Gestern haben mein Mann und ich einen seiner Göttibuben besucht und ein paar gemütliche Stunden verbracht, und wie meistens haben sich unsere Diskussionen irgendwann auch um Gott gedreht. Thema waren dieses Mal unter anderem „Freikirchenchristen“, die kein Gespräch führen können, ohne die Zuhörer erschöpfend über den „richtigen Glauben“ aufzuklären. Die Reaktion unserer Freunde auf solche Sermone kann ich gut nachvollziehen: „Vielen Dank, das habe ich jetzt oft genug gehört. Jetzt will ich es sehen.“

Ich rede gern über Gott. Mein Herz ist oft voll von dem, was er in meinem Leben getan hat, in welchen Situationen ich schon erleben durfte, dass er mir beisteht, mich stützt und herausfordert. Aber wenn das alles ist, was andere mitbekommen, wird der Effekt meiner Worte rasch verblassen. Ich bin die einzige Bibel, die manche Leute jemals lesen werden. Wie ich mit mir selbst, mit anderen und mit der Schöpfung umgehe, gibt mehr Zeugnis von Gott als alle schönen Worte.

Gott fordert uns auf, den alten Menschen hinter uns zu lassen, uns zu prüfen und auf seine leise Stimme zu hören, die uns sagt, wenn wir unser Verhalten ändern müssen, und den Beweis treten wir im Alltag an. Im Job, im Umgang mit Vorgesetzten und Untergebenen. In der Familie. In der Art, wie wir mit dem umgehen, was uns anvertraut ist: Finanzen und Besitz, Beziehungen. Wie freigiebig bin ich mit meiner Zeit? Mit meinen Geld? Wie achtsam gehe ich mit meinem Besitz um? Wie geduldig bin ich mit anderen?

Wir werden alle an unterschiedlichen Punkten herausgefordert, und wenn wir schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben, kennen wir in der Regel unsere Schwachstellen und können uns einfache Dinge vornehmen. Ich habe ein Problem mit allem, was man unter „Instandhaltung“ zusammenfassen könnte – Ordnung halten, Haushalt und andere Routineaufgaben. Deshalb habe ich mir unter anderem vorgenommen, achtsamer mit meiner Kleidung umzugehen und mich auf Verpflichtungen, egal wie simpel sie sind, gewissenhaft vorzubereiten.

Solche Bemühungen sind wichtig, aber wir können leicht in die falsche Richtung abdriften. Wenn wir uns als Spiegel sehen, durch den Menschen (unter anderem natürlich) Gott erfahren, können wir den Zwang verspüren, perfekt zu sein. Da wir sehr wohl wissen, dass wir dies nicht sind, kommen wir in Versuchung, eine fromme Fassade zu präsentieren – sei es als Einzelpersonen oder als christliche Gemeinde.

Unsere Gemeinde macht gerade eine herausfordernde Zeit durch. Personen in wichtigen Funktionen sind an ihre Grenzen gekommen; es gab zwischenmenschliche Konflikte, und für manche ist das im Hinblick auf diese „Vorbildfunktion“ eine grosse Herausforderung. Was denken andere über uns, wenn so etwas auch bei uns vorkommt? Ist das nicht ein Beweis dafür, dass wir „auch nicht besser“ sind?

Vielleicht ist es das, aber vielleicht ist das ganz gut. Denn wir sind tatsächlich nicht besser. Wir kämpfen mit den gleichen Problemen, mit denen jeder kämpft. Wir haben Beziehungsprobleme, verausgaben uns zu sehr im Job, geraten mit anderen in Streit. Was uns ausmacht, ist nicht, dass uns so etwas nicht passiert; es ist, wie wir damit umgehen. Stehen wir dazu? Sind wir bereit, einander zu vergeben, wenn wir in Konflikt geraten sind?

Ich habe kein Problem damit, anderen von unseren Herausforderungen zu erzählen, und ich zweifle deswegen weder an Gott noch an unserer Gemeinde. Ich sehe es als Chance zu mehr Echtheit, zu einer Vertiefung der Beziehungen, dazu, einzugestehen, dass wir auch Schwächen haben und uns nicht scheuen, sie zu zeigen. Und ich bin überzeugt davon, dass wir andere Menschen mit diesem Auftreten weit mehr anziehen, als wenn wir versuchen, ihnen die perfekte Gemeinschaft zu verkaufen.

Heute hatten wir unseren ersten Gottesdienst des Jahres, und er hat mich tief berührt. Trotz der Schwierigkeiten waren viele Menschen da, um gemeinsam das neue Jahr zu beginnen. Niemand, der da war, bildet sich ein, in einer perfekten Gemeinde zu sein; niemand hält es für nötig auszublenden, dass es gerade schwierig ist. Aber alle, die da waren, glauben an unsere Gemeinschaft.

Das hat mir Hoffnung gemacht und mir gezeigt, was uns von weltlichen Vereinen und Gruppierungen unterscheidet: Es sind nicht wir, es ist Gott. Gott kann sich auch in zerbrochenen, beschädigten Spiegeln reflektieren. Er zeigt uns, was er mit uns vorhat, und er ermutigt uns zu einem authentischeren Christsein, dazu, uns selbst und anderen zuzumuten, mit dem zerbrochenen Gefäss, das wir als einzelne und als Gemeinschaft sind, zu leben und uns von ihm heilen zu lassen.

Ich möchte sein Spiegel sein. Ich möchte mich jeden Tag herausfordern lassen, Jesus ähnlicher zu werden. Aber ich will es im Bewusstsein tun, dass Gott mich rückhaltlos annimmt, wie ich bin. Denn nur dann habe ich den Mut, andere auch meine Schwächen sehen zu lassen. Und nur dann bin ich nahbar und glaubwürdig.

 

 

 

 

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Ich habe lange keinen Snack mehr fabriziert – dafür ein heftiges Mea Culpa! Grund dafür war nichts Tragisches, sondern dass ich intensiv an der Überarbeitung meines Buches werkle und auch sonst viel läuft. Heute will ich endlich wieder einmal ein paar Gedanken teilen, und vielleicht wird es etwas schwer verdaulich, denn es geht um das Thema Zerbruch.

Wann wird aus einem Problem eine Krise, wann aus der Krise der Zerbruch? Wenn das Fundament unseres Lebens wankt oder bricht, wenn das, worauf wir unsere Identität bauen und woraus wir unsere Kraft ziehen, Gefahr läuft, sich in Nichts aufzulösen.

Wenn man diese von mir fabrizierte Definition liest, könnte man sich als Christ auf die fromme Wolke setzen und behaupten, dass der oder die Zerbrochene auf ein falsches Fundament gebaut hat. Ist nicht das einzige, was uns wirklich trägt, Gottes Liebe und der Wert, den wir aus seiner Liebe zu uns geschenkt bekommen haben, der Wert, den niemand uns nehmen kann?

Frei nach Radio Eriwan: Im Prinzip Ja. Aber seien wir ehrlich: Niemand lebt nur aus Gottes Liebe, und auch wenn wir fest in dieser Liebe verwurzelt sind, haben wir alle auch andere Bereiche im Leben, die für unser inneres Gleichgewicht und unser Wohlergehen wichtig sind.

Zerbruch deutet darauf hin, dass nicht nur eine, sondern alle Grundlagen wanken – oder zumindest alle, die für uns von Bedeutung sind. In manchen Fällen kann so auch der Zerbruch einer einzigen Grundlage unser ganzes Leben ins Wanken bringen.

Ich habe einen solchen Zerbruch vor über zehn Jahren erlebt, als eine Beziehung zu Ende ging. Alles andere in meinem Leben – meine Familie, meine Arbeit, meine Beziehung zu Gott – blieb damals bestehen, aber es half nichts, weil ich meinen Lebenssinn, meine Identität und meinen Wert daraus bezog, dass ich einen Partner hatte, mit dem ich gemeinsam in die Zukunft blicken konnte. Als er mich verliess, war diese Grundlage verschwunden, und ich blickte ins wüste Nichts. Ich konnte mir nicht vorstellen, ein glückliches und erfülltes Leben zu führen ohne einen Menschen, der mein Leben teilte, und so sehr ich mich auch bemühte, an dieser Idee gefallen zu finden: Es funktionierte nicht.

Einige Zeit nach der Trennung machte ich einen Trip zu Ikea und kaufte unter anderem zwei identische Tassen, auf denen riesige, rot-violette Herzen prangten. Das kitschige Design hatte es mir angetan, und ich stellte mir vor, dass diese Tassen das Symbol für die nächste Beziehung seien, die Gott schenken würde. Irgendwann in nicht so ferner Zukunft – so meine Hoffnung – würde ich mit einem geliebten Menschen aus diesen Tassen trinken und glücklich sein. Aber als ich Zuhause meine Sachen auspackte, fiel eine der Tassen auf den weissen Plattenboden und zerbrach.

Es war nur eine Ikea-Tasse, aber in dem Moment war diese Tasse weit mehr. Mit ihr zerbrach mein Traum und meine bisher einzige Strategie, Glück und Geborgenheit zu finden. Der lächerliche Verlust traf mich tief, und heute glaube ich, dass Gott erst in diesem Moment mit der Botschaft zu mir durchdrang, die er mir seit dem Ende der Beziehung hatte geben wollen:

«Ich habe für Dich im Moment keinen Partner. Lass mich dieser Partner sein.
Richte Deinen Blick jetzt auf mich, und alles andere wird sich weisen.»

In den kommenden anderthalb Jahren lernte ich, mein Leben auf andere Grundlagen zu stellen; nicht auf einmal, sondern Tag für Tag mehr. Irgendwann kam der Moment, in dem mir bewusst wurde, dass ich mein Leben tatsächlich auch ohne Partner lebenswert und wertvoll fand. Ich war damals 36 Jahre alt, und das erste Mal glaubte ich, dass ich auch glücklich sein konnte, wenn nie mehr ein Mann in mein Leben treten würde. Es war der Moment, in dem mein neues Leben anfing.

Es hat sich dann doch noch ein Mann gefunden, der es wagen wollte, und ich bin glücklich darüber. Aber ich bin noch glücklicher darüber, dass ich nicht geheiratet habe, weil er der letzte sein könnte, der Interesse zeigt, oder – ganz nach «When Harry met Sally» – damit ich sagen konnte, ich war verheiratet, sondern weil es richtig war.

Mein Zerbruch damals war massiver, als es von aussen ausgesehen haben mag. Alles, was ich gewesen war, lag in winzigen Scherben vor mir; ich konnte es nicht mehr zusammensetzen. Und das war gut so. Denn hätte nur eine Ecke gefehlt, hätte ich sie einfach wieder angeklebt, so gut es ging. So aber konnte Gott das Material nehmen und neu zusammensetzen, etwas daraus machen, das ich vorher nicht gesehen hatte.

Bin ich ganz anders aus der Krise herausgekommen? Oberflächlich betrachtet vielleicht nicht. Aber in meinem Kern hat sich etwas Tiefgreifendes verändert, und diese Veränderung trägt mich bis heute. Sie führt dazu, dass ich meine Entscheidungen nicht aus Angst treffe, etwas zu verlieren, denn was am wichtigsten ist, kann mir niemand nehmen.

Aus wem oder was ich Sinn und Wert beziehe, das prägt und kontrolliert mich. Wenn mein Wert daran hängt, wieviel Geld ich habe, schiele ich ängstlich auf den Kontostand. Hängt er an meinem Partner, bemühe ich mich angestrengt, ihn oder sie bei Laune zu halten, und treffe vielleicht falsche, aus Verlustangst getriebene Entscheidungen. Hängt mein Wert an meinem beruflichen Erfolg, setze ich mich täglich unter Druck, besser zu sein als andere.

Wenn ich meine Identität in Gott finde, der mich geschaffen hat, und im Wert, den er mir gegeben hat, kann ich mein Leben freier und kühner leben. Ich werde dennoch auf meinen Kontostand achten, werde zu meiner Partnerschaft Sorge tragen und in dem, was ich tue, mein Bestes geben, aber ich tue es nicht aus Angst, sondern weil es das Richtige ist, im Wissen, dass nicht alles, was geschieht, in meiner Macht liegt.

Nicht immer wird das Zerbrochene wieder ganz werden. Aber wenn ich bereit bin, Gott die Dinge zusammensetzen zu lassen, kann etwas Neues entstehen – ich kann neu erstehen.

Jedem, der im Moment Zerbruch erlebt, möchte ich diese Worte zusprechen.

Letzten Freitag war ich in meiner Funktion als Vorstandsmitglied des Kleintheaters Grenchen wieder mal an der Kleinkunstbörse in Thun. Dieser mehrtägige Anlass ist einer der Höhepunkte des Kleinkunstjahres: Fast rund um die Uhr laufen Kurzpräsentationen von Künstlern, die Menschen sind guter Dinge, überall hat es Essens- und Getränkestände. Nach einem Tag an der Börse bin ich übersättigt mit Kaffee, Snacks, Menschen, Geräuschen und Bildern, aber vollauf zufrieden.

Die Bandbreite der Künstler reicht von Tanz über Spoken Word, Musikkabarett, Wortkabarett bis zum Puppentheater und zur Akrobatik, und obwohl ich meine Vorlieben habe, lasse ich mich gern überraschen und verzaubern. Dieses Jahr durfte ich unter anderem erstaunliche Akrobatik erleben, spannend verpackt in eine kleine Liebesgeschichte. Allerdings ist mir beim Anblick des mit fünf Bällen jonglierenden Künstlers kurz etwas anders geworden, weil er mich an meinen Kampf mit der lieben Zeit erinnert hat.

Obwohl ich mich leidlich bemühe, mich an den Grundsatz „eines nach dem anderen“ zu halten oder, wie ich so schön als Jahresmotto festgehalten habe, „im Jetzt zu leben“, neige ich dazu, mir all meine verschiedenen Hüte gleichzeitig aufzusetzen. Die Folge davon ist, dass ich nichts mehr sehe und mir der Schädel brummt, anders gesagt: Dass ich an ALL DEM, was ich noch machen sollte, verzweifle. Dabei wäre das gar nicht nötig.

Zwar habe ich tatsächlich viele Engagements, und manchmal fällt vielleicht etwas zeitlich zusammen, aber meistens geht doch alles aneinander vorbei – nur eben nicht in meinem Kopf. Da türmt es sich auf, ich kriege Atemnot und frage mich, wie ich das jemals auf die Reihe kriegen soll.

Ich habe bisher noch kein Rezept gegen die zwischendurch aufkeimende Panik gefunden. Eines ist mir aber klar geworden: dass meine Angst mit einem gewissen Misstrauen einhergeht – einem Misstrauen gegenüber Gott und seiner Versorgung.

Ich bin in der Regel entspannt, wenn es um die Frage geht, ob ich „genug“ von etwas habe, und bisher habe ich mich in dieser Hinsicht mit einer gewissen (Selbst-)Zufriedenheit betrachtet. Zwar geht es mir heute auch in vielerlei Hinsicht gut, aber das Gefühl von „genug haben“ hatte ich schon immer, und auch dort, wo ewas nicht so ist, wie ich es mir wünsche, vertraue ich darauf, dass Gott für mich sorgen wird. Nur wenn es um die Zeit geht, bin ich plötzlich voller Panik.

Natürlich kann man argumentieren, dass die Zeit, die jeder von uns hat, tatsächlich begrenzt ist. Ebenso ist klar, dass der weise Umgang mit meiner Zeit genau so sehr in meiner Verantwortung liegt wie der weise Umgang mit meinen Finanzen. Vertrauen in Gottes Versorgung bedeutet nie, es einfach „lo tschädere“, aber manchmal hilft es mir, wenn ich mich daran erinnere, dass ich nicht allein bin in meinem Kampf mit der Zeit. Und ein besonderes Geheimnis liegt im Kreislauf der Grosszügigkeit.

Es erscheint logisch, dass wir dort mit unserem Besitz geizen, wo wir uns unterversorgt fühlen, vor allem, wenn es tatsächlich ein begrenztes Gut wie Zeit ist. Meine Angst, all mein Zeug nicht zu schaffen, führt oft dazu, dass ich erst einmal  nein sage, wenn ein neuer Termin „droht“. Dennoch erlebe ich, dass Grosszügigkeit und die Bereitschaft, jemandem meine Zeit zu schenken – auch und gerade, wenn ich mir davon nichts erhoffe – mir etwas zurückgibt. Kein zusätzliches Zeitkontinuum, das ich dann wieder einsetzen kann, aber ein Gefühl der Freiheit und der Versorgung. Schenken zu können ist selbst ein Geschenk und führt dazu, dass wir uns reich fühlen – ganz egal, was wir gerade verschenkt haben.

Dieser Kreislauf ist etwas Wunderschönes, und das Beste daran ist, dass jeder etwas verschenken kann: Zeit für einen Kaffee und ein offenes Ohr, einen finanziellen Zustupf, Hilfe beim Lernen, beim Kochen oder Putzen – wir haben alle etwas zu geben, und so kitschig es klingen mag – es kommt zu uns zurück.

Wenn mir wieder alles über den Kopf wächst, will ich an dieses geheimnisvolle Prinzip denken und – wer weiss – vielleicht „antizyklisch“ reagieren und mir überlegen, wem ich etwas Zeit schenken könnte. Mal schauen, was passiert!

Und Ihr so? Kennt Ihr diese Zeitpanik auch, oder seid Ihr da ganz entspannt im Hier und Jetzt? Habt Ihr andere Themen, bei denen es Euch manchmal die Luft abschnürt, und was sind Eure Strategien? Habt Ihr den Kreislauf des Schenkens auch schon erleben dürfen? Ich freue mich auf Euren Kommentar!

 

Bild Claudia Zeitung V3Manchmal frage ich mich, ob ich zuviel überlege, bevor ich poste und ob es nicht authentischer wäre, aus dem Bauch heraus ein paar enthusiastische, empörte, weinerliche oder aggresive Sätze in die Blogossphäre zu schleudern.

Denn obwohl ich genug von jeder Sorte auf Lager hätte, um das hinzukriegen, tue es in der Regel dann doch nicht.

Ein Grund dafür ist, dass ich ja nicht nur für mich selbst schreiben will. Aber wer sich ständig fragt, was seine Leser denn interessieren könnte, schreibt vielleicht nicht mehr das, was er sollte, weil er Angst hat, dem einen auf den kleinen Zeh zu treten und den anderen zu langweilen. Und vielleicht sollte man manchmal einfach seine rohen Gedanken in die Welt posten. Mein heutiges frisch-drauflos-getippt Post ist deshalb Experiment, Mini-Rant und Eingeständnis in einem:

An manchen Tagen lautet meine Botschaft an die Welt, frei nach meinem eigenen Lied „Ich lasse los“, schlicht und einfach „Ich hab genug“, gefolgt von einem schweizerischen „I ma nümm.“

Manchmal – ja, auch und gerade jetzt – geht mir die Welt um mich herum so dermassen auf den Senkel.

Die Amerikaner und Trump – ist das Euer Ernst?

Der Händeschüttelskandal von Therwil – Lord, have mercy!

Die Flüchtlingskrise – für neue EU-Ankündigungen habe ich nur noch ein desillusioniertes Lächeln übrig.

Die Panama Papers (na gut, DAS überrascht mich jetzt so gar nicht).

Der Umgang der Menschen miteinander, vor allem online.

Das dumpfe Gefühl, dass wir fröhlich die Ressourcen dieser Erdkugel pulversieren.

Die widerwärtigen Kreisläufe von Waffenlieferungen, Krieg, Flüchtlingselend und Fremdenhass.

Und neben dem, was es zu beklagen gibt, beelenden mich die Reaktionen der Menschheit auf welches Problem auch immer: Die einen machen sich alles so einfach, dass es für jede Krise auf der Welt den einen und einzigen „BöFei“ gibt, den man nur an die Wand nageln oder aus dem Land jagen muss, damit „alles wieder gut“ wird. Für die anderen ist alles so komplex, dass man den Finger nirgends drauflegen kann und jede Verantwortung sich in der Masse der beteiligten Faktoren auflöst, weshalb praktischerweise alles so bleiben darf, wie es ist.

Die Welt kommt mir immer verrückter vor, und mein Glaube an die Fähigkeit der Menschheit, das wieder hinzubiegen, bewegt sich momentan auf bescheidenem Niveau.

Als überzeugter „Fool for Christ“ könnte ich einfach den Kopf nach hinten legen, gen Himmel schauen und die Worte „Herr, komm bald“ in den Äther schallen lassen, und ich würde lügen, wenn ich behaupten wollte, ich hätte es noch nie getan. Was aber kann ich sonst tun gegen diese Anwandlung von Nihilismus, die mein verstorbener Schwager oft mit den Worten „Het doch ke Wärt“ umschrieben hat?

Einerseits ist da zugegeben die Hoffnung auf das, was einmal kommen wird, egal, wie dumm sich die Menschheit anstellt. Für die Atheisten unter Euch: meine theologischen Weltflucht- und „alles-wird-gut“-Träume, die mir das Überleben im Chaos dieser Welt erlauben. Das (und dies ist für die Frommen unter Euch) Wissen darum, dass auch diese Erde und alles, was darauf lebt, einen Neuanfang, eine Neuschöpfung erleben wird.

Doch ich habe noch ein anderes Rezept, das mir im Falle eines solchen „Weltenjammers“ hilft. Es ist genauso wichtig wie der Glauben an das, was kommen wird. Es ist das Prinzip „Jetzt erst recht“ und der feste Wille, mich nicht von dem runterziehen zu lassen, was mich beelendet, sondern auf das zu schauen, was ich selbst ändern kann.

Ich will meinen Alltag so nachhaltig wie möglich leben – auch wenn ich es nicht perfekt mache, und auch wenn es angesichts der Zustände „ke Wärt“ zu haben scheint.

Ich will allen Menschen offen begegnen und jedem eine Chance geben, auch wenn Vorurteile im Moment Hochkonjunktur haben.

child-990368_1280Ich will mit dem, was ich tue, Hoffnung verbreiten, obwohl sie mir manchmal selbst kurzfristig abhanden kommt.

 

 

 

Mir hat mein Experiment gut getan.
Und was macht Ihr gegen Weltenjammer?
Ich freue mich auf Euren Kommentar!

BrockenLetzten Sonntag begann unser Pastor seine Predigt mit diesen Worten: „Eigentlich habe ich das Folgende für mich geschrieben – aber ihr dürft gern zuhören, wenn ihr wollt.“ Ich fand seinen Einstieg originell, und auch die Predigt hat mich berührt, ermutigt und herausgefordert. Vor allem hat sie mich daran erinnert, dass wir anderen oft am meisten geben, wenn wir sie an unseren Kämpfen teilhaben lassen.

Eine Woche zuvor habe ich selbst predigen dürfen. Genau wie mein Pastor habe ich eigentlich für mich gesprochen, als ich die immer wieder aktuelle Frage stellte, wie wir es schaffen sollen, das Richtige zu tun und das Falsche zu lassen.

Eines meiner Aha-Erlebnisse in der Predigtvorbereitung war, dass wir diese Frage nicht zum Zentrum unseres Christenlebens machen sollten – sonst hätte Christus nicht sterben müssen. Ziel seines Todes am Kreuz und Berufung jedes Menschenlebens ist Gemeinschaft und Beziehung mit Gott und nicht die Erfüllung eines Regelwerkes. Und – dies war das zweite Aha-Erlebnis – die Qualität unserer Gottesbeziehung beeinflusst unter anderem, wie wir mit den alltäglichen und weniger alltäglichen Herausforderungen in unserem Leben umgehen. In unserem Verhalten offenbart sich unser Vertrauen in Gott.

Bis vor kurzem hätte ich die Frage, ob ich Gott vertraue, mit einem herzhaften und etwas selbstgefälligen JA in Großbuchstaben beantwortet. Ich hatte keine Probleme außer den harmlosen Scharmützeln, die man mit wenig Aufwand ausfechten und abhaken kann. Doch dann tauchte ein großes, fettes Dilemma von der Sorte „Schläfer“ auf, das offenbar seit Jahren im Untergrund seine Zeit abgewartet hatte.

So selbstgefällig, wie ich zu sein pflegte, hat es sich vor mich hingepflanzt und tut, was es kann, um mir die Sicht auf alles andere zu versperren. Es frisst meine Energie, nährt meine Zweifel an Gottes Versorgung und untergräbt mein Vertrauen, dass ihm alles möglich ist. Und es zwingt mich, mir die Frage zu stellen, ob ich dieses Vertrauen jemals hatte.

Sollte Gottvertrauen sich nicht gerade dann erweisen, wenn es menschlich gesehen keine Lösung gibt? Sind wir nicht gerade in unmöglichen Situationen gefordert, seine Verheißungen in Anspruch zu nehmen und darauf zu vertrauen, dass er Wunder tut? Oder manche Wünsche, so nachvollziehbar und verständlich sie sein mögen, niederzulegen und sterben zu lassen, voller Vertrauen, dass Gott in das Tote neues Leben einhauchen wird?

(Eine kleine Nebenbemerkung an die Wohlwollenden unter Euch, die glauben, dass ich zu hart mit mir bin und aus einem Kieselstein den Fels von Gibraltar mache: glaubt mir – ich kann unterscheiden. Und auch wenn Ihr nicht glaubt, dass es in meinem Leben einen solchen Brocken geben kann, gibt es ihn doch – und er ist wirklich mächtig fett.)

Im Umgang mit dem fetten Brocken auf unserem Weg haben wir verschiedene Möglichkeiten. Wir können beten, dass er sich hinweghebt. Wir können uns davor hinsetzen und weinen, wir können darüber klettern. Und wir können versuchen, darum herum zu gehen. Und nicht alle Strategien sind empfehlenswert.

Beten ist immer gut – es bedeutet, Gott zu vertrauen und seine Verheißungen in Anspruch zu nehmen. Hinsetzen und Weinen ist eine Mischung aus auf-Gott-harren und abgeben, aus loslassen und vertrauen, dass Gott etwas Neues macht. Darübersteigen ist der Versuch, das Problem aus eigener, menschlicher Kraft zu bewältigen, was gerade bei den Brocken der fetten Art für sich allein oft nicht funktioniert. Und darum-herum-gehen ist der Versuch und die Versuchung, den guten Weg zu verlassen, dem Brocken auszuweichen und zu hoffen, dass es dahinter einfach weitergeht.

Im Moment oszilliere ich zwischen verschiedenen Strategien. Manchmal sitze ich vor dem Brocken und weine, manchmal bete ich um das Wunder. Und manchmal, so schwer es ist, das zuzugeben, verlasse ich meinen Pfad und gehe ansatzweise um den Brocken herum, um zu schauen, ob das nicht auch funktionieren kann.

Das einzige, was ich nicht tue, ist klettern, und das liegt daran, dass ich in mein menschliches Vermögen in diesem besonderen Fall noch weniger Vertrauen habe als in Gottes Kraft. Und obwohl ich mich frage, ob ich zu wenig eigenes Bemühen investiere, tröstet mich der Gedanke, dass ich Gott trotz meiner Zweifel immer noch mehr zutraue als mir und den Umständen. Ich erlebe jeden Tag, dass er mich tröstet und herausfordert, meine Sicht verändert und in mir die Hoffnung am Leben erhält, dass es eine Lösung gibt – auch wenn ich sie im Moment nicht sehen kann.

Was ist Gottvertrauen also letztlich? Bedeutet es, jeden Moment auf Kurs zu bleiben in der Gewissheit, dass Gott alles hinbekommt? Das ist sicher das Modell, nach dem ich mich ausrichten will. Für mich, die es manchmal nicht lassen kann, es vermeintlich besser zu wissen, heißt es, ihm zu vertrauen, dass er mich auch dann nicht allein lässt, wenn ich wieder einmal versuche, um den Brocken herumzugehen. Dass er mich führt und zu mir spricht, wenn ich mal nicht hören will. Dass er mich niemals loslässt und mein Herz verändert, weil ich es ihm trotz allem immer wieder hinhalte.

Dieses Hinhalten ist einer der Schlüssel in unserer Beziehung zu Gott. Wenn wir mit etwas kämpfen, uns hilflos, unfähig und schlecht fühlen, ist es mit das Schlimmste, wenn wir uns auch noch vor Gott verkriechen und uns von seiner liebenden Gegenwart und Veränderungskraft abtrennen.

Gott hat mich in einem anderen Kampf vor längerem von der Angst befreit, auch in desaströsem Zustand zu ihm zu kommen, und diese Angst ist nie zurückgekehrt. Das macht es mir möglich, mich selbst ohne rosa Brille und mitsamt allen Abgründen ehrlich zu betrachten. Und solange ich dazu den Mut habe, bin ich bereit für Veränderung, Heilung und Wiederherstellung. Auch wenn sich nicht jedes Problem allein dadurch lösen lässt, dass ich mich verändere, helfen mir diese Gedanken:

Ich kann zu Gott kommen, wie ich bin.
Ungekämmt und ungewaschen, chaotisch, zweifelnd, aufgewühlt.
Und werde angenommen.

Und genau deshalb ertrage ich meinen Anblick auch dann, wenn ich
ungekämmt, ungewaschen, chaotisch, zweifelnd und aufgewühlt bin.
Und kann mich verändern lassen.

Gott kennt unser Herz. Er weiß, wie wir es meinen. Wir können und müssen ihm nichts vormachen. Wir können und sollen seine Gegenwart suchen und die Beziehung zu ihm vertiefen. Und genau aus dieser Beziehung wächst letztlich das Vertrauen, das uns hilft, mit den Brocken in unserem Leben mit seiner Hilfe fertig zu werden.

Wie hast Du es mit dem Gottvertrauen? Was machst Du mit den Brocken, wenn sie sich Dir in den Weg stellen? Erkennst Du Dich in den Strategien wieder? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

away-542479_1280 kleinerIm Herbst vor neun Jahren stand ich vor  wichtigen Entscheidungen: Ich hatte die Möglichkeit, eine neue Arbeitsstelle anzutreten, wusste nicht, ob ich aus einem Verein austreten sollte und fragte mich allgemein, wohin mein Weg führte. Da ich solche Dinge am liebsten in Ruhe und mit mir allein ausmache, entschied ich mich für eine Self-Made-Retraite auf einer Alp.

Bildquelle: Pixabay

Am Freitag packte ich einen Koffer mit Freizeitklamotten, legte Bibel, Notizblock und Schreibzeug dazu, schulterte meine Gitarre und reiste mit dem Zug ins Berner Oberland. Kurz vor fünf erreichte ich die Talstation der Gondelbahn, die von Adelboden auf die Engstligenalp führt, und hob mit einer der letzten Gondeln ab.

Es war eine gespenstische Fahrt. Wie meistens um diese Tageszeit kroch der Nebel in Richtung Tal, und die Drahtseile der Gondel schienen in einem grauen Niemandsland zu verschwinden. Oben war es noch schlimmer: die Hochebene war dick in Watte gepackt, und nur der begrenzte Blick auf drei Meter Schotterweg zeigte mir, in welcher Richtung das Berghaus liegen musste. Ich zog den Koffer hinter mir her und kam schließlich heil im Hotel an.

Nach einem einfachen Abendessen beschloss ich, noch etwas spazieren zu gehen. Ich schritt in meiner winddichten Jacke über die Ebene und sah dabei wieder nichts außer ein paar Metern Boden vor meinen Füssen. Ab und zu machte ich eine Wegkreuzung aus und entschied mich aufs Geratewohl für eine Richtung, während ich mir zu merken versuchte, wie oft ich in etwa rechts und links abgebogen war.

Irgendwie gelangte ich so wieder ins Hotel zurück und machte mich daran, mich auf meine zwei Tage in der Stille vorzubereiten. Das war nötig, denn obwohl ich wusste, worum es mir dieses Wochenende ging, hatte ich keinen blassen Schimmer, wie ich das erreichen sollte. Meine Vorstellungen entsprachen der Witterung auf der Engstligenalp: dicker, weißer Nebel umhüllte alle klaren Konturen, und mittendrin tappte ich unsicher herum.

Ich setzte mich in meinem Zimmer an den einfachen Holztisch, holte Stift und Notizblock hervor, betrachtete die groben, karierten Stoffvorhänge am Fenster und ließ meine Gedanken wandern. Langsam formte sich eine Idee; ich notierte, was mir in den Sinn kam, ließ mich von der Inspiration leiten, strich zusammen, strukturierte. Am Ende hatte ich ein Wochenendprogramm, das alle Fragen behandelte, die mich beschäftigten.

Staunend blickte ich auf dieses Werk, das sich scheinbar aus dem Nichts geformt hatte. Ich wusste nicht, wie ich darauf gekommen war, aber ich war mir sicher, dass die Idee Hand und Fuß hatte. Und als ich am nächsten Morgen aufstand und die groben Vorhänge am Fenster zurückschob, sah ich, dass sich auch das Wetter angepasst hatte: ein strahlend blauer Himmel erhob sich über den grünen Hügeln und grauen Felswänden, die Sonne schien – die Welt war aus den Nebelschleiern wiederauferstanden.

Nach dem Frühstück schulterte ich meinen Rucksack, nahm die Gitarre unter den Arm und wanderte los. Ohne mich an den belustigten Blicken und Bemerkungen der Leute zu stören, suchte ich mir ein stilles, abgeschiedenes Plätzchen und begann mit meinem Programm, das ich „Licht in den Nebel“ nannte. An diesem Vormittag dachte ich über die Werte nach, die mir wichtig waren, und definierte die „Top Three“ meiner Gaben, und am Nachmittag legte ich diese Werte und Gaben wie ein Raster über meine Arbeit, meinen Dienst in der Kirche, meine Beziehungen und meine übrigen Freizeitaktivitäten, um  herauszufinden, wo ich diese Werte leben und die Gaben pflegen und fördern konnte. Und wo nicht.

Am Sonntag definierte ich aus diesen Einsichten einige Entscheidungen. Ich beschloss, das Jobangebot anzunehmen und aus meinem Verein auszutreten. Dabei spürte ich deutlich, dass ich für die Entscheidung mit dem Verein momentan noch nicht bereit war. Ich gab mir Zeit bis Ende Jahr und vertraute darauf, dass ich bis dahin die nötige Kraft haben würde.

Wenn ich über dieses Weekend nachdenke, bin ich immer wieder erstaunt und begeistert, wie Gott unverhofft den grauen Nebel verdampfen lässt und einen Weg vor meine Füße legt. Das bestärkt mich darin, dass ich ihm vertrauen kann. Zu wissen, dass ich eine Entscheidung treffen musste, zu der ich noch gar nicht bereit war, war herausfordernd; die innere Spannung war schwer zu ertragen. Aber Gott arbeitete in diesen drei Monaten an meinem Inneren, bis ich Ende Jahr mit Überzeugung und einem ruhigen Herzen meine Entscheidung fällen, mitteilen und leben konnte.

Mit dem heutigen Palmsonntag beginnt die Karwoche. Sie findet ihren ersten Höhe- oder besser Tiefpunkt am Karfreitag, dem „Darkest Day“, dem ultimativen Ausdruck des Nirgendwo: Jesu Tod am Kreuz. Ihm folgt Ostersamstag, und danach dürfen wir die Auferstehung feiern. Ich freue mich dieses Jahr besonders darauf, weil ich ab und an Nebelerfahrungen mache und mehr als sonst auf Gott vertrauen muss. Doch darin liegt zugleich ein Segen – der Segen der Nähe zu Gott, die nie grösser ist als dann, wenn wir akzeptieren, dass wir aus uns heraus nicht viel zustande bringen und uns mit offenem, bereitem Herzen auf ihn ausrichten.

Eines der Dinge, die ich in letzter Zeit zustande gebracht habe, ist ein Gedicht, das ich Euch gern in diese Karwoche mitgebe. Vor allem der letzte Satz hat es mir angetan, und ich will ihn mir für alle weiteren Dürre-, Nebel- oder Notzeiten in mein Herz schreiben.

Gott vertrauen
So einfach, wenn der Weg gerade, die Sicht so gut, die Sonne mild

Doch trügerisch
Denn nach und nach vertrau ich mir – es geht ja gut.

Gott vertrauen
Wenn Nebel mir die Sicht verschleiert
Der Weg sich krümmt und Falten wirft, es waagrecht schneit

So hart und schmerzlich
und doch so schön.

Denn wenn ich keinen Schimmer habe, leuchtet Er.

 Gott vertrauenBildquelle: Pixabay

20150311_172506Vor ziemlich genau vier Jahren hat Gott mir auf einem Spaziergang seine Liebe offenbart. Vor mir lag der Rand des Lengnauer Wäldchens, als die Spätnachmittagssonne durch die Tannenwipfel brach und mit ihren sanften Strahlen ein wunderbar überirdisches Licht auf die Hügel legte. Ich hob das Gesicht in die Sonne, und es war, als ob Gottes Liebe mich mit diesen wärmenden Strahlen bis ins Mark durchdringen würde.

Dieser Moment war der Auftakt zu einem wichtigen Prozess. Ich konnte Entscheidungen treffen, die auch meine kreative Berufung freisetzten. Was ich nicht wusste, war, dass dieses Bewusstsein für seine Liebe noch viel tiefer in mein Herz dringen musste.

Mitte dieser Woche nahm ich mir wieder einmal Zeit, um spazieren zu gehen. Ich war auf dem Weg nach Hause, als ich wie vor vier Jahren die warme Sonne auf der Haut spürte und an mein Erlebnis erinnert wurde. Erneut spürte ich die Sehnsucht nach Gottes Liebe. Als ich ihn bat, mich seine Liebe erfahren zu lassen, beschenkte er mich weit darüber hinaus. Ich begann zu verstehen, WIE seine Liebe ist, und was sie NICHT ist – und wie befreiend dieses Wissen sein kann.

Sie ist konstant und unveränderlich
Gottes Liebe für uns verhält sich nicht wie eine Aktie an der Börse. Sie schnellt nicht nach oben, wenn wir es „gut machen“, und sie sackt nicht ins Bodenlose, wenn wir Schlechtes denken, uns lieblos verhalten oder das Falsche tun. Sie ist immer gleich groß – wirklich und wahrhaftig immer.

glass-184442_1280Sie kennt kein Maß
Gottes Liebe lässt sich nicht mit einem Wert auf einer Skala bemessen, weil sie jede Skala sprengt. Sie ist maßlos, unendlich und überfließend. Sie ist wie Wasser, das aus einem sprudelnden, niemals versiegenden Bach in einem Kelch läuft, der ständig überfließt, weil so viel gar nicht hineingeht. Wir müssen keine Angst haben, diese Liebe aufzubrauchen, wenn wir uns bedürftig fühlen: dieses Fass wird niemals leer.

 

 

Sie ist zuallererst zweckfrei
Gottes Liebe ist kein zweckgebundener Budgetposten. Liebe ist Gottes Wesen, und wir sind unter anderem dazu bestimmt, von ihm geliebt zu werden. Natürlich bewirkt seine Liebe etwas in uns: Sie heilt unsere Herzen, bewegt uns dazu, anderen Liebe zu schenken, befeuert uns, für Gott einzustehen, ihm zu folgen und seinen Geboten zu gehorchen. Aber das ist nicht ihr erster Zweck, denn der liegt in der Liebe selbst.

Ich musste vor allem diesen letzten Punkt hören, und das hat Gott mir auf überraschende Art gezeigt. Als ich ihn bat, mich seine Liebe spüren zu lassen, war gerade niemand in der Nähe, und so fühlte ich mich frei, die Worte laut auszusprechen. Aber ich konnte meinen Satz nicht beenden. Ich begann mein Gebet in etwa so:

„Mein Gott, bitte übergieß mich mit Deiner unendlichen, bedingungslosen Liebe. Lass sie mich bis ins Innerste meines Herzens spüren, damit…“

Hier hat Gott sich eingemischt und salopp ausgedrückt in etwa folgendes gesagt:

„Hör endlich mit Deinem „damit“ auf.
Verstehst Du nicht, dass ich Dir meine Liebe einfach so schenke?
Wenn Du sie nur als Mittel ansiehst, um ein besserer Mensch zu werden, der das Richtige tut, oder um Heilung zu erfahren, dann hast Du mein Wesen und das Wesen meiner Liebe für Dich nur zu einem Bruchteil begriffen.
Vergiss für den Moment Deine aktuellen Kämpfe, denn darum geht es heute nicht.
Es geht um Dich und um mich.“

Gottes „Selfie“
Gott hat mir klar gemacht, dass es für unsere Beziehung wichtig ist, dass ich seiner Liebe für mich wirklich vertraue und sie verstehe. Sie ist zuerst einmal weder ein Medikament noch ein geistliches Aufputschmittel, sondern das Abbild seines Wesens. Ein modernes Gleichnis bezeichnet Jesus als Gottes „Selfie“ – das Bild, das er von sich gemacht und in unsere Herzen gelegt hat. Und auch die konstante, unwandelbare, bedingungslose, überfließende und zweckfreie Liebe ist ein solches Selfie.

In letzter Zeit sehe ich mich oft mit den Begrenzungen meines Herzens konfrontiert. Mein Unvermögen, manchmal sogar Unwillen, das Richtige zu tun, lastet auf mir, und manchmal bin ich voller Angst, dass ich Gottes Pläne torpediere. Dieser Prozess ist noch im Gang, aber auf diesem Spaziergang hat Gott mir klar gemacht, dass er die Stürme in unserem Leben aus verschiedenen Gründen zulässt und uns manchmal etwas anderes damit offenbaren will, als wir erwartet haben.

Ich dachte, dass ich schon alles über Gottes Liebe weiß. Aber ich musste einsehen, dass ich in den Zeiten, in denen alles läuft, schnell auf den Pfad des Sich-Liebe-Verdienens und der Self-Made-Erlösung zurückkehre. Erst die Erkenntnis, dass ich es allein doch nicht schaffe, lässt mich begreifen, dass Gott das längst weiß und mich dennoch liebt, weil er Liebe IST.

Er schenkt uns diese Liebe, ohne dafür etwas zu erwarten, weil er uns zuerst einmal einfach lieben will. Und er hat durch Jesus alles Nötige unternommen, damit wir in Beziehung zu ihm leben können, obwohl wir mit unseren Unzulänglichkeiten kämpfen. Wir können jederzeit zu ihm kommen und uns von seiner Liebe berühren lassen.

Und wenn wir das tun und seine Nähe suchen, müssen Angst und Furcht weichen. Sie können nicht an einem Ort überleben, der von seiner Liebe erfüllt ist.

„Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht hat Pein. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht völlig in der Liebe.“
1. Johannes 4, 18


Fällt es Dir leicht, Gottes Liebe anzunehmen? Oder überlegst Du auch oft, was für einen Output Du jetzt produzieren solltest, und bist versucht, sie nur als geistliches Aufputschmittel anzusehen, das Dir eine Motivationsspritze verleiht? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!