgenossen 1291 ihren Schwur schwuren. Allerdings hat das, was 1291 als Eidgenossenschaft bezeichnet wurde, wenig mit unserem heutigen Staat zu tun. Die moderne Schweiz nahm ihren Anfang eher am 12. September 1848, als Volk und Kantone die neue Bundesverfassung annahmen, auf der auch unsere heutige Verfassung gründet. Ich habe mir deshalb die aktuelle Verfassungs-Präambel von 1999 (letzte Totalrevision) zu Gemüte geführt, um herauszufinden, was gemäss dieses Verfassung-Vorwortes den Schweizer ausmacht.

Die Präambel beginnt (für den Christen eine Freude, für andere ein überholtes Ärgernis) mit den Worten Im Namen Gottes des Allmächtigen, ein  Bezug, der für die Menschen des 19. Jahrhunderts selbstverständlich war. Mit den Worten Das Schweizervolk und die Kantone folgen die „Verfassungsgeber“. Hier klingen Demokratiegedanke und Föderalismus an, die unser Land seit jeher prägen. Und so geht es danach weiter:

in der Verantwortung gegenüber der Schöpfung,

im Bestreben, den Bund zu erneuern, um Freiheit und Demokratie,
Unabhängigkeit und Frieden
in Solidarität und Offenheit gegenüber der Welt zu stärken,

im Willen, in gegenseitiger Rücksichtnahme und Achtung
ihre Vielfalt in der Einheit zu leben,

im Bewusstsein der gemeinsamen Errungenschaften
und der Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen,

gewiss, dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht,
und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen,

geben sich folgende Verfassung.

In diesen paar Sätzen stecken Werte und Gedanken, die mir lieb und teuer sind. Die Präambel beginnt mit einem ökologischen Bekenntnis, abgeleitet aus der Schöpfungsgeschichte, in der Gott dem Menschen mit der Herrschaft auch die Verantwortung für die Erde überträgt. Sie spricht sich aus für Erneuerung nicht als Selbstzweck, sondern zur Stärkung der Werte Freiheit, Demokratie, Unabhängigkeit und Frieden, und propagiert im selben Atemzug eine Haltung der Solidarität und Offenheit gegenüber der Welt ausserhalb unserer Landesgrenzen. Sie bekennt sich zur sprachlichen, ethnologischen, konfessionellen und regionalen Vielfalt in der Schweiz, betont aber auch, dass es für das Leben der Vielfalt in Einheit gegenseitige Rücksichtnahme und Achtung braucht. Sie betont das Bewusstsein für unsere Wurzeln und den Stolz auf das, was wir erreicht haben, und verbindet es mit der Erkenntnis, dass wir unser Land nicht besitzen, sondern für diejenigen bewahren, behüten und pflegen, die nach uns kommen. Als letztes fordert die Präambel uns auf, die Freiheit, die wir haben, zu nutzen, um das Land mitzugestalten, mit anderen Worten: die politischen Rechte, nach denen sich unsere Nachbarn seit 1848 die Finger lecken, nicht gering zu schätzen. Und ganz zuletzt ermahnt sie uns, dass sich die Stärke eines Volkes am Wohl seiner schwächsten Glieder messen lassen muss.

Wenn ich diese Grundsätze auf ihre Essenz reduziere, komme ich auf sieben Punkte, die verfassungsgemäss jeder Schweizer hoch halten müsste.  In diesem Sinne, hier und heute zum Nationalfeiertag:

Die Sieben Gebote für den wahren Schweizer

Dir ist die Erde anvertraut. Übernimm diese Verantwortung und handle danach.

Sei bereit, dein Land zu erneuern,
um Freiheit, Demokratie, Unabhängigkeit und Frieden zu stärken.

Begegne der Welt ausserhalb deines Landes mit Solidarität und Offenheit.

Begrüsse die Vielfalt und begegne auch denen, die nicht sind wie Du,
mit Rücksichtnahme und Achtung.

Sei Dir der Errungenschaften Deiner Vorfahren bewusst
und bewahre sie für die nächste Generation.

Nimmt deine verfassungsmässigen Rechte wahr
und gehe wählen und abstimmen, um den Staat mitzugestalten.

Vergiss nicht, dass sich Deine Stärke daran messen muss,
wie es dem Schwächsten im Lande geht.
Tu, was in Deiner Macht steht, um sein Leben zu verbessern.

Mich machen diese „Gebote“ stolz; stolz auf meine Vorfahren, die die Lehren des Bürgerkrieges genutzt haben, um eine Verfassung und einen Staat zu bauen, in dem alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind. Unser Land war nie perfekt und wird es nie sein. Es hat auch in der Schweiz Jahrzehnte gedauert, bis die Wunden und Gräben des Bürgerkrieges geschlossen waren und die Verlierer dieses Krieges als Gleichberechtigte in die Regierung einbezogen wurden. Aber mit der Verfassung wurde 1848 ein solides Fundament gelegt, aus dem die moderne Schweiz entstehen konnte. Aus einem Staat,  der von seinen Nachbarn bei seiner Gründung als Unruheherd und „grosse Kloake“ bezeichnet wurde, entwickelte sich ein Land, das andere um seine politischen Institutionen und seine Stabilität beneiden.

In diesem Sinne: Heil Dir, Helvetia!

Vor kurzem habe ich erfahren, dass der Immobilienmarkt heute mit sogenannten Visualisierungsprogrammen arbeitet. Diese faszinierende Technik, die auch auf Aussenbereiche wie Parks angewendet wird, hat mich von Anfang an begeistert, dann aber noch ganz andere Gedanken in mir ausgelöst.

Was hat es mit dieser Visualisierung auf sich? Vielen Menschen fehlt es an räumlichem Vorstellungsvermögen. Wenn sie sich Bilder einer älteren Immobilie ansehen, können sie den Status quo nicht ausblenden und sehen deshalb die Möglichkeiten nicht, die in der Immobilie stecken. Eine mit Möbeln überfüllte Wohnung verdeckt den grosszügigen Grundriss; in einer anderen hängen dicke, lange Vorhänge vor der breiten Fensterfront.

Während ein Visualisierungsprogramm die Wohnung oder das Haus ins beste Licht rückt, zeigt es gleichzeitig die Veränderungs- und Erneuerungsmöglichkeiten auf. Wie sieht das Wohnzimmer jetzt aus, und wie könnte man es umbauen? Wie könnte eine neue Küche, ein neues Bad in dieser Wohnung aussehen? Welche Räume könnte man umbauen und umnutzen? 360-Grad-Bilder vermitteln einen faszinierenden Eindruck davon, wie beispielsweise aus einer biederen Endachtziger-Wohnung ein lichterfülltes, modernes Apartment entstehen könnte.

Eine vielversprechende Geschäftsidee. Doch in der Idee steckt für mich etwas noch Befreienderes und Hoffnungsvolleres, das sich auf unser Bild von uns selbst und Gottes Bild von uns übertragen lässt.

Oft sehen wir in unserem Leben nur das, was ist und das, was war – ob gut oder schlecht. Wie Kratzer im Parkett oder Flecken an den Wänden registrieren wir die Wunden und Narben, die das Leben uns zugeteilt hat. Die vielen Möbel in unserer Wohnung, die den grossen Grundriss verdecken, sind die (zu) zahlreichen Verpflichtungen oder Projekte, mit denen wir uns verzetteln und überanstrengen, ohne es zu merken. Die Vorhänge können ein Job sein, der gutes Geld bringt, aber eigentlich nicht zu uns passt und uns die freie Sicht auf unsere wahren Wünsche verdeckt. Wir haben Mühe, hinter dem Status quo zu entdecken, was in unserem Leben möglich ist.

Nicht so Gott. Er sieht hier und heute alle Optionen – auch die, die wir uns nie erträumt hätten. Er öffnet unseren Blick für das, was sein könnte, und schenkt uns damit die Kraft, die nötigen Schritte in Angriff zu nehmen. Vielleicht brauche ich eine Weiterbildung, um den Traum der Selbständigkeit zu verwirklichen. Vielleicht brauche ich eine Therapie, um Geschehenes zu verarbeiten. Vielleicht muss ich mich meiner Bitterkeit stellen und Menschen vergeben, um frei zu werden. Gott sieht es und zeigt es mir.

Das bedeutet nicht, dass ich im Status quo nicht genüge. Gott hat ein volles und herzhaftes Ja zu mir, und in diesem Wissen darf ich mich geliebt, angenommen und aufgehoben fühlen. Aber ich darf gleichzeitig glauben, dass ich mich verändern kann und soll – nicht, weil Gott noch nicht zufrieden ist, sondern weil er mich in den Menschen umgestalten will, der ich wirklich bin; in den Menschen, den er sich erdacht hat und den das Leben mit allen Dellen und Schlägen teilweise verformt, verhärtet und verwundet hat.

Gott sieht uns ganz – was war, was ist, was kommt. Er nimmt uns mit in die Zukunft, die er bereithält, wenn wir ihm vertrauen und uns durch ihn und durch die Menschen, die uns begegnen, verändern lassen. Dafür will ich offen sein. Ich entdecke immer wieder Seiten an mir, die noch nicht frei sind; die will ich Gott hinhalten und mich von ihm verändern lassen. Ich vertraue ihm, weil ich in meinem Leben die Kraft der Veränderung erkennen kann, die von ihm kommt.

Und ich will anderen als Geburtshelfer dienen. Auch in unseren Beziehungen konzentrieren wir unseren Blick oft nur auf das, was war, und das, was ist. Das hat eine gute Seite, wenn wir den anderen annehmen, wie er ist, aber es hat auch eine pessimistische. Jeder hat Verhaltensweisen, angeboren oder entstanden durch Verletzungen, die das Zusammenleben erschweren, schädigen und schlimmstenfalls Beziehungen zerstören. Wenn wir diese Verhaltensweisen einfach als gegeben betrachten, schaden wir den Beziehungen untereinander und zementieren den Status quo. Wir resignieren und sagen im Grunde, dass wir dem anderen – und damit auch Gott – nicht zutrauen, sich zu ändern.

Ich brauche Gottes Visualisierungsprogamm für mich selbst und für meine Mitmenschen. Ich will diese neue Sicht, will das, was durch ihn möglich ist, in mir und anderen Menschen sehen und an diesem Bild festhalten. Ich will andere Menschen durch mein hoffnungsvolles Bild ermutigen und freisetzen. Denn wir alle brauchen Menschen, die uns zwar annehmen, wie wir sind, die aber auch sehen, was noch werden kann.

Vor über drei Jahren habe ich auf meinem Blog ein Post verfasst, das ich immer noch zu meinem liebsten zähle, und am heutigen Pfingsttag kommt er mir erneut in den Sinn. In diesem Post hatte „Madame de Meuron“ einen Gastauftritt; die Berner Burgerin, die zur Legende wurde, als sie einen Mann fragte, ob er jemand sei oder Lohn beziehe. Im Originalton: „Syt Dir öpper oder nämet Dir Lohn?“

Heute, so reflektierte ich damals, ist es umgekehrt: Nur wer Lohn bezieht, kräftig konsumiert und zum Bruttosozialprodukt beiträgt, „ist jemand“. Das Primat der Nützlichkeit beherrscht die Welt.

Als Christen können wir dem Primat der Nützlichkeit ein besseres, lebensbejahendes System gegenüberstellen, denn Gott als Hersteller des Produkts „Mensch“ hat ein klares Ja zu allen Menschen. Seine Worte aus Psalm 139, wonach wir wunderbar geschaffen sind, gelten dem Flüchtling, der ohne Ausbildung zu uns kommt, dem ungeborenen Leben, ob gesund oder abseits der Norm, und dem geborenen Leben − auch dann, wenn es alt oder krank und für das Bruttosozialprodukt nutzlos geworden ist. Gottes Wertesystem schliesst alle ein – seine Liebe macht uns nicht gleich, aber gleich wertvoll.

Aber leben wir Christen dieses Wertesystem? Ist uns jedes Leben gleich viel wert, und behandeln wir es so, oder geben auch wir dem Drang des Wertens nach?

Der Drang des Wertens und Vergleichens entlarvt unseren unstillbaren Wunsch, besser und „mehr“ zu sein als andere − Stolz, die Sünde, die uns von Gott getrennt hat.

Kann es sein, dass wir diese Sünde so perfekt in unser christliches Wertesystem integriert haben, dass wir sie nicht mehr erkennen? Dass wir deshalb unserem christlichen Auftrag, Gott und die Menschen zu lieben und das Evangelium zu verkündigen, nicht mehr gerecht werden?

Wir sind, meine ich, nicht so schlecht darin, uns um die Schwachen zu kümmern. Diese Aufgabe ist als zentraler Punkt der christlichen Nächstenliebe in unserer Tradition fest verwurzelt. Zwar löst die Migration auch unter uns Christen manchmal Ängste aus, aber die meisten sind sich einig  dass die in der Bibel zitierten Witwen und Waisen heute in der Gestalt von Flüchtlingen unsere Hilfe brauchen.

Wir haben heute andere  „blinde Flecke“ und verhärtete Stellen des Herzens. Sie zeigen sich nicht bei den klassischen „Schwachen“, sondern bei Menschen,  die wir als persönliche Konkurrenz, als Bedrohung unseres Weltbilds oder als Gefahr für die Moral ansehen.

Wie begegnen wir Christen, die ein anderes Glaubensverständnis haben? Überschütten wir sie mit giftigen Tiraden und sprechen ihnen den Glauben ab, oder können wir ihre Sichtweise stehen lassen und zivilisiert diskutieren? Und wie ist es in der Gemeinde? Teilen wir Leben miteinander und helfen einander, die Lasten zu tragen, oder halten wir heimliche Wettbewerbe ab, wer gesalbte und frommer ist, und neiden einander Segen und Erfolg?

Was ist mit den Menschen, die anders leben und an etwas anderes glauben?  Begegnen wir ihnen mit aufrichtiger Liebe und der Überzeugung, dass wir nicht besser sind als sie, oder denkt ein Teil von uns: „Danke Gott, dass ich nicht bin wie dieser?“

Haben wir vielleicht mehr Mitgefühl für die „Schwachen“ als für anders Denkende, anders Glaubende und anders Lebende, weil wir in unserer Sorge um die Schwachen gut dastehen, während die anderen uns in unserem Selbstverständnis bedrohen?

Die Welt braucht eine Währungsreform des Herzens. Wir Christen können Gottes lebensbejahendes Wertesystem weitergeben und damit diese Reform in Gang setzen, indem wir die Währung von Gottes Liebe verkündigen, die uns und alle Menschen freisetzt und jedem Leben einen unveräußerlichen Wert verleiht.

Aber auch wir Christen brauchen diese Währungsreform. Wenn wir unseren Verkündigungsauftrag erfüllen wollen, brauchen wir mehr Mitgefühl, Liebe und Annahme für Menschen, die nicht geografisch, sondern innerlich „von woanders“ kommen; Verständnis für Menschen in Lebenssituationen, in die wir uns nicht so einfach hineindenken können.

Die „Menschen der Welt“ warten nicht auf unsere Absolution oder auf süßliche Beteuerungen, dass wir sie trotz ihrer uns fremden Lebensweise und ihren in unseren Augen verwerflichen Verfehlungen lieben. Sie warten auf authentische Begegnungen, die ihnen zeigen, dass wir sie so annehmen, wie sie sind.

Für diese Annahme müssen wir uns weder „der Welt anpassen“, noch brauchen wir uns selbst oder unseren Glauben zu verleugnen. Was wir brauchen, ist das tief verwurzelte Wertesystem Gottes, die innere Überzeugung, dass kein Mensch mehr wert ist als der andere.

Dafür brauchen wir ein neues Herz und einen neuen Geist. Dies wird uns in der Jahreslosung 2017 verheißen, und Gott schenkt uns beides, weil er genau weiss, dass wir es weder selbst produzieren noch erarbeiten können.

Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.
Ez 36,26

 

Auf Pfingsten liegt die besondere Verheissung der Erfüllung durch den Heiligen Geist. Lasst uns diese Verheissung in Anspruch nehmen und niemals vergessen, dass jeder Mensch wunderbar gemacht ist. Ganz unabhängig davon, was wir vom einzelnen, von seiner Lebensführung, seinem Glauben und seiner Einstellung halten, wird sich an einem niemals etwas ändern:

Den Wert eines jeden Menschen bestimmt der Hersteller.
Und der hat keinen Ausschuss produziert und kein Garantieablaufdatum festgelegt.

DISCLAIMER: Ich habe meine Nicht-Mutterschaft eloquentest bewiesen, indem ich den Muttertag eine Woche vorverlegt habe. Auch mein Mann hat nichts gemerkt; die Schuld gebe ich den Onlinemedien, die schon die ganze Zeit über das Muttersein schwadronieren 🙂 Sei’s drum: Mütter (und natürlich auch Väter) verdienen unsere Achtung jeden Tag des Jahres. In diesem Sinne habe ich das Post nur leicht redigiert und lasse es stehen. Enjoy!

Bald schon ist Muttertag, und Kinderlose wie ich, die die eigene Mutter schon verloren haben, sind angesichts dieses Feiertags manchmal etwas ratlos. Weder werde ich gefeiert, noch kann ich meiner Mutter abgesehen von einem Besuch an ihrem Grab die Ehre erweisen. Diesen Besuch habe ich heute schon gemacht,  habe ein paar Fliedersträuche und Blumen aus unserem Garten zu einem Strauss zusammengestellt, am Grab meiner Ma gedacht. Und nun?

 

Als Kinderlose frage ich mich vor diesem Tag manchmal, wie die Mutterschaft mich wohl verändert hätte. Ziemlich sicher hätten Kinder meine Toleranz für Chaos, Lärm und Menschen, die etwas von mir wollen, erhöht – entweder das, oder ich wäre in der Klapsmühle gelandet. Und vielleicht hätte ein Kind, das in mir heranwächst und auf  mich angewiesen ist, das mich einfach liebt, mich weicher gemacht.

Bereue ich es, keine Mutter zu sein? Ja und nein. Ich frage mich, wie es sich angefühlt hätte, und gerade weil es so etwas Epochales und Unvergleichliches ist, hätte ein Teil von mir es gern  erlebt. Aber ich hatte nie einen starken Drang zur Mutterschaft, und heute spüre ich, dass mein Leben, wie es ist, zu mir passt. Es passt so gut zu mir und gefällt mir so sehr, dass ich manchmal fast ein schlechtes Gewissen habe.

Ich bin den Müttern in meinem Leben keine grosse Hilfe – da ich nie unbedingt ein Kind wollte, verspürte ich auch nie den Wunsch, das Fehlen von Kindern durch intensives Hüten auszugleichen, und habe diesbezüglich wohl weniger als das Durchschnittliche gemacht. Ich mag die Kinder in meinem Leben gern, ich liebe meine tollen Neffen und meine geniale Nichte, und ich freue mich sehr, wenn ich sie sehe – je länger je mehr. Ich weiss aber auch, dass der Grund dafür, dass ich jetzt mehr mit ihnen anfangen kann, der ist, dass sie älter werden und von Tag zu Tag weniger Kinder sind. Man verzeihe mir.

Was also kann ich tun, um Müttern meine Ehrerbietung zu erweisen? Ich werde tun, was ich einigermassen kann, und feiere sie mit Worten.

Merlyn und Levi
Mein Göttibub mit seinem jüngsten Bruder – kindred spirits!

Ich kenne viele tolle Mütter. Da ist meine Schwester, Mutter von vieren zwischen 8 und 18, die neben dem Muttersein eine Reitschule führt; dann zwei Freundinnen, beide mit einem Kleinkind, die ein grosses Arbeitspensum ausserhalb des Heims bewältigen; dann eine Freundin aus der Kirche, die drei Jungs grosszieht und Teilzeit als Lehrerin arbeitet – und viele mehr. Und obwohl ihre Art, Mutter zu sein, und ihre Lebensstile sich stark unterscheiden, haben sie alle etwas gemeinsam: Wenn ich sie mit ihren Kindern sehe, sehe ich die Liebe, die Annahme und den Stolz, die sie für ihren Nachwuchs empfinden. Ich sehe, wie sie die Kinder anleiten, ermahnen und ermutigen, ihnen zuhören, sich mit ihnen freuen und mit ihnen leiden. Und ich sehe an den Kindern, was für eine Auswirkung die Liebe ihrer Mütter auf sie hat. Ich sehe, gerade über mehrere Jahre, wachsendes Selbstvertrauen, wachsende Erkenntnis, wer man ist und was man kann, aber auch Fröhlichkeit und Unbeschwertheit. Und die Fähigkeit, selbst tief zu empfinden, mitzufühlen und zu lieben.

Sehe ich auch andere Momente der Mutterschaft? Oh ja. Ich sehe auch Frust, ich höre auch mal laute, genervte Worte. Mutter sein ist ganz sicher nicht nur eitel Freude, und sollte jemals jemand geglaubt haben, er könne das Leben penibel im Griff haben, dann dürfte es mit diesem Glauben mit dem ersten Atemzug des eigenen Kindes vorbei sein. Vielleicht sogar schon davor; vielleicht in dem Moment, in dem man erfährt, dass ein Leben in einem  heranwächst.

Bettina 40 14 kleinjpg
Meine Schwester im Kiga – früht übt sich!

Die Mütter, die ich kenne, glauben ganz verschiedene Dinge. Die einen glauben fest an Gott, die anderen nicht. Aber alle sind sich gerade durch die Mutterschaft bewusst geworden, dass sie nicht alles unter Kontrolle haben und dass man damit leben muss, sein Kind nicht vor allem beschützen, seinen Weg ins Leben letztlich nicht steuern zu können. Und ich bin überzeugt, dass jede von ihnen dadurch einen tieferen Blick in das Leben und seinen Wert an sich gewonnen hat; sich verändert und verwandelt hat.

Liebe Mütter in meinem Leben, und liebe Mütter auf der Welt: Ich feiere Euch. Ich entbiete Euch meine Achtung für diesen schwierigen, gleichzeitig  erfüllenden wie herausfordernden Job, der keinem anderen gleicht. Ich feiere Euer Muttersein, ganz egal, wie Ihr es lebt, und egal, was Ihr glaubt: Heute segne ich Euch und Eure Kinder. Mögen sie blühen und gedeihen und in ihrem Leben das entwickeln können, was in sie hineingelegt wurde.

Be all blessed!

Gerade habe ich mir einen österlichen Videoclip angesehen. Zum Hymnengesang des Mormon Tabernacle Choir ersteht Jesus von den Toten, sieht dabei aus wie ein weisser American Football Star und segnet im leuchtenden Gewand die Massen; alles dermassen kitschig, dass es zumindest mich nicht besonders berühren kann – wären da nicht die Wundmale. Die Wundmale am Leib des Auferstandenen.

Jesu makelloser Auferstehungsleib trug immer noch Löcher an den Stellen, an denen er „wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden“  durchbohrt wurde, wie es bei Jesaja heisst. „Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt.“

Dieses Bild rührt und bewegt mich mehr, als ich artikulieren kann. Es verbindet den Triumph der Auferstehung mit dem dafür erduldeten Leiden und schafft Raum für die tiefe Wahrheit, dass es den Triumph ohne das Leiden nicht gibt, aber auch dafür, dass der Triumph nun endgültig, der Tod trotz der Wundmale besiegt ist.

In diesem Bild liegt eine Spannung, die manchmal schwer zu ertragen ist, und  manchmal lösen wir die Spannung auf, indem wir eine der beiden Seiten ausblenden. Lange Zeit wurde im traditionellen europäischen Christentum das Leiden in den Vordergrund gestellt. Der Lohn dieses Leidens auf Erden wartet dabei im Himmel, und der Triumph der Auferstehung rückt in die Ferne. Diese Richtung malt ein trockenes, hoffnungsloses Bild des Christenlebens auf Erden; ein Leben, in dem Wunder und Verheissungen wenig Platz haben.  Es ist ein Bild der Pflichterfüllung, in dem Leiden, die mich treffen, einfach anzunehmen sind – der Herr will es so, so sei es.

Heute ist dieses trocken-düstere Bild stark in den Hintergrund gerückt. Seit mehreren Jahren liegt der Schwerpunkt der tonangebenden Freikirchen auf der Auferstehung ohne das Leiden. Jesus trägt keine Wundmale; das Leiden wird ausgesperrt und verdrängt. Gott will alle heilen, und wenn Heilung auf sich warten lässt oder gar ausbleibt, ist es sicher nicht Gottes Schuld, sondern meine.

In dieser Theologie ist alles möglich, und mit ihrer Hilfe wollen wir das auch. Wir wollen mehr, aber nicht mehr Gott, sondern mehr Wunder, mehr Heilung, mehr Segen, mehr Bekehrungen und am Ende die Weltherrschaft.

Diesem Bedürfnis, die Spannung aufzulösen, liegt in beiden Fällen Angst zugrunde. Während die einen Angst vor der Macht und Verantwortung haben, die uns in der Auferstehung gegeben wird, haben die anderen Angst vor der Unsicherheit und Machtlosigkeit, die im Leiden liegt. Aber Auferstehung und Leiden gehören zusammen: Die Wundmale an den Händen des Auferstandenen waren da; in der triumphalen Ankunft des wahren Lichts, des Weissen, des Guten trug der Herr die Wunden des Leidens, das diesen Triumph ermöglichte.

Wenn wir uns nur auf das Leiden konzentrieren, nehmen wir die Macht und Autorität, die wir als Christen durch Jesu Tod und Auferstehung erhalten haben, nicht in Anspruch und werden unserer Aufgabe nicht gerecht. Aber wenn wir uns nur auf die Wunder und den Triumph konzentrieren, blenden wir aus, dass die Welt, in der wir leben, nun mal nicht ganz von Gottes Reich durchdrungen ist. Es ist da und nicht da; es bricht an immer mehr Orten und immer häufiger an, aber nicht vollständig.

Die Zeit, in der ALLE Tränen abgewischt werden, wird erst erfüllt sein, wenn der Herr wiederkommt. Bis dahin müssen wir diese Spannung ertragen und dürfen in unserer Theologie auch das Leiden nicht vergessen – die Fragen ohne Antwort, die Krankheit ohne Genesung. Ja, Gott ist alles möglich. Ja, er will unser Bestes. Aber daraus abzuleiten, wir wüssten genau, was passieren muss, und damit unsere menschlichen Wünsche den Absichten Gottes aufzudrücken, ist anmassend.

Gott ist mehrere Nummern grösser. Er hört, erhört unsere Gebete, aber was er tut oder nicht tut, werden wir nicht immer verstehen. So sehr wir uns danach sehnen mögen: Es gibt kein Rezept dafür, irgendetwas von Gott zu bekommen, und wer solche Rezepte verkauft, nützt nur sich selbst. Der Glaube an Gott ist kein Rezept für unser Glück auf Erden, die Erfüllung all unserer Wünsche. Glaube ist Beziehung zum Allmächtigen; ihm nachfolgen, in Triumphen und im Scheitern. Und allfällige Allmachtphantasien abzugeben.

An diesem Ostermontag umarme ich beide Interpretationen der Wundmale – die Erinnerung an das Leiden, aber auch den Beweis des Triumphs über den Tod. Ich umarme die Spannung, dass Gott alles möglich ist und ich sein Werkzeug zu Grossem sein darf, dass ich manchmal aber auch mit jemandem in der Dunkelheit ausharren soll.

Vor kurzem hatten wir im Kleintheater Grenchen einen Künstler zu Gast, auf den ich mich schon lange gefreut hatte. Ich wurde nicht enttäuscht: Stefan Waghubinger präsentierte fast zwei Stunden superber Unterhaltung. Trocken und lakonisch, tiefgründig, gleichzeitig alltagsnah und transzendental plauderte er über das Leben, den Glauben, die Steuererklärung und vieles mehr. Viele seiner Texte klingen nach, aber einer ist mir besonders geblieben, weil er etwas ansprach, das mich oft beschäftigt.

Waghubinger hat über sein Leben philosophiert und darüber, was dieses Leben ausmacht. Er hat sich die Frage gestellt, ob er etwas anders haben möchte und ob andere es besser haben. Dann sagte er lakonisch, so ganz tauschen möchte  er dann doch mit keinem.

So simpel er klingt, sagt dieser Satz enorm viel aus. Mir zeigt er, welchen Irrweg wir betreten, wenn wir andere um etwas beneiden.

Wenn wir Neid empfinden oder etwas begehren, was ein anderer hat, sagen oder denken wir schnell mal, dass wir gern „wären wie xy“ oder dessen Leben hätten. Etwas Bestimmtes erregt unsere Aufmerksamkeit oder unseren Neid – ein hoher Lebensstandard, Berühmtheit, ein knackiger Po, eine tolle Stimme, das super Selbstvertrauen, die Traumfamilie, eine verantwortungsvolle, prestigeträchtige Position – und wir möchten „das“ auch. Wir fragen uns, warum er/sie und nicht wir „das“ hat. Aber obwohl wir vielleicht kurz denken, dass wir mit ihm oder ihr tauschen möchten, wollen wir das im Grunde gar nicht.

Wir hängen an unserem Leben, so unzulänglich  und nicht perfekt es auch sein mag. Wir wollen unser Paket nicht tauschen.

Würden wir unsere Kinder hergeben, um den tollen Job zu bekommen? Unseren Beruf, um dafür den Knackpo zu kriegen? Nicht wirklich. Kommt dazu, dass bestimmte Pluspunkte auch bestimmte Minuspunkte nach sich ziehen. Die verantwortungsvolle Position geht mit Sicherheit mit einer gehörigen Portion Stress einher, mit wenig Zeit für Hobbies und anderes. Wollen wir das auch? Natürlich nicht. Wenn wir jemanden beneiden, dann sehen und wollen wir nur die Sahneseite und dazu alles, was wir sonst haben – also etwas, das es gar nicht gibt.

Dummerweise fällt uns das Beneiden leicht, und diese Neigung in uns wird von der Welt, in der wir leben, noch angeheizt. Die Werbung gaukelt uns vor, was wir alles haben könnten undzeigt uns das Neueste, das natürlich viel besser ist als das, was wir haben. Und falls wir es dann noch nicht wollen, sehen wir es an unseren Bekannten oder Freunden, und spätestens jetzt müssen wir es auch haben. Denn die Werbung vermittelt ja nicht nur, wie toll etwas ist und jeder, der es hat, sondern auch, dass jeder, der es nicht hat, keine Ahnung hat und nicht zum auserwählten Kreis gehört.

Abgesehen davon, dass dieser Drang des Neidens und Vergleichens unseren Geldbeutel belasten kann, hat er noch ernstere Folgen. Oft neiden wir anderen auch Gaben und Talente. Wenn wir glauben, dass andere mehr Talente haben und wir zu kurz gekommen sind, wird unser Blick für die Gaben getrübt, die uns geschenkt wurden. Und was wir nicht sehen, setzen wir nicht ein. Dabei ist das,  was wir sind und haben – all unsere Erfahrungen, unser Gaben, unsere Gegenwart mit all ihren Freuden und Leiden – der Stoff, mit dem wir die Welt prägen können.

Ich beneide selten jemanden, bin aber nicht immun. Aktuell bin ich am anfälligsten, wenn mir andere auf ihrem Weg zum Autor ein paar Schritte voraus sind oder Wege einschlagen, die für sie funktionieren, von denen ich aber weiss, dass sie nichts für mich sind. Wenn ich lese, dass eine Autorin innert sechs Monaten schon wieder ein Buch veröffentlicht hat und das nächste auch gerade fertig wird, kriege ich ab und zu ein flaues Gefühl im Magen und frage mich, warum ich nicht schneller arbeiten kann. Gleichzeitig weiss ich, dass mein Buch die Zeit braucht; nicht weil es besser, sondern weil es anders ist und ich anders bin.

Meistens jedoch kann ich Neid auf der Seite lassen, und vier Punkte oder Gedanken unterstützen mich dabei. Der erste ist Glückssache, zum zweiten habe ich beigetragen, der dritte ist eine Erkenntnis, die jedem offensteht. Der vierte ist transzendental und die Wurzel.

Zum einen habe ich tatsächlich viel von dem, was mir persönlich wichtig ist: viel Freiraum, eine Arbeit, die mir gefällt, daneben Zeit für meine Schreib- und Musikprojekte. Eine gute Gemeinschaft. Freunde, die mich nehmen, wie ich bin; eine tolle Familie, einen Mann, der mich in allem unterstützt und der dieses seltsame Wesen, das ich bin, versteht (oder zumindest nicht schreien davor flüchtet).

Zum zweiten habe ich mich mit bestimmten Mängeln oder Eigenarten meinerseits versöhnt. Ich würde die dickeren, gewellteren Haare immer noch nehmen, aber ich habe die Gegebenheiten der Natur akzeptiert. Ich wünsche mir nicht mehr, extrovertierter zu sein, sondern kann damit leben, dass Menschen mich im ersten Moment für etwas reserviert halten, und vertraue darauf, dass die Menschen, auf die es ankommt, tiefer sehen.

Zum dritten ist mir bewusst geworden, wie trennend und zerstörend Neid sein kann. Egal, ob es um die Erfolge anderer Autorinnen geht oder um bessere Gesangskünste, um ein tolleres Aussehen oder mehr Selbstvertrauen: Wenn ich andere beneide, treibe ich einen Keil zwischen mich und diese Menschen, und das ist lebenshindernd.

Zum vierten und letzte gibt es zumindest für mich nur eine Wurzel, die wirklich vom Neid befreit. Es ist die Gewissheit, dass weder das Mass an Gaben und Talenten, das ich habe, noch die existierende oder fehlende Anerkennung etwas über meinen Wert als Mensch aussagen. Wenn ich begriffen habe, dass dieser Wert unveräusserlich und unveränderlich ist, weil er mir von Gott gegeben wurde, kann ich anderen befreit gönnen, was Gott ihnen schenkt.

Damit werde ich frei, zu sehen und zu schätzen, was er mir gegeben hat, und das Beste aus mir herauszuholen – zu meiner Freude und zum Wohl aller anderen.

Wo seid Ihr anfällig für Neid? Im Kilobereich oder im Postenbereich, bei der Nasenform oder beim Gehaltscheck? Bei der Kinderzahl oder beim Handymodell? Ich freue mich auf Euren Kommentar!

Der Erste Advent kommt mir in aller Regel zu früh. Ich kann an einer Hand abzählen, in welchen Jahren ich auf den Termin tatsächlich einen Adventskranz im Haus hatte oder wann das Kripplein schon aufgestellt, geschweige denn eine opulente Bekränzung und Schmückung der Wohnung vollzogen war. Ich finde das alles zwar schön (genauso wie ein aufgeräumtes, sauberes Haus), aber irgendwie kriege ich es einfach nicht hin (genauso wie…Ihr wisst schon).

Dieses Jahr ist keine Ausnahme – wenn überhaupt, ist es noch schlimmer als sonst. Mein Mann und ich sind gestern von ein paar Tagen Italienferien nach Hause gekommen, waren nicht mehr einkaufen und hatten vor der Abreise auch nichts mehr unternommen, um das Haus herzurichten. Aber das macht mir nichts aus, denn dass ich zu nichts kam, hat einen Grund. Das Wichtigste, was ich auf den Ersten Advent bereit haben wollte, ist geschafft:

„Echtes Licht“, mein Weihnachtsgeschenk an Euch und die Welt, ist veröffentlicht und auf meiner Shopseite zum Gratis-Download erhältlich. Ich freue mich riesig!

Ich vermeide es normalerweise, hier auf dem Blog viel Werbung für meine „Produkte“ zu machen, aber heute mache ich aus mehreren Gründen eine Ausnahme: Zum einen, weil das Lied gratis zu haben ist, weil ich mir sehr wünsche, dass viele von Euch es hören, und weil das Lied an das rührt, was mir auch auf dem Blog am wichtigsten ist.

Ich bin nun seit über drei Jahren am Bloggen, und meine Snacks haben unterschiedlichste Formen angenommen. Mal waren sie leicht, süss und luftig, mal voller Ballaststoffe, mal trockener und manchmal auch schwer verdaulich. Ich habe Euch an meinen Kämpfen und Freuden teilhaben lassen, und vielleicht habe ich es mit den Kämpfen manchmal etwas übertrieben.

Mit dem Release von „Echtes Licht“ ist mir wieder bewusst geworden, dass es mir in meinem Leben und meinem Schaffen vor allem um zwei Dinge geht: Ich möchte Licht, aber auch Wahrheit verbreiten.

Viele beanspruchen für sich, dass sie Licht verbreiten, aber nicht überall, wo Licht draufsteht, ist auch welches drin. Sehr oft ist das vermeintliche Licht trügerisch, und die Hoffnung und der Sinn, die es uns versprochen hat, stellen sich als Trugschluss heraus und locken uns auf einen Pfad, der uns dunkler, hungriger und trauriger zurücklässt. Darum ist Licht nur mit Wahrheit wirklich wertvoll; darum verschreibe ich mich nicht nur dem Licht, sondern auch dem Wahren.

Es mag anmassend wirken, wenn ich so von der Wahrheit spreche, aber im Grunde glaubt ja jeder von uns etwas – und ich kann nur über das schreiben, was mich selbst überzeugt. Was ich glaube, warum ich es glaube, wie ich dahingekommen bin und was es in mir bewirkt hat – das und mehr klingt in „Echtes Licht“ an. Das Video dazu wurde in Bern aufgenommen, der Stadt, die mit meiner Suche eng verbunden ist.

Ich hoffe, dass Ihr Euch das Video anschaut und Euch den Song holt, und ich hoffe noch mehr, dass er Euch in dieser Adventszeit ein Licht ist sein kann. Damit wünsche ich Euch eine schöne, besinnliche Adventszeit. Sucht und findet Momente der Stille, des Staunens, des Wunders und des Wunderns in dieser hektischen Zeit. Und auf bald…!