Broken meIch habe eine Menge Spaß am Bloggen. Ich liebe es, meine Gedanken, Eindrücke, Albernheiten, offenen Fragen und Einsichten mit einer wohlwollenden Leserschaft zu teilen, und ich freue mich immer wie ein Schneekönig, wenn ich sehe, dass meine Beiträge gelesen werden.

Doch oft spüre ich beim Schreiben auch einen inneren Spagat: Ich möchte mit meinen Texten ermutigen, herausfordern und zum Nachdenken anregen, während ich selbst ein fehlerbehafteter Mensch bin, der jeden Tag dazulernt.

Vielleicht kennen Psychologen und Pastoren ähnlich schizophrene Gefühle: Wer von der Kanzel herunter „den richtigen Weg“ verkündigt oder in seiner Praxis Klienten berät, erweckt gewollt oder ungewollt den Eindruck, alles zu wissen und das Leben im Großen wie im Kleinen verstanden und im Griff zu haben. Dem ist natürlich nicht so – weder bei Pastoren, noch bei Psychologen und schon gar nicht bei kleinen Weisheitsperlen-Bloggern wie mir.

Dieses Wissen um meine tönernen Füße stört mich nicht, solange mein Leben in geordneten Bahnen verläuft und ich keine großen Klippen umschiffen muss. Dummerweise lassen sich die nie ganz vermeiden, und jedes Mal, wenn es wieder so weit ist und ich wie der Esel am Berg stehe, frage ich mich, wo ich eigentlich die Lizenz und die Berechtigung zum Darbringen meiner persönlichen Einsichten hernehme. Wie kann ich mich erdreisten? Müsste ich dafür nicht ein in jeder Hinsicht in sich ruhender, abgeklärter, problem- und krisenunbehafteter Mensch sein, der nie etwas Falsches tut, sich immer im Griff hat oder zumindest den Heiligenschein erster Stufe errungen hat?

Wenn ich diese Gedanken dann weiterspinne und mir vorstelle, dass Ihr alle von mir erwartet, jede niedergeschriebene Weisheit und Erkenntnis schon umgesetzt zu haben und in jeder Situation den Maßstäben jedes Posts gerecht zu werden, möchte ich mich am liebsten unter einem Stein verkriechen oder mich künftig auf Themen wie „Hortensienschneiden für Anfänger“ oder „Meine Top 5 Pasta-Sorten“ beschränken.

Zum Glück fällt mir dann meistens ein, dass es auf dieser Erdkugel keinen einzigen Menschen gibt, der wirklich ohne Makel ist und dass Kanzeln, Therapiepraxen und diese Ecke der Blogosphäre ohne all die fehlerhaften, noch nicht alles wissenden und umsetzenden Menschen leer wären. Dann krieche ich zögernd unter meinem Stein hervor, setze mich vorsichtig an den Laptop und fange wieder mit Schreiben an.

Und damit ich das weiterhin kann und nicht so schnell wieder unter den Stein muss, will ich es offiziell festhalten. Hier also mein „Etiam ego“-Geständnis:

Meine lieben Blogleser von fern und nah – ich liebe es, meine Gedanken mit Euch zu teilen und mich mit Euch darüber auszutauschen. Mein Herz springt, wenn ich sehe, dass meine Beiträge gelesen werden, und ich freue mich besonders, wenn Ihr etwas mitnehmen könnt. Ich bin sicher, dass Ihr das Folgende wisst und nichts anderes annehmt, aber ich schreibe es trotzdem – für mich und für die wenigen, so es sie geben sollte, die etwas anderes geglaubt haben.

Ich weiß nicht alles und kann nicht alles. Manchmal weiß ich, wie ich sollte, und tue es doch nicht. Und manchmal wache ich auf, reibe mir entsetzt die Augen und frage mich, wie in aller Welt ich bloß hierhin geraten konnte. Ich habe und mache meine Fehler. Ich strauchle, scheitere. Rapple mich wieder auf. Life is a mess – or is it me?

Ich hoffe, Ihr könnt damit leben. Ich selbst finde es befreiend, von anderen zu hören, dass sie auch Fehler haben. Das heißt nicht, dass wir unsere Macken zelebrieren oder darin verharren – es bedeutet, dass wir einander eingestehen, dass wir uns auf einem Weg befinden und uns gegenseitig ermutigen, auf diesem Weg weiter zu gehen. So helfen wir einander auch dabei, unser wahres Gesicht zu zeigen. Und für mich gibt es nichts Schöneres als Orte, an denen ich mich nicht maskieren muss.

Darum bin ich auch dankbar für meinen Glauben. Unter Menschen werden wir immer wieder darum kämpfen und uns davor fürchten, einander unsere Narben und Warzen zu zeigen. Ich bin dankbar, dass es in Jesus eine Person gibt, die mich hier und jetzt, mit allem Schönen und allem Hässlichen, allem Geheilten und allem Zerbrochenen bedingungslos annimmt und liebt. Auch er will mich nicht so lassen – er wird mein Leben lang geduldig zu mir sprechen und mir zeigen, wo ich noch Heilung und Veränderung brauche.  Aber weil ich weiß, dass er mich schon im unvollkommenen Zustand liebt, bin ich bereit, ihm auch offene Wunden hinzuhalten.

DrelliUnd zu guter Letzt:
Die Hortensienschneidtipps überlasse ich den Spezlialisten, aber meine liebsten Pastavarianten sind „Drelli“, „Krawättli“, „Spiräli“, „Müscheli“ und „Hörnli“. Wer jetzt noch weiss, wo ich meine Pasta kaufe, bekommt den goldenen Besserwisser.

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Blog AwardAnd now something completely different: a man with a taperecorder…nein, das war es nicht, dafür dies: Ich bin diese Woche zu besonderen Blogger-Ehren gekommen. Trix, die einen tollen Bog mit dem Namen „Das Leben ist wild!“ führt, hat mich für einen „Liebster Blog Award“ nominiert. Ich  fühle mich natürlich extremst gebauchpinselt und werde gern am „Liebster Blog Award“ Spiel teilnehmen.

Auch als Leser kannst Du davon profitieren – ich werde meine Lieblingsblogs prämieren, so dass Du ein paar neue Leseinspirationen mitnehmen kannst. Für Blogger hier kurz die Regeln:

  • Verlinke die Person, die Dich nominiert hat
  • Beantworte die von ihr gestellten 11 Fragen
  • Suche Dir 11 Leute mit entdeckenswerten Blogs, die unter 200 Follower haben, nominiere sie und informiere sie darüber
  • Überlege Dir selbst 11 Fragen für die neu nominierten Personen

Ziel ist es, die Sichtbarkeit von kleinen Blogs zu erhöhen, was ich natürlich toll finde. Für alle, die es interessiert, hier nun meine offiziellen Antworten auf die subversiven Fragen von Trix:

Was ist Dein Lieblingswort?

Liebe

Worum geht es in Deinem  Blog?

Um das Leben und was es zu bieten hat, darum, im täglichen Wahnsinn das Tiefe, Besondere und Schöne zu sehen, sich herausfordern und verändern zu lassen. Darum, wie Gott diese verrückte Leben durchzieht und was ich mit Ihm so erlebe.

Was inspiriert Dich?

Gott, Musik, die Natur, Bücher, Filme, Geschichte, Begegnungen….

Beschreibe Dich in drei Worten!

Fool for Christ – zu deutsch vielleicht „Verrücktes Huhn Christi“ (klingt einfach nur halb so gut).

Über was würdest Du gerne einmal schreiben?

Über die Zeit des Sonderbundskriegs in der Schweiz. Das klingt unglaublich trocken, aber diese Epoche mit Bürgerkrieg, konfessionellen Spannungen und der Entstehung unseres Bundesstaates fasziniert mich sehr.

Welche Themen interessieren Dich überhaupt nicht?

Handarbeit – Stricken und derlei war während meiner ganzen Schulzeit DAS grosse Demutsübungsfeld für mich.

 Was fängt Dich ein, wenn Du über einen anderen Blog stolperst?

Frische, Ehrlichkeit, Humor mit Tiefgang, ein guter, schnörkelloser Stil. Gern ein bisschen verrückt (dann fühle ich mich zuhause).

Dein Lebensmotto?

To God be the Glory

Dein Wunsch für 2014?

Dass mein aktuelles Projekt im Mai gut startet und viele Menschen inspiriert und ermutigt.

Ein No-Go für Deinen Blog? Was werden wir hier nie lesen?

„Das Häkeln einer Klopapierhülle in zehn einfachen Schritten.“ Spass beiseite: ich habe festgestellt, dass fast alle Themen möglich sind. Ich möchte aber niemals lieblos oder zu rechthaberisch sein.

Ist Dir schon mal was Verrücktes in Zusammenhang mit Deinem Blog passiert?

Ja – diese Woche hat mich so eine verrückte Bloggerin für einen Award nominiert.

***

Nachdem dieser Seelenstriptease geschafft ist, schreite ich zur Nomination meiner „Liebster Blog“-Awards. Vorab gestehe ich, dass ich es nicht auf 11 gebracht habe – ich lese viele englische Blogs, die mit dem Award wahrscheinlich nicht viel anfangen können, und wollte keine deutschen Blogs angeben, die ich nicht gut genug kenne. Also dann – here they are. Es würde mich freuen, wenn Ihr dem einen oder anderen Blog einen Besuch abstattet:

Der „Theolunke“ ist eine verdächtige Mischung aus Theologe und Halunke, was ich genial finde. Er bloggt über Glauben und Leben und scheut sich nicht, auch sehr kontroverse Themen aufzugreifen und seine Standpunkte zu behaupten. Das tut er mit sehr viel Respekt und einer guten Dosis Humor.

„Das Landei“ lässt uns an seinen Erfahrungen als Selbständige „aufm Land“ teilhaben, spannend, leichtfüssig und auch hin und wieder nachdenklich.

Sarah-Maria Graber bloggt auf „Die Wortfabrik“ in kleinen, enorm feinen Dosen über das Leben in all seinen Facetten. Ihr unvergleichlicher Stil, ihr Tiefgang und der Schalk, der zwischen den Zeilen hervorblitzt, machen einfach Spass.

Christian Döring rezensiert auf „Bücherändernleben“ regelmässig spannende christliche Bücher und stellt ihre Autoren vor. Oft gibt es die Gelegenheit, ein Exemplar zu gewinnen, und immer gute Ideen für neuen Lesestoff.

Kerstin lässt uns auf „Alltagseinsichten“ persönlich und authentisch an ihren Gedanken und Erkenntnissen teilhaben – sei es bei der Entrümpelung auf allen Ebenen oder beim täglichen Versuch, sich zu Neuem inspirieren zu lassen.

Maja sucht auf „MajasuchtdasGlück“ eben dieses  grosse und kleine Glück im Alltag, und das tut sie auf eine leise, sympathische und nahbare Art, die mir sehr gefällt.

Anna öffnet auf „Buchpost“ die Schätze ihrer umfangreichen Bibliothek und rezensiert ihre Bücher intelligent und tiefgründig. Sicher findest Du das eine oder andere wieder, was Du auch gelesen hast, oder kommst beim Lesen auf gute Ideen!

Anke hat auf ihrem Blog GOOD WORD FOR BAD WORLD zwar schon mehr als 200 Follower, aber ihre Schreibe ist so genial, dass ich sie Euch einfach nicht vorenthalten kann. Wer über den täglichen Wahnsinn mit Familie, Jobs, Haushalt und was dazugehört lesen und sich dabei ab und zu kugeln will – unbedingt reinlesen!

***

An die Nominierten: wenn Ihr Spass daran habt, könnt Ihr gemäss obigen Regeln am „Liebster Award“ Spiel teilnehmen; es würde mich natürlich freuen. Es ist aber keine Bedingung. Falls Ihr dabei seid, hier meine 11 heissen Fragen an Euch (einige von Trix fand ich einfach zu gut, um sie nicht auch zu nutzen:

  • Warum bloggst Du?
  • Was liebst Du am meisten daran?
  • Was findest Du eher heraufordernd?
  • Ist das Dein erster Blog, oder hast Du schon Erfahrung?
  • Was ist das Lustigste, was Du beim Bloggen erlebt hast?
  • Beschreibe Dich in drei Worten!
  • Was ist Dein Lebensmotto?
  • Was wünschst Du Dir persönlich für 2014?
  • Welche lebende Person inspiriert Dich?
  • Welche Themen inspirieren Dich?
  • Was machst Du, wenn Dir nichts einfallen will – oder gibt es das gar nicht?

Zum Abrunden und Auffüllen meiner Bloglist hier noch einige meiner liebsten englischsprachigen Blogs für Interessierte:

Kristen Lamb schreibt vor allem für andere Schreiberlinge, aber viele ihrer Ermutigungen sind für fast alle Lebenssituationen anwendbar. Sie ist enorm inspirierend und hat einen ultraschwarzen Humor, den ich einfach liebe!

Tim Fall ist Pastor und schreibt authentisch und ehrlich über seinen eigenen Kampf mit dem „guten Leben“, wagt es aber auch, kritische Fragen zu stellen und aufzurütteln.

Emily Polis Gibson bloggt auf Barnstorming die schönsten Naturfotos, die man sich vorstellen kann. Die kombiniert sie mit Gedichten und Gedanken zu Glauben und Leben. Wunderschön!

Auch der „Unappreciated Pastor“ (echter Name unbekannt) hat einen enorm schwarzen Humor, aber auch eine sehr tiefe Seite. Er bloggt über Gemeinde, Glauben und das Leben und nimmt sich selbst nicht zu ernst. So etwas liebe ich!

Das war für einmal ein etwas anderes Post – ich hoffe, Ihr hattet Spass daran. Wer auch einen heissen Blog-Tipp teilen möchte, kann das gern im Kommentar machen. Ich freue mich auf Euer Feedback!

In meinem Traum krieche ich durch markerschütterndes Trommelfeuer. Ich presse meinen Körper in den aufgerissenen Schlamm, ducke mich, krieche weiter. Die Schreie der Getroffenen dringen an mein Ohr, vermischen sich mit dem Donnern der Kanonen. Ich werfe mich in einen Schützengraben, dann wieder hinaus in die dröhnende Schlacht.

In diesem Moment bin ich oft schweissgebadet und mit rasendem Herzklopfen aufgewacht. Doch das grosse Grauen in diesen Träumen war  nicht die Angst vor dem Tod, auch nicht der Lärm und die Schreie. Das Schlimmste war der Geruch der Toten. Ich kann mich  an keinen anderen Traum erinnern, in dem ich etwas gerochen habe, aber dieser ist mir bis heute in Erinnerung geblieben – obwohl er über 25 Jahre alt ist. Schuld an diesem Traum war ein zweihundertseitiges Taschenbuch.

In der Oberstufenphase des Gymnasiums wurden wir mit gehaltvoller Literatur abgefüllt und mussten all die Schinken lesen, die unter diesem Etikett laufen. Bei uns waren es Manns „Die Buddenbrooks“, Fontanes „Effi Briest“, Frischs „Andorra“, Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ und viele mehr. Doch das Buch, an das ich mich heute noch erinnere, ist „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque.

Bücher Remarque linksRemarque hat in seiner einfachen, geraden Sprache die ganze Unmenschlichkeit und Perversität des Krieges ausgedrückt. Er muss uns nicht erzählen, wie er sich fühlte: wenn wir seine Bilder aufnehmen, mit ihm mitleiden und durch seine Geschichte gehen,  spüren wir die Verlorenheit und Zerrissenheit dieser jungen Männer, die direkt von der Schulbank in den Krieg zogen. Diese Jungs-Männer, die nie mehr irgendwo hingehörten, weil der Krieg ihre zarten Wurzeln von Identität und „Heimat“ weggeschwemmt hat.

Ich habe mit vier Jahren mit dem Lesen angefangen, und die Kraft der Worte fasziniert mich immer noch. Nach einer hormonell gesteuerten Phase alberner Mädchenromane namens „Sweet Dreams“ entdeckte ich dank einer Klassenkameradin die Thriller von Stephen King, dessen Bücher für mich bis heute zu den Highlights der Schreibkunst gehören.

Bücher KingViele davon wie „Es“, „Das letzte Gefecht“, „Der dunkle Turm“ und „In einer kleinen Stadt“ habe ich dutzende Male gelesen. Dabei packt mich weniger der Horror darin, obwohl ich nichts gegen ein wohliges Gruseln habe. Mich fasziniert Kings Einblick in den Charakter seiner Protagonisten und die Tiefe, die er ihnen verleiht.

 

Bücher Christian

Ich habe auch früh meine Freude an der leichten, gut geschriebenen Literatur entdeckt. Durch meine Mutter kam ich auf die Geschichten von Erma Bombeck und habe auch alle Romane von Mary Scott verschlungen. Heute lese ich gern die berührenden und lustigen Bücher von Becky Freeman über ihr chaotisches Alltags- und Glaubensleben oder die ehrlichen, witzigen Bekenntnisse von Adrian Plass.

Bücher Krimis linksDaneben habe ich von meiner Mutter auch die Liebe zu guten Krimis geerbt: ich habe so ziemlich alle Agatha Christies mehrfach gelesen, daneben die frühen Bücher von Martha Grimes und Elisabeth George. Mein absoluter Held des Krimis ist aber Dick Francis, von dem ich praktisch jeden Krimi besitze und ebenfalls regelmässig neu lese.

Nach meiner Hinwendung zum Glauben habe ich natürlich auch die Bibel entdeckt. Ich kann noch nicht sagen, dass ich sie „viele Male gelesen habe“, aber ich arbeite daran: einen Komplettdurchgang habe ich schon und bin momentan am zweiten. Aber egal, wie gut es damit gerade läuft – ich finde immer wieder etwas, das mich herausfordert, bewegt und begeistert.

Bücher Mockingbird linksMit dem neuen Aufflammen meines Schreiberlingdaseins hab ich ein paar besondere Juwelen entdeckt, unter anderem den Klassiker „To kill a mockingbird“ (Wer die Nachtigall stört). Ein tief ergreifendes Buch, das so schlicht und ruhig daherkommt, dass man am Ende nicht weiss, warum einem die Tränen übers Gesicht laufen, wenn Atticus Finch sagt: „Thank you for my children, Arthur.“

Wenn ich mir mein Buchsammelsurium ansehe, frage ich mich, was für einen gemeinsamen Nenner all diese Werke haben. Natürlich eine „gute Schreibe“ – nicht zu viele Worte, ein prägnanter, guter Stil (ich habe es nicht so mit dem Blumigen).  Vor allem aber suche ich in Büchern – auch inmitten von phantastischen Geschichten – den Willen des Autors, im Chaos dieser Welt Wahrheiten zu suchen und zu vermitteln. Ich suche Echtheit, und ich suche Geschichten, in denen ich spüre, dass es sich jemand nicht leicht gemacht hat und mir neben einer lustigen, berührenden, spannenden Geschichte auch eine neue Sicht auf die Welt und auf mich selbst vermittelt.

Ich freue mich am meisten, wenn ich Bücher und Filme entdecke, die ich mir immer wieder zu Gemüte führen kann. Ganz egal, ob es ein Krimi, ein Thriller, ein literarisches Werk oder ein leichter Unterhaltungsroman ist: ich liebe Bücher, die mich begeistern, herausfordern, packen – und einen unauslöschbaren Eindruck hinterlassen. Und so will ich auch schreiben.

Bücher BibelUnd darum wünsche ich mir in meiner Liebesbeziehung zum geschriebenen Wort zwei Dinge: dass ich mich immer besser ausdrücken und meine Sprache so schleifen kann, dass das, was mir wichtig ist, erfahrbar und erlebbar wird. Und dass ich noch viele Bücher entdecke, die mich inspirieren, vor meinen Augen lebendig werden und die ich noch dutzende Male mit Freude lesen kann.

Welches sind Eure „Wortperlen aller Zeiten“? Welche Bücher haben Euch geprägt? Ich freue mich auf Euren Kommentar!

Warum bloggenManchmal frage ich mich, warum ich überhaupt schreibe und warum das jemand lesen sollte. Und weil so eine Frage die Giftspritze jeglicher Kreativität ist, bin ich jeweils versucht, diese Zweifel beiseite zu wischen. Aber im Vertrauen darauf, dass sich hinter jedem Zweifel eine tiefere Erkenntnis verbirgt, lasse ich dieser Frage Raum und lade Euch ein in das Hinterzimmer eines Schreiberhirns.

So ein Schreiberhirn beschäftigt sich rund um die Uhr mit Wichtigem und Unwichtigem und immer mal wieder mit Fragen wie diesen:

  • Warum glaube ich, dass ich etwas zu sagen habe?
  • Will ich mich wichtig machen, oder halte ich mich für gescheiter als den Rest der Welt?
  • Und eben – warum schreibe ich überhaupt?

Wenn ich den Menschen in meinem nächsten Umfeld Glauben schenken kann, verfüge ich über einen ansehnlichen Klugschwätzer- und Besserwisseranteil. Ausserdem soll ich meiner Mutter nach der Schule jeweils einen minutiösen mündlichen Bericht über meine täglichen Aktivitäten abgegeben haben, was auf ein ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis hinweist.

Lange hat sich dieses Mitteilungsbedürfnis nicht schriftlich manifestiert, abgesehen von zahlreichen Tagebucheinträgen, in denen ich mein elendes Leben beweinte – aber diese jammervollen Elaborate würde ich niemandem zumuten. Dann habe ich meine Schreibkünste während Jahrzehnten in verschiedenen Formen einsetzt und dafür gute Feedbacks bekommen – aber ich hatte schlicht keinen Schimmer, was ich der Menschheit mitteilen könnte.

Nach meiner Hinwendung zum Glauben hatte ich plötzlich etwas in meinen Augen Mitteilungswürdiges – aber weder die Tatkraft noch das Selbstverständnis, um damit mein Kämmerlein zu verlassen. Nach Jahren, in denen ich blockierende Gedanken über mich selbst und ein paar schlechte Angewohnheiten loswerden konnte, wurde die schlummernde Schreiberei wieder zum Leben erweckt – und das hat schliesslich unter anderem zu diesem kleinen Blog geführt, mit dem ich Euch erheitern, herausfordern und inspirieren will.

So here we are again.

Ich weiss, warum ich blogge, warum es mir Spass macht und was ich damit erreichen will. Ich weiss immer noch nicht genau, warum jemand lesen sollte, was ich über schöne Filme und Lieder, das Leben an sich, Gott und die menschliche Gemeinschaft zu sagen habe. Aber das  macht nichts – ich setze mich einfach hin und lasse die Worte rollen. Und wenn – was immer mal vorkommen kann – jemand an meiner Themenwahl oder an meiner Art zu schreiben Anstoss nimmt, denke ich an dieses tolle Zitat, das ich kürzlich entdeckt habe und das sich auf das ganze Leben anwenden lässt:

If you can’t be criticized for it, it’s probably not remarkable.
Are you devoting yourself to something devoid of criticism? — Unknown

Wenn Du dafür nicht kritisiert werden kannst, ist es wahrscheinlich nicht bemerkenswert. Verschreibst Du Dich einer Sache, die „bar jeder Kritisisierbarkeit“ ist?

Die Übersetzung dieses schönen Zitates von unbekannt hat mich an der deutschen Sprache scheitern lassen, aber die Bedeutung ist klar:

Wenn Du Dich in Deinem Leben darauf beschränkst, Dinge zu tun und zu äussern, die niemanden stören, gegen die keiner etwas hat und für die Du  niemals Kritik oder ein schlechtes Wort einfängst, wirst Du nichts Bemerkenswertes auf die Beine stellen.

Die Angst vor den Reaktionen anderer und der Zwang, bei allem, was Du tust und sagst, von anderen Zustimmung oder Applaus zu bekommen, engt Deinen Handlungsspielraum ein, bis Du am Ende nur noch Spielball und Projektionsfläche für die Wünsche anderer bist.
Lass nicht zu, dass das passiert.

Wir kommen fast jeden Tag an eine Kreuzung: wir vertreten eine Meinung, die nicht mehrheits- oder zeitgeistfähig ist; wir widersetzen uns dem, was man von uns erwartet. Wir fällen schwere Entscheidungen, weil wir unsere Integrität erhalten und unsere Wertvorstellungen nicht billig verkaufen wollen.

Ich schreibe, was mich bewegt, ich benutze die Sprache, die mir entspricht. Ich akzeptiere, wenn mein Stil nicht jeden Geschmack trifft, und freue mich, wenn jemand auf seinem Weg durch Web vorbeikommt und etwas aus meinen Posts mitnimmt. Und Ihr, liebe Leser, habt schon viel dazu beigetragen, dass es mir jeden Tag aufs Neue Spass macht.

Dafür habt Dank. Und mit diesem Post wäre bewiesen, dass ich auch viel schreiben kann, ohne viel Neues herauszufinden (ich hätte Ghostwriter für gewisse Politiker werden können).

Vor etwas mehr als zwei Wochen habe ich zusammen mit meinem Mann und meinem Vater an einem Samstag meine drei Neffen und meine Nichte beaufsichtigt – Einzelheiten können im „Ritigampfi-Post“ nachgelesen werden. An diesem Abend drückte mir meine Schwester kurz vor der Rückfahrt ein hübsches hellblaues Buch in die Hand und meinte: „Falls Du überhaupt noch von Hand schreibst und nicht nur virtuell…!“

Bild ErmutigungIch nahm das Geschenk erfreut entgegen und verstaute es in meinem Rucksack, und wir machten uns auf den Heimweg. Am nächsten Tag holte ich das Buch hervor, um es mir etwas genauer anzusehen – und stellte fest, dass es weit mehr war als ein Tagebuch. In Händen hielt ich ein wundervoll gestaltetes Hilfsmittel fürs Songwriting.

Auf der ersten Seite waren ein Quintenzirkel und ein Transkriptionsschlüssel abgebildet, un auf jeder Doppelseite ein Psalm, dazu abwechselnd eines von fünf hebräischen Worten für Lobpreis (für Worshipper und Interessierte: Tehillah, Barak, Zamar, Yadah, Hallal – aber davon vielleicht ein anderes Mal).

Bild Ermutigung 2

Dieses Geschenk hat mich unglaublich berührt. Ohne Worte hat mich meine Schwester spüren lassen, dass sie an mich glaubt, an meinen Plänen und Träumen Anteil nimmt und mich unterstützt.

Ich habe das Buch aufgeschlagen und gleich einen ersten Eintrag gemacht: den Entschluss, diesem Geschenk ein Post zu widmen, um mich daran zu erinnern, wie unverzichtbar und wertvoll Ermutigung und Wertschätzung sind.

Ein aufbauendes Feedback motiviert mich und gibt mir einen Extraschub Energie, um an meinen Plänen dranzubleiben – und nichts berührt und ermutigt mich so sehr wie eine positive Reaktion aus meinem engsten Umfeld. Das heisst nicht, dass ich die Verwirklichung meiner Träume von der Meinung anderer abhängig mache. Aber mir wird mehr und mehr bewusst, wie viel eine ermutigende Geste im richtigen Moment ausmacht.

Dieses Erlebnis hat mich auch inspiriert, über meine eigene Rolle im Leben anderer nachzudenken. Bin ich mir dieser Rolle bewusst, und setze ich meinen Einfluss mit Bedacht ein? Gerade in unseren engsten Beziehungen haben Feedbacks grosse Macht: Sie können uns aufbauen, können uns aber auch am meisten verletzen, wenn sie negativ sind oder ganz ausbleiben. Ermutige ich meine Familie und meine nächsten Freunde – oder vergesse ich es, ohne zu merken, wie abwertend das wirken kann?

Bin ich mir auch darüber im klaren, was für einen Einfluss ich auf Menschen in meinem Bekanntenkreis und meiner Umgebung habe? Oder behalte ich meine Meinung für mich, weil ich nicht glaube, dass sie jemanden interessiert und weil ich mich auf keinem Gebiet als „Autorität“ sehe? Damit schätze ich meine Talente gering und verpasse die Gelegenheit, jemanden auf seinem Weg zu ermutigen.

Ich werde mir auch neu bewusst, wie aufbauend solche Feedbacks im Alltag wirken. Jeder Mensch möchte in dem, was er tut, wahrgenommen werden. Mit einem kleinen Funken der Wertschätzung kann ich genau heute dem Tag vieler Menschen einen kleinen Glanz verleihen.

Ich will meinen Einfluss auf andere nicht mehr unterschätzen und diese Verantwortung wahrnehmen. Ich will mehr ermutigen und gezielt nach Gelegenheiten suchen, wie ich anderen Wertschätzung entgegen bringen kann. Und ich will nicht vergessen, dass sich auch Menschen, die es in meinen Augen nicht mehr nötig haben, über positive Feedbacks freuen.

Das Geniale daran ist im Übrigen, dass diese Wertschätzung zurückkommt. Ich nenne das den „Kreislauf der Wertschätzung“ – im Gegensatz zum „Kreislauf des Anschreiens“ aus „How I Met Your Mother“, der leider auch funktioniert. Wenn ich andere aufbaue, färbt etwas von dieser Anerkennung auf mich ab – und sei es nur das Bewusstsein, jemandem eine Freude gemacht zu haben.

Es gibt zu diesem Phänomen einen alten, unglaublich kitschigen Spruch, der nach meinen Recherchen Goethe zugeschrieben wird. Meine Patentante hat ihn mir vor 21 Jahren ins Poesiealbum geschrieben – und heute passt er einfach. In diesem Sinne:

Willst Du glücklich sein im Leben
Trage bei zu andrer Glück
Denn die Freude, die wir geben
Kehrt ins eigne Herz zurück

Hast Du den Eindruck, dass es niemanden interessiert, was Du denkst? Glaubst Du, Dein Feedback kannst Du Dir sparen, oder weisst Du gar nicht, wen, wie und wo Du ermutigen könnest?

Unterschätze weder Deinen Einfluss noch Deine Möglichkeiten – der Alltag bietet dutzende von Gelegenheiten, andere aufzubauen. Sei es im Supermarkt, im Restaurant, in der Arbeit – sogar zu Hause am Computer (ja, genau jetzt!) kannst Du jemandem mit einem Kommentar, einem „like“ oder einer Mail eine Freude machen (zum Beispiel mir – also nichts wie ran :-)!).

Leg los, und tritt ein in den Kreislauf der Wertschätzung – Erfahrungsberichte erwünscht!