Das halbe Jahr ist um! Das bringt mich zur Frage, wie ich es bisher mit der Balance gehalten habe. Balance zwischen Gesundheit und Genuss, Arbeit und Ausspannen, Balance zwischen Anspruch und Zuspruch im Christenleben – und zwischen klarer Doktrin und Einheit der Christen. Wann sollten wir uns abgrenzen, wann mit anderen zusammenarbeiten, auch wenn wir nicht in allen Punkten übereinstimmen?

Heute jährt sich zum 130. Mal der Todestag eines Mannes, den ich für seinen Umgang mit solchen Konflikten bewundere und dessen Scharfsinn, Humor und Gottesfürchtigkeit mich beeindrucken. Philipp Anton von Segesser, geboren 1817 als ältester Sohn einer Luzerner Patrizierfamilie, durchlief die klassische Laufbahn eines Mannes seiner Klasse und Konfession –  Gymnasium, dann Studien des Rechts und der Geschichte an deutschen Universitäten, weil die Schweiz noch keine katholische Lehranstalt hatte. Er kehrte zurück, heiratete, wurde Ratsschreiber. Doch dann wurde seine Welt auf den Kopf gestellt: Die liberalen Kräfte im Land siegten, und nach dem Sonderbundskrieg stand Luzern auf der Verliererseite und wurde von eidgenössischen Truppen besetzt.

Trotz grosser Verbitterung über die Kriegsniederlage und trotz des teilweise harten Umgangs der neuen Eidgenossenschaft mit den Verlierern setzte sich Segesser im neu geschaffenen Nationalrat als einer der wenigen katholisch-konservativen Politiker für die Interessen seines Kantons ein. 1863 bis 1867 war er Regierungsrat, aber seine grosse Stunde schlug 1871, als die Konservativen in Luzern die Macht zurückerlangten und man ihn erneut in dieses Amt wählte. Er war nicht sonderlich erpicht auf diesen Posten, aber er nahm an und durfte sich gleich einer grösseren Krise widmen – den Geburtswehen des Kulturkampfs.

Nachdem die Kurie im Sommer 1870 das Unfehlbarkeitsdogma verkündigt hatte, formierte sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz Opposition. Viele Katholiken im Land forderten eine Nationalkirche. In der Schweiz vermischten sich die Konflikte mit dem Kampf um die Verfassungsrevision, die eine starke Zentralisierung vorsah und den Einfluss der Kirche im Staat nicht nur minimieren, sondern die Vorzeichen umkehren sollte. Segesser, obwohl frommer Katholik, stand dem Dogma kritisch gegenüber, war aber überzeugt, dass die theologischen Konflikte innerkirchlich und nicht durch Abspaltung gelöst werden sollten. Damit stand er in Opposition zu einflussreichen Kreisen in seinem Kanton und im Bistum Basel, in dem sich intensive Kämpfe abspielten. Die liberale Solothurner Regierung setzte ihren Bischof Eugène Lachat ab, weil er einen Pfarrer exkommuniziert hatte, der öffentlich gegen das Dogma Stellung bezogen hatte. Lachat wurde mit Polizeigewalt aus seinem Bischofssitz vertrieben und begab sich unter Segessers Fittiche nach Luzern.

Segesser war bewusst, dass Luzern in dieser explosiven Situation besonnen vorgehen musste, um von den tonangebenden liberalen Kantonen nicht des katholischen Fanatismus bezichtigt zu werden. Seine Überlegungen können wir seiner umfangreiche Korrespondenz entnehmen, in der sein kluger Sinn für Mässigung und sein starker Glaube zum Ausdruck kommen. Doch was ich an am meisten bewundere, ist Segessers Blick über die konfessionellen Mauern. Zu seinen engsten Freunden zählten die Protestanten Eduard von Wattenwyl und Johannes Schnell, und in ihrem Briefwechsel wird deutlich, dass sie sich bewusst sind, auf den gleichen Gott zu vertrauen, und dass sie sich von den Scharmützeln zwischen den Konfessionen in ihrer Freundschaft nicht beirren lassen. Wie es Segesser nach dem Tod Wattenwyls in einem Brief an Schnell ausdrückte:

«Wir haben so viel Gemeinsames im Glauben und in der Liebe,
dass wir uns von dem, was wir nicht gemeinsam haben,
nicht stören lassen dürfen.»

Überhaupt fühle ich eine Nähe zu diesem Mann, der seine Freundschaften offenbar ganz ähnlich lebte wie ich. Freund Schnell schrieb ihm nach dem Tod Wattenwyls:

«Sonst kann ich zu meiner Gemeinschaft [mit Segesser] nichts hinzufügen,
sie enger nicht schliessen, als es innerlich schon ist.
Zeichen davon sehen Sie wenig.
Ich lege es auch nicht darauf an, sowenig als Sie.
Wir sind Einer des Andern sicher.»

Natürlich hatte auch Segesser seine Schattenseiten. Er konnte giftig und herablassend sein und war schnell mit Begriffen wie «flottanter Pöbel» zur Hand. Den Patrizier streifte er nie ab, aber er interpretierte in diese Stellung auch eine grosse Verantwortung für «sein Volk». Die Industrialisierung mit ihren Eisenbahnen und mit dem Tourismus, der in Luzern zu florieren begann, beargwöhnte er; ihm war die alte Zeit lieber. Als der Schweizer Bundespräsident und der Vizepräsident eine Sondermission der Japaner mit fünf Botschaftern in der Schweiz begrüssten – vor allem, um den gegenseitigen Handel zu fördern – und auf der Rigi die Eröffnung der Bahnstrecke Staffelhöhe-Rigikulm feierten, war Segesser nicht dabei. In einem Brief schrieb er:

«Die Ovationen für die Japaner kommen mir ohnehin lächerlich und ekelhaft vor.
Wofür sollen wir Leute feiern, die nicht einmal die Proskription des Christentums aufheben! Sie müssen uns als bettelhafte Krämer ohne Charakter betrachten.»

Segessers Welt gibt es nicht mehr, aber wenn ich seine Korrespondenz lese, berührt es mich, wie sich die Konflikte zwischen den Menschen über die Jahrhunderte in den gleichen Bahnen bewegen. Streitereien wegen Glaubensfragen, politische Scharmützel, aber auch ganz persönliche Nöte, wenn Segesser über die schwankende geistige Gesundheit seiner Frau schreibt oder über die jungen Hunde, die seine Tochter wollte und die sich im ganzen Haus breitmachen, ihm überallhin nachlaufen und sogar sein «Refugium» bedrohen.

Und in Segessers Haltung in Glaubensfragen finde ich die «Balance», die ich praktizieren möchte: in der Glaubensgemeinschaft, der ich angehöre, für gesunde Doktrin einstehen, in der Zusammenarbeit mit anderen nach Menschen suchen, die den gemeinsamen Nenner teilen. Und Freundschaften? Die gehen ohnehin über alle Glaubensgrenzen hinweg. Das hat Segesser vorgemacht, und wie er «Mann zwischen den Fronten» war, sind es wir Christen in einer säkularen Welt. Auch wir stehen immer wieder vor der Frage, wann und wie wir für unsere Werte Stellung beziehen und dennoch mit Liebe sprechen.

Eine «Balance», die uns mehr abverlangt als bequemes Schweigen oder selbstgerechtes Moralisieren – die sich aber lohnt.

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AbstimmungMeine erste Wahlerinnerung ist der Esszimmertisch, an dem wir Wahlzettel falteten und in Couverts verpackten, wenn sich unser Vater für die Gemeinde-, Kantonsrats- und einmal für die Nationalratswahlen bewarb. Während die Packerei vor allem wegen des kleinen Zustupfs ans Taschengeld interessant war, versprach der Wahlsonntagsnachmittag im Kreise der Partei eine Menge Drama und Spannung.

In Grenchen versammelten sich die Sozialdemokraten früher im ehemaligen „Volkshaus“ und damaligen Restaurant Touring, um in einer Mischung aus Hoffnung und Aufregung auf die Wahlresultate zu warten. An den Wänden hing Papier, auf dem die Namen der Kandidaten und die derzeit bekannte Stimmenzahl standen. Regelmäßig rief jemand im Stadthaus an, um zu erfahren, was es Neues gab. War die letzte Stimme dann ausgezählt und das Endresultat bekannt, wurde entweder gejohlt oder gejammert, und im Anschluss machten die Parteiverantwortlichen den Kondolenz- oder Gratulationsbesuch bei den anderen Parteien.

An diesen Erinnerungen lässt sich unschwer erkennen, dass ich in einem hochpolitischen Haushalt aufgewachsen und als Tochter zweier feuriger Sozialdemokraten im doppelten Sinn politisch „sozialisiert“ wurde. Den Höhepunkt dieser Identifikation stellt ein Aufsatz dar, den ich an der Kantonsschule schrieb und der den Titel trug: „Warum ich die SP gut finde“. Ich bekam dafür die Höchstnote, bin mir aber bis heute nicht sicher, ob es an meiner schlüssigen Argumentation oder an den allfälligen roten Sympathien meines Deutschlehrers lag.

Folgerichtig trat ich mit zwanzig der Partei bei und erhielt, wie es damals üblich war, ein Parteibüchlein in rot mit aufgedruckter Rose in geballter Faust. Ein letztes Resultat meiner roten Jugend ist zudem mein Vulgo in der Studentenverbindung: nach einem entsprechenden Einstiegsbeitrag meinerseits taufte man mich „Prawda“, Name einer damaligen Moskauer Zeitung und offizielles Sprachrohr der Sowjetführung.

Das ist nun beinahe 25 Jahre her, und seitdem haben sich die Gewichte bei mir etwas verschoben. Ich kann mich immer noch mit vielen Anliegen der SP identifizieren, bin aber kein Parteimitglied mehr und habe auch kein Bedürfnis, mich einer anderen Partei anzuschließen. Da ich die Begabung und Freude an der Politik nicht geerbt zu haben scheine, ist das auch nicht unbedingt notwendig.

Heute suche ich mir meine Kandidaten eher nach der Übereinstimmung in sachpolitischen Fragen aus, was mit Smartvote wunderbar geht. Man muss für das Ausfüllen etwas Zeit aufwenden, bekommt dafür aber eine Liste mit den am besten passenden Parteien und Kandidaten. Bei meiner etwas ungewöhnlichen Weltanschauungsmischung komme ich bei den besten Treffern immerhin noch auf 58% Übereinstimmung.

Obwohl das Wahlmaterial noch nicht eingetroffen ist, nähern wir uns dem Höhepunkt des diesjährigen Wahlkampfs und damit dem Moment, wo einem das Ganze bei aller Freude an der Demokratie langsam auf die Nerven geht. Die hoffnungsvollen Kandidaten, die auf jedem Acker und von jeder Straßenlampe auf einen herunter lächlen und alle regionalen Anlässe bevölkern, die Dauerpräsenz des Themas in den Zeitungen und die ans Idiotische grenzenden Wahlfilmchen strapazieren unsere Geduld. Und egal, wen man wählt, scheint sich in unserer behäbigen schweizerischen Konkordanz nur im Zeitlupentempo etwas zu verändern. Manchmal beschleicht einem das Gefühl, dass am Ende sowieso alles beim Alten bleibt und man sich die Mühe auch sparen könnte.

Auch mir geht es zwischendurch so, und ich gebe zu, dass ich auch schon mal eine Wahl verpasst habe. Dennoch: Je älter ich werde, desto mehr entwickle ich mich zur glühenden Anhängerin einer konsequenten Ausübung unseres Stimm- und Wahlrechts. Sicher hat meine ursprüngliche politische Sozialisierung damit zu tun, zu der auch der sonntägliche Gang ins Wahlbüro mit den Eltern gehörte. Ein weiterer Punkt mag sein, dass mein früherer Pastor einmal sagte, Nichtwählen sei eine Sünde (was er sicher nicht ganz ernst gemeint hat). Vor allem aber finde ich, dass wir ein verdammtes Glück haben und das gefälligst wahrnehmen sollten.

Die Wahlen mögen manchmal nicht viel ändern, und auch Politiker sind nur Menschen mit Schwächen und Fehlern. Aber wir KÖNNEN wählen, und das frei und ohne Bedrohung. Das war selbst in unserem Land nicht immer selbstverständlich. Bei den kantonalen Abstimmungen zur Verfassungsrevision von 1848 hat schon mal ein Luzerner Kommandant entschieden, welche seiner Soldaten Urlaub bekamen und welche nicht (die Liberalen bekamen ihn, die Konservativen nicht), und beim Auszählen im selben Kanton wurden die Nichtstimmenden zu den Ja-Stimmen geschlagen. Vor Abstimmungslokalen kam es zu Bedrohungen gegenüber Konservativen und zu Schlägereien. Von dem, was heute im Rest der Welt an Unterdrückung, Mauscheleien und Betrug abgeht, wollen wir gar nicht reden.

Wahlabstinenz mag keine Sünde sein, aber wer die Möglichkeit hat und nicht hingeht – das meine bescheidene Ansicht – sollte danach bitteschön aufs Maul hocken. In dieser Hinsicht überlege ich mir die Lancierung einer „Maulkorbinitiative“: Wer in diesem Land stimm- und wahlberechtigt ist und nicht wählen geht, verliert für vier Jahre jedes Recht, sich mündlich oder schriftlich zu beschweren. Zuwiderhandlungen werden mit gemeinnütziger Arbeit, im Wiederholungsfall mit einem verordneten Fernsehmarathon aus „Arena“, „Schawinski“ und Wahlfilmchen der SVP bestraft. Wer seine Pflicht tut, darf hingegen, wie es sich gehört, schon am Abstimmungssonntag lauthals feiern oder jammern und dann vier Jahre lang lamentieren, was alles nicht so läuft, wie es sollte. Das allein sollte doch jeden professionellen Stänkerer an die Urne treiben!

Spaß beiseite: Es wäre wirklich wünschenswert, wenn sich wieder mehr Schweizer dazu bewegen ließen, den Weg an die Urne anzutreten. Unter all den Kandidaten hat es sicher genug, die ein aufrichtiges Interesse am Wohl des Landes haben und unter diesem Wohl etwas ähnliches verstehen wie Du oder ich. So sollte jeder und jede in der Lage sein, ein paar Kandidaten zu finden, die er mit Überzeugung auf seinen Zettel schreiben kann.

Warum nicht gleich heute bei Smartvote vorbeischauen, die Fragen beantworten und schauen, wen das Orakel ausspuckt? Ich habe es getan und mich gefreut, dass mein Cousin Matthias Meier-Moreno, der für die CVP in den Ring steigt, es auf Platz drei in meiner Auswahl geschafft hat. Nun habe ich neben dem familiären auch noch einen pragmatischen Grund, den politischen Fackelträger unserer Familie zu wählen und ihm hier – so parteiisch will ich sein – von Herzen Erfolg zu wünschen.

Also Leute, ab an die Urnen – und heute in einem Monat treffen wir uns dann zum ersten hochoffiziellen Jammern, Frohlocken, Leiden und Johlen. Ich freue mich!

Nicht nur an die Schweizer: Wie schaut es aus? Geht Ihr immer an die Urne, selten oder nie? Und warum? Ich freue mich auf Euren Kommentar!

AbstimmungHeute war einer der Abstimmungssonntage in der Schweiz, und ich war wieder einmal „old style“ dabei: ab ins Wahllokal, Stimmausweis hinlegen, Zettel in die Urne werfen. Allerdings nur unfreiwillig und als Folge selbstverschuldeter Ungeschicktheit.

 

Erst war ich beim Öffnen des Unterlagenmaterials so ungeschickt, den Umschlag zu beschädigen. Ich füllte meine Zettel aus, packte sie ein und klebte den Umschlag notdürftig zu. Dann nahm ihn mit zur Arbeit, um ihn dort in die Post zu werfen – und merkte im letzten Moment, dass ich den Stimmausweis nicht unterzeichnet hatte. Also riss ich den Umschlag wieder auf, klaubte den Stimmausweis heraus, kritzelte meine Unterschrift auf die getüpfelte Linie und verstaute alles mit Mühe wieder an den richtigen Ort. Allerdings sah der Umschlag jetzt aus, als hätte ihn auf gutschweizerisch „e Chue i der Schnore gha“ (Nichtschweizer dürfen gern raten – im Notfall hilft das untere Bild). Da ich nicht sicher war, ob die Wahlbüroverantwortlichen dieses Machwerk akzeptieren würden, blieb mir nichts anderes übrig, als nach alter Schule den Weg an die Urne unter meine Füße zu nehmen.

Pixabay Kuh

Bild: Pixabay

Ich habe es nicht bereut. Das Wetter war heute wunderbar, und der kleine Spaziergang hat mich erfrischt und auf den Sonntag eingestimmt – und mir die Gelegenheit verschafft, darüber nachzudenken, wie privilegiert ich bin.

Ich darf wählen und abstimmen, darf mich zu großen und kleinen politischen Angelegenheiten in meinem Land, meiner Region und meiner Gemeinde äussern – und es wird mir leicht gemacht. Wenn ich es schriftlich tun will, brauche ich keinen Antrag zu stellen, damit man mir das Material schickt. Es kommt von selbst frei ins Haus, und ich brauche nur den Stimmausweis zu unterschreiben, meine Jas und Neins einzusetzen, alles wieder in denselben Umschlag zu packen und ihn zuzukleben, zu frankieren und in den nächsten Briefkasten zu werfen. Alles, was es mich kostet, ist die Zeit, mich schlau zu machen und alles auszufüllen, sowie eine Briefmarke. Und nicht einmal die ist zwingend: ich kann auch bei der Einwohnergemeinde vorbeifahren und den Umschlag dort in den Briefkasten werfen.

Wenn ich diese luxuriösen Möglichkeiten der Mitbestimmung vor Augen habe und dann einen Blick auf die chaotischen Verhältnisse und autoritären Systeme rund um den Globus werfe, kommen regelmäßig Dankbarkeit und Beschämung in mir auf. Dankbarkeit, weil ich in einem Land lebe, das mir so viele Möglichkeiten bietet. Ich darf nicht nur wählen und abstimmen – ich kann mich für jedes Amt zur Wahl stellen, darf meine Meinung sagen und meinen Glauben leben. Und Beschämung, weil diese Dankbarkeit so oft verschüttet und begraben ist, ich mich manchmal wie viele Schweizer von der Wahlurne fernhalte und lieber auf hohem Niveau darüber meckere, was alles nicht stimmt.

Tatsächlich ist auch das schweizerische System nicht perfekt. Unsere Demokratie ist schwerfällig, die parlamentarische Maschinerie läuft langsam. Lobbyisten üben ihren Einfluss auf das Parlament aus, und wirtschaftlich stärkere Gruppierungen können sich oft mehr Präsenz leisten. Populistische Meinungsmacher zielen mit vermeintlich einfachen Antworten auf die Schwächsten der Gesellschaft auf und haben damit auch noch Erfolg. In solchen Momenten frage ich mich, ob die direkte Demokratie, wie wir sie pflegen, wirklich das beste System ist.

Aber seien wir ehrlich: das perfekte System gibt es sowieso nicht. Und gäbe es eines, würde es der nicht perfekte Mensch sofort für seine Zwecke verbiegen. Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass unser System uns so viele Möglichkeiten bieten, und wir sollten dieses Glück ehren, indem wir abstimmen und wählen , anstatt nur im trauten Kreis herumzumeckern.

Die heutige Abstimmung ist aus meiner Warte übrigens nicht ganz zufriedenstellend verlaufen. Weitere Details werde ich für mich behalten – wer meine politischen Standpunkte kennt, kann ja eine Spekulation anstellen. Aber ich bin froh, dass ich meiner Bürgerpflicht nachgekommen bin, und will auch den nächsten Termin wahrnehmen – übrigens der 30. November. Und dann werde mir beim Aufreißen des Umschlags ein bisschen mehr Mühe geben – die Temperaturen dürften dann nicht mehr so spaziergangsfreundlich sein.

Wie hältst Du es mit der Bürgerpflicht? Gehst Du wählen und abstimmen? Für Nichtschweizer: beneidest Du uns um die direkte Demokratie, oder bist Du froh, dass Du das nicht auch noch musst? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!