Meine diesjährige Suche nach dem „Wort des Jahres“ begann früh und verheissungsvoll: Ich hatte mehrere Ideen, und bald schon glaubte ich zu wissen, welche es werden sollte. Dann aber kam ich ins Grübeln, weil mir diese Favoriten so einseitig schienen.

Ich wollte konsequent meine Entscheidungen umsetzen und meine Ziele verfolgen, aber keinen Tunnelblick bekommen, der mich nur meine eigenen Interessen sehen lässt. Ich wollte achtsam und liebevoll sein, aber auch die Kraft haben, das durchzusetzen, was ich für richtig halte.

Zwei Wochen nach Jahresstart habe ich es schliesslich gefunden – das Wort, das mich dieses Jahr leiten und motivieren, inspirieren und ermutigen soll. Es heisst Commitment.

Dass es ein englisches Wort ist, war keine Absicht; es hat einfach am besten ausgedrückt, was mir wichtig ist. Und das Schöne ist, dass seine zahlreichen deutschen Entsprechungen all die Facetten dessen ausdrücken, was ich dieses Jahr ins Zentrum stellen will.

Zusage und Verbindlichkeit.

Verpflichtung und Engagement.

Bekenntnis und Bindung.

Selbstverpflichtung und Hingabe.

Ich habe dieses Jahr viel vor, und mit diesem Wissen und den Erfahrungen aus dem letzten Jahr habe ich meine Aufgaben etwas reduziert. Ich bin mir bewusst geworden, was ich nicht mehr machen will, und habe entsprechende Entscheidungen getroffen. Im Gegenzug will ich bei dem, was ich tue, mit ganzem Herzen dabei sein, und all diese Worte drücken das aus.

  • Dort, wo ich mich engagiere, gebe ich meine Zusage von Herzen und mache meine Sache verbindlich.
  • Meinen entsprechenden Aufgaben verpflichte ich mich und setze mich voll und ganz ein.
  • Zu meinen Beziehungen bekenne ich mich und pflege sie, damit Bindungen gestärkt und vertieft werden.
  • Meinen eigenen Projekten widme ich mich mit Selbstverpflichtung und Hingabe.

Wir entscheiden jahrein, jahraus, wofür wir uns einsetzen wollen, welche Beziehungen wir leben, wo wir unsere Tatkraft investieren wollen. Ab und zu müssen wir einen Blick auf das Ganze werfen und nötige Anpassungen vornehmen. Wenn wir unser „Palette“ dann ansehen und zufrieden sind, können wir loslegen und alles geben.

Und darauf freue ich mich. Ich freue mich auf ein spannendes Jahr voller Ziele, die ich erreichen, aber auch voller Momente, die ich einfach geniessen will. Und ich wünsche mir, dass ich Ende Jahr zurückblicken und sagen kann: Ich habe den Zielen, den Aufgaben und den Beziehungen, die zu meinem Leben gehören, dieses Jahr mein ganzes Herz geschenkt. Wo ich war, war ich echt und wahr, mit Haut und Haaren. Wenn ich etwas anpackte, dann mit allem, was mir zur Verfügung stand.

Während ich über diesen Wunsch nachdenke, steigt ein anderes Wort oder besser Sprichwort aus den Tiefen empor; eins, das ich in einem meiner geliebten Dick-Francis-Krimis gelesen habe. Es ist in Latein, einer Sprache, die ich sehr mag; und so stelle ich neben das Wort „Commitment“ diesen Schlachtruf, den ich nicht nur über diesem Jahr ausrufen, sondern irgendwann auch auf  meinen Grabstein setzen will.

QUANTUM IN ME FUIT – Ich habe mein Bestes gegeben.

Mich motiviert der Satz, ohne mich unter Druck zu setzen. Er setzt kein Ziel, das von anderen abhängt, keinen Massstab, den irgendwer setzt und den ich einhalten muss. Er setzt bei mir an, bei dem, was *ich* leisten kann. Das, und nur das kann und will ich geben. Es unterscheidet sich von dem, was andere geben können; –mal ist es mehr, mal ist es weniger.

Aber das macht nichts – solange ich mein Bestes gebe.

Was hast Du Dir vorgenommen, falls Du das mit den Vorsätzen überhaupt noch machst? Ich wünsche Dir in jedem Fall, dass Du Dich mit niemand anderem vergleichst und keine falschen Massstäbe an Dich legst und gerade dadurch dazu befreit bist, Dich voll und ganz einzusetzen für das, was Dir wichtig ist, darin Dein Bestes zu geben und Erfüllung zu finden.

 

Bildquelle: Pixabay

 

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Bildquelle: Pixabay

Das gute 2016 ist schon mehr als eine Woche alt, und eigentlich wollte ich Euch schon längst mein „Wort des Jahres“ präsentieren. Ich hatte das Post frühzeitig begonnen, weil ich schon ziemlich sicher war, was es sein würde: Ich muss dieses Jahr Prioritäten setzen, um meine Ziele zu erreichen, und deshalb kam mir das Wort „Fokus“ in den Sinn. Weil ich noch nicht ganz zufrieden war, habe ich das Post liegen lassen und mir gedacht, dass mir das bessere Wort, das wohl in die gleiche Richtung gehen würde, schon noch einfallen würde.

Dann bin ich am Dienstag als erste Einlösung eines Neujahrsvorsatzes wieder mal auf den Hometrainer gestiegen, habe mich eine halbe Stunde moderat abgestrampelt und erleichtert festgestellt, dass mein mittelalter Body noch leidlich funktioniert. Als ich danach die Stille im Haus und die müde Nachtrainings-Zufriedenheit genoss, wurde mir klar, dass ich meinen Fokus doch anders setzen muss. Im Grunde hat mir Gott so etwas wie das hier mitgeteilt:

„Meine Liebe, das mit dem Fokus ist eine schöne Idee. Aber wenn wir es genauer betrachten, kannst Du das schon gar nicht schlecht, und ich habe keine Angst, dass Du Dich verzetteln wirst. Du läufst eher Gefahr, Dir zu viel Druck aufzusetzen, morgens schon Angst zu haben, dass Du nicht genug erledigst, und durch Deine Tage zu hetzen. Was Dir fehlt, ist das Leben im Jetzt.“

Und er hatte (natürlich) recht.

Ich lebe oft in meinem Kopf und selten in der Gegenwart. Ich beschäftige mich mit der Vergangenheit, analysiere meine Handlungen, frage mich, was richtig und was falsch war und was für Konsequenzen es in meinem Leben hatte, ob dies und das eine direkte Folge davon ist – alles aus dem Wunsch heraus, zu verstehen und „es künftig besser zu machen“. In gleicher Weise bin ich innerlich oft schon in der Zukunft, zähle auf, was ich heute und was ich morgen noch alles tun muss, krame Zettel hervor und mache To-Do-Listen, um „es im Griff zu haben“. Und wenn ich nicht in einer anderen Zeit lebe, lebe ich in einem anderen Universum wie dem meines Buches, in einem Film oder einem Roman, den ich lese oder gelesen habe.

Das ist alles gut und wichtig, aber der winzige Moment des Jetzt ist der einzige Moment, wo mir andere Menschen und Gott begegnen können, wo ich mich selbst spüren und leben kann.
Deshalb soll mein Jahresmotto heißen:

„JETZT ist die Zeit.“

Jetzt. Die warme Dusche am Morgen, ohne in Gedanken schon hinter dem Computer zu sitzen.
Jetzt. Im Auto durch den Regen zur Arbeit, dem Prasseln und der Musik lauschen, ohne in Gedanken schon vom Auto ins Büro zu hetzen.
Jetzt. Mit jemandem ein Gespräch führen, da sein, neugierig sein, ohne schon zu überlegen, was ich danach mache.

Wenn ich das „Jetzt“ genieße, gebe ich anderen und mir selbst mehr Raum. Ich spüre mich besser, erde mich und ich bin mehr „da“. Gerade als Mensch, der kreativ arbeitet, Geschichten mit neuen Welten und Charakteren erschaffen will, bin ich auf die Inspiration durch das wirkliche Leben angewiesen. Egal, ob ich Menschen beobachte, mich unterhalte, durch den Regen laufe, ein Lied singe oder bete: Die Gegenwart mit all ihren Facetten ist ein Füllhorn derIdeen, die ich zu neuen Geschichten verarbeiten kann.

Ich freue mich auf ein Jahr mit mehr „Jetzt“ und weniger „morgen will ich“ und „warum habe ich“. Und es hat schon gut angefangen. Letzten Freitag bedeutete „Jetzt“ einen schönen Vormittag mit einer befreundeten Sängerin und Songwriterin bei Müsli, Brötchen und Kaffee, einen Shoppingnachmittag und ein exzellentes Essen am Abend mit Freunden. Ich konnte an dem Tag nicht viel Produktives erledigen, aber ich habe ihn in vollen Zügen genossen, weil es das war, was „jetzt“ passierte.

Ich könnte auch sagen, ich „pflücke den Tag“, ganz nach dem von Horaz formulierten „Carpe diem“. Aber obwohl wir, wie Horaz es schreibt, nicht wissen können und sollen, wie viele Winter wir noch vor uns haben und ob dieser hier der letzte ist, glaube ich im Gegensatz zu ihm nicht, dass die Zeit mir missgünstig und feindlich gesinnt ist. Wenn ich sie aufmerksam betrachte, zeigt sie mir, wie kostbar das Jetzt ist, denn als Mensch, der an die Einmaligkeit unseres irdischen Lebens glaubt, bin ich mir bewusst, dass jeder Tag zählt. Und auch wenn ich glaube, dass es danach weitergeht – anders, gewaltig, unvorstellbar, nicht fassbar – behält dieses Leben seine Bedeutung. Hier lebe und wirke ich genau jetzt; es ist die Zeit, die mir geschenkt wurde, um sie zu gestalten und zu nutzen, zu genießen, um zu lieben, zu wagen und zu scheitern – Spuren zu hinterlassen.

Ich will die Zeit auskaufen, bis nichts mehr übrig ist! Bist Du dabei?

Hast Du auch ein „Wort“ oder „Worte“, die für Dich das neue Jahr symbolisieren? Wovon träumst Du, was wünschst Du Dir vom neuen und noch frischen 2016? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!